Rudolf Gruber (Manager)

Rudolf „Rudi“ Gruber (* 28. Dezember 1933 in Gablitz; † 27. Jänner 2024 in Baden) war ein österreichischer Manager und Jurist.

Leben und Wirken

Ausbildung und Studium

Rudolf Gruber wurde am 28. Dezember 1933 in der Gemeinde Gablitz im damaligen Bezirk Hietzing-Umgebung (heute Teil des Bezirks St. Pölten-Land) geboren und entstammte einfachen Verhältnissen. Sein Vater August war Kabelleger bei Siemens, der jedoch nicht genug Geld hatte, um das Schulgeld seines Sohnes aufzubringen. Die Mutter Maria war als Hilfsarbeiterin bzw. Magd auf einem Bauernhof tätig, auf dem die Familie zur Untermiete lebte. Grubers Mutter versuchte, ihren Sohn während der NS-Zeit vom Nationalsozialismus fernzuhalten. Geprägt war ihre Haltung unter anderem durch das Schicksal ihres Bruders, der wegen öffentlich geäußerter Kritik am NS-Regime zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt, nach seiner Entlassung zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront versetzt wurde, von der er nicht zurückkehrte. Die Erlebnisse während des Krieges und insbesondere die erste Phase der sowjetischen Besatzung nach Kriegsende hinterließen bei Gruber als Kind nachhaltige Eindrücke. Über einen Pfarrer kam das Einzelkind in weiterer Folge zu einer großbürgerlichen und kinderlosen Familie in Wien. Nach der Volksschule besucht er das Gymnasium Fichtnergasse in Wien-Hietzing, was ihm durch seine Pflegeeltern, einen Bankier und eine Aristokratin, ermöglicht wurde.

In dieser Zeit trat er der MKV-Verbindung Borussia Wien bei und begann nach seiner Matura im Jahr 1953 bedingt durch seinen dort in führender Position tätigen Pflegevater eine Lehre in der Wiener Privatbank Pinschof & Co. und zeitgleich ein Studium an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, an der er 1958 zum Dr. iur. promovierte. An der Universität Wien trat er am 12. November 1956 der K.Ö.H.V. Nordgau Wien bei und erhielt den Couleurnamen Grog. Im Sommersemester 1958 war er Consenior und im Studienjahr 1958/59 zweimal Senior. Mit der Wahl des Nordgaus zum Vorort für das Studienjahr 1960/61 übte Gruber das Amt des Vorortspräsidenten aus, musste aber, da er bereits im April 1960 philistriert wurde, hierfür reaktiviert werden. Sein zweiter Vorortsbeisitzer war in dieser Zeit der spätere Versicherungsmanager Wilhelm Demuth. In seine Amtszeit als Senior und Vorortspräsident fielen die Verabschiedung einer neuen Cartellordnung sowie der Beginn der verbandsinternen Debatte über eine Reform des Hochschulwesens. Aufgrund des erfolgreichen Verlaufs übernahm der Nordgau auch im darauffolgenden Studienjahr 1961/62 die Vorortsfunktion im ÖCV; das Amt des Vorortspräsidenten bekleidete nun der spätere Kammerbeamte Peter Micheler.

Vom Banken- und Börsenwesen zur Energiewirtschaft

Nach Abschluss seines Studiums legte Gruber, der weiterhin bei der Bank Pinschof & Co. beschäftigt war, die Prüfung zum Sensal an der Wiener Börse ab. Aufgrund seines jungen Alters wurde Gruber zunächst nicht zur Prüfung zugelassen, durfte diese schließlich jedoch unter der Voraussetzung ablegen, bis zum Erreichen des erforderlichen Alters auf eine Anstellung zu warten. Nachdem eigens eine zusätzliche Stelle geschaffen worden war, nahm Gruber 1960 seine Tätigkeit als Sensal an der Wiener Wertpapierbörse auf. Damit wurde er zum bis dahin jüngsten Börsensensal seit der Einführung dieser Institution unter Maria Theresia und gehörte dem nunmehr neunköpfigen Gremium der Sensale an. Der sogenannte Müllner-Skandal, ausgelöst durch den damaligen Generaldirektor und früheren niederösterreichischen Landeshauptmannstellvertreter Viktor Müllner, erschütterte 1966 die niederösterreichischen Energieversorger Niederösterreichische Elektrizitätswirtschafts AG (NEWAG) und Niederösterreichische Gasvertriebs GmbH (NIOGAS).

In der Folge wurde Gruber Mitglied einer Kommission, die mit der Sanierung der angeschlagenen Unternehmen betraut war. Mit 19. Januar 1968 wurde er – unter Mithilfe des damaligen niederösterreichischen Landeshauptmanns Andreas Maurer, der ein väterlicher Freund Grubers war – schließlich zum Generaldirektor und Vorstandsvorsitzenden der NEWAG sowie zum Geschäftsführer der NIOGAS bestellt. Zu diesem Zeitpunkt galt Gruber mit seinen 34 Jahren als jüngster Generaldirektor Österreichs. Innerhalb kurzer Zeit gelang die Sanierung der beiden Unternehmen, woraufhin sich die NIOGAS noch im selben Jahren am ersten Erdgasimportvertrag mit der Sowjetunion beteiligte. Weiters galt Gruber als ein Befürworter des nach einer Volksabstimmung 1978 nicht in Betrieb genommenen Atomkraftwerkes Zwentendorf sowie des in den 1980er Jahren nach der Besetzung der Hainburger Au verhinderten Baus des Donaukraftwerks Hainburg. Letzteres bezeichnete er selbst als politisches Versagen.

Ausbau und Internationalisierung der EVN

Im Jahr 1986 wurden die NEWAG und die NIOGAS fusioniert, wobei die beiden bisherigen Unternehmensnamen zunächst erhalten blieben und das fusionierte Unternehmen fortan als NEWAG-NIOGAS firmierte. Bereits im Folgejahre erfolgte die Umbenennung in den noch heute bestehenden Firmennamen EVN (für Energie-Versorgung Niederösterreich), deren Generaldirektor Gruber blieb. Unter seiner Führung ging die nunmehrige EVN 1989/90 an die Börse und ist an dieser bis heute (Stand: 2026) vertreten. Während dem vorigen Alleinaktionär, dem Land Niederösterreich, 51 Prozent der Aktien gehören, wurden die übrigen 49 Prozent im Jahre 1989 bei zwei Börsengängen privatisiert. Ab dieser Zeit kam es auch zur ständigen Erweiterung der Geschäftsfelder der EVN – weg vom alleinigen Energieversorger und hin zum sogenannten Multi-Utility-Unternehmen. Hierbei kamen zunächst die Bereiche Trinkwasserversorgung, Abfallverwertung und Telekommunikation hinzu. Im Zuge der Ostöffnung 1989 sowie des EU-Beitritts Österreichs 1995 und der ständigen Erweiterungen der EU wurde die EVN unter Grubers Führung vom einst regionalen bzw. nationalen Energieversorger zu einem international agierenden Energie- und Umweltdienstleistungsunternehmen mit breitgefächertem Portfolio.

Unter Grubers Führung kam es wiederholt zu Unternehmensübernahmen, darunter kurz nach der Jahrtausendwende jene des niederösterreichischen Wasserversorgers NÖSIWAG (Niederösterreichische Siedlungswasserbau Gesellschaft), der seither als EVN Wasser GmbH firmiert. Nur wenige Jahre später erfolgte die Übernahme des deutschen Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsunternehmens WTE (Wassertechnik GmbH), was den Grundstein zur Internationalisierung der EVN legte. Die WTE wurde wiederum im Jahr 2026 an die STRABAG verkauft. Im Laufe der Jahre wurden unter Grubers Leitung verstärkt Investitionen in erneuerbare Energieträger wie Wasserkraft, Windenergie und Biomasse sowie in den Ausbau der Fernwärme getätigt, wodurch auch die Energieversorgung Österreichs sichergestellt werden konnte. Im Jahr 2004 schied der mittlerweile 70-Jährige aus dem Vorstand der EVN, ehe er im Folgejahre zum Aufsichtsratsvorsitzenden der EVN gewählt wurde und diese Funktion bis ins Jahr 2011 innehatte.

Tätigkeiten in der Interessensvertretung

Ab 1977 war Gruber 15 Jahre lang als Finanzreferent der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) sowohl in der niederösterreichischen Landespartei als auch in der Bundespartei tätig. Zudem hatte er zahlreiche verschiedene Funktionen in der Interessensvertretung und war unter anderem Vorsteher-Stellvertreter des Fachverbandes der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen der Wirtschaftskammer Österreich, Obmann-Stellvertreter der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Niederösterreich, Vorstandsmitglied der Vereinigung Österreichischer Industrieller sowie Präsident des Verbandes der Elektrizitätswerke Österreichs. Außerdem war er Mitglied des Aufsichtsrates der Siemens AG Österreich, der OMV, der Creditanstalt-Bankverein und der Wiener Börse AG. Weitere Aufsichtsratsmandate hatte er unter anderem bei der ÖIAG oder der Postsparkasse. oder auch bei der Moeller Beteiligungen GmbH in Wien, der Moeller Gebäudeautomation GmbH in Schrems, der Rohöl-Aufsuchungs AG (RAG) in Wien sowie der RAG-Beteiligungs-AG in Maria Enzersdorf. Bis zum 6. September 2009 fungierte Gruber als Aufsichtsratsvorsitzender der Wiener Börse AG und anschließend als deren stellvertretender Vorsitzender. Während seiner aktiven Zeit hatte er 27 Aufsichtsratsmandate inne; danach bis 2011 immerhin noch sieben.

International hatte der Kommerzialrat Funktionen in der Internationalen Atomenergiebehörde, bei Eurogas in Brüssel und war Präsident der Österreichisch-Deutschen Kulturgesellschaft (Vorgängerorganisation der ÖDG) sowie Honorarkonsul von Ungarn.

Weiteres Engagement im ÖCV

Auch nach seinem Studium engagierte sich der gebürtige Niederösterreicher weiterhin im Österreichischen Cartellverband und wurde etwa 1962 Nachfolger von Michael Mitterauer als Leiter des Amtes für Auslandsfragen im ÖCV-Beirat. Die Funktion bekleidete er bis ins Jahr 1966 und war bereits zwei Jahre zuvor als Nachfolger von Arthur Lanc zum Vorsitzenden des ÖCV-Altherrenlandesbundes Niederösterreich gewählt worden. Als Nachfolger des verstorbenen Eduard Chaloupka wurde Gruber am 11. November 1967 auf einer außerordentlichen Cartellversammlung zum Vorsitzenden des ÖCV-Beirates bzw. der Verbandsführung gewählt.

Bei der Wahl trat Gruber als Kandidat der jüngeren Generation gegen Rudolf Mayr, den Vorsitzenden der Altherrenschaft, an und erreichte 45 Prozent der Stimmen. Angesichts seines etablierten Gegenkandidaten Mayr wurde dieses Ergebnis als beachtlicher Erfolg gewertet. Ob Gruber die Funktion im Falle seiner Wahl auch nach seiner späteren Bestellung zum Vorstandsvorsitzenden der NEWAG hätte weiter ausüben können, blieb angesichts der hohen beruflichen Belastung in seinen ersten Jahren bei dem Unternehmen fraglich.

Am 28. Dezember 1959, dem Fest der Unschuldigen Kinder, fand auf Grubers Anregung hin die Gründung der MKV-Verbindung Austria Purkersdorf statt, deren Philistersenior er bis 1964 war.

Gruber war Urphilister der K.Ö.H.V. Nordgau Wien im ÖCV, Nordgau-Dankbandträger und Doctor cerevisiae et vini (Dr. cer.; Verleihung: 2010) sowie Urphilister der K.Ö.St.V. Borussia Wien im MKV und Bandphilister der K.Ö.St.V. Veritas-Baden und Austria Purkersdorf. Das 135-Semester-Jubelband hatte er erst einen Monat vor seinem Tod anlässlich seines 90. Geburtstages erhalten.

Gerüchte über seine Mitgliedschaft beim erzkonservativen katholischen Laienorden Opus Dei wurden von Gruber stets dementiert.

Tod

Nach kurzer Krankheit starb Gruber am 27. Jänner 2024 im Alter von 90 Jahren in Baden bei Wien und wurde am 17. Februar 2024 nach dem heiligen Requiem in der Pfarrkirche Baden-St. Christoph am hiesigen Helenenfriedhof beerdigt.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Rudolf Gruber: Ein schwarzer Riese im blaugelben Biotop, abgerufen am 18. September 2026
  2. ↑ „Festlicher Abend“ mit Dr. Rudolf Gruber, abgerufen am 18. September 2026
  3. ↑ WTE ab sofort Teil der STRABAG Gruppe, abgerufen am 18. September 2026
  4. ↑ Erfolgreicher Abschluss der WTE-Übernahme, abgerufen am 18. September 2026
  5. 1 2 Siemens Aktiengesellschaft Österreich – Annual Report 2009 (englisch), abgerufen am 18. September 2026
  6. 1 2 Rudolf Grubers Parte der Nordgau Wien, abgerufen am 18. September 2026
Personendaten
NAME Gruber, Rudolf
ALTERNATIVNAMEN Gruber, Rudi (Rufname); Grog (Couleurname)
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Manager und Jurist
GEBURTSDATUM 28. Dezember 1933
GEBURTSORT Gablitz, Österreich
STERBEDATUM 27. Januar 2024
STERBEORT Baden, Österreich