Rudolf Dolzer

Rudolf Dolzer (* 20. März 1944 in Asang; † 3. April 2020) war ein deutscher Völkerrechtler. Er lehrte als Professor für Völkerrecht und Europarecht an der Universität Mannheim (1989–1996) und der Universität Bonn (1996–2009). Von 1992 bis 1996 war er Ministerialdirektor und Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt sowie Koordinator der Nachrichtendienste des Bundes.

Werdegang

Nach der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei besuchte Dolzer die Volksschule und das Gymnasium in Waiblingen. Anschließend studierte er 1963 bis 1965 Rechtswissenschaft und Soziologie in Tübingen und 1965–1966 mit einem Fulbright-Stipendium das Fach Politikwissenschaft an der Gonzaga University in Spokane, USA. Dort schloss er mit dem Bachelor of Arts ab. Zurück in Deutschland setzte Dolzer sein Jurastudium in Heidelberg fort und legte am 2. Juni 1969 die Erste Prüfung ab.

Mit einer Arbeit über Die staatstheoretische und staatsrechtliche Stellung des Bundesverfassungsgerichts wurde er 1971 in Heidelberg zum Dr. jur. promoviert. Von 1971 bis 1972 studierte er an der Harvard Law School und erwarb den Abschluss Master of Laws. Nach dem Rechtsreferendariat im Bezirk des Oberlandesgerichts Karlsruhe folgte am 11. Juni 1975 die Zweite Staatsprüfung. Für ein zweites Promotionsstudium zum Doctor of Juridical Science ging er von 1975 bis 1977 erneut an die Harvard University.

Von 1977 bis 1989 war Dolzer Wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. 1984 habilitierte Dolzer in Heidelberg und erhielt die Lehrbefähigung für Deutsches und ausländisches öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht. 1989 übernahm er den Lehrstuhl für Deutsches und Ausländisches Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht an der Universität Mannheim und war von 1990 bis 1992 deren Prorektor.

Von der Universität ließ sich Dolzer beurlauben, um von 1992 bis 1996 als Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung 6 im Bundeskanzleramt unter Helmut Kohl und dem Kanzleramtschef Friedrich Bohl (beide CDU) zu arbeiten. In dieser Funktion war er zuständig für den Bundesnachrichtendienst und Koordinator der Nachrichtendienste des Bundes.

Von 1996 bis 2009 war Dolzer Professor an der Juristischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Leiter des dortigen Instituts für Völkerrecht.

Gastprofessuren

1984–1985 hatte er eine Gastprofessur an der Juristischen Fakultät der University of Michigan in Ann Arbor, USA und 1987 eine Gastprofessur an der Juristischen Fakultät der Cornell University in Ithaca, USA. 1995 und erneut im Herbst 2000 hatte Dolzer eine Gastprofessor am Massachusetts Institute of Technology. Im Frühjahr 2005 war er Gastprofessor an der Université Paris I (Sorbonne), im Herbst 2006 Gastprofessor an der Southern Methodist University, Texas und im Herbst 2007 Gastprofessor am Instituto de Empresa in Madrid. Im August 2010 hatte er eine Vorlesung an der Akademie für Völkerrecht in Den Haag.

Mitgliedschaften

Auszeichnungen

2010 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Schriften (Auswahl)

Dolzer ist Autor zahlreicher Schriften zum internationalen Wirtschaftsrecht (insbesondere Investitionsschutzabkommen), zum internationalen Umweltrecht und Klimapolitik sowie internationaler Streitbeilegung.

Einzelnachweise

  1. ↑ Aktuelles - Prof. Dr. Dr. Rudolf Dolzer verstorben. In: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Abgerufen am 9. April 2020.
  2. ↑ Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste - Dolzer. Abgerufen am 12. Oktober 2024.
  3. ↑ Bundesverdienstkreuz für Prof. Rudolf Dolzer. In: Die Stadtredaktion. 24. September 2010 (online [abgerufen am 6. Mai 2020]).
Personendaten
NAME Dolzer, Rudolf
KURZBESCHREIBUNG deutscher Völkerrechtler
GEBURTSDATUM 20. März 1944
GEBURTSORT Asang
STERBEDATUM 3. April 2020