Rudolf Ismayr

Rudolf Ismayr
Medaillenspiegel

Gewichtheben

Deutschland
Olympische Spiele
Gold 1932 Los Angeles Mittel
Silber 1936 Berlin Mittel
Weltmeisterschaften
Silber 1938 Wien Mittel
Europameisterschaften
Gold 1931 Luxemburg Mittel
Silber 1933 Essen Mittel
Gold 1934 Genua Mittel
Gold 1935 Paris Mittel

Rudolf Ismayr (* 14. Oktober 1908 in Landshut; † 9. Mai 1998 in Marquartstein) war ein deutscher Gewichtheber. Er wurde 1932 Olympiasieger im Mittelgewicht.

Leben

Ismayr wuchs in Landshut und Deggendorf auf, betätigte sich als Jugendlicher mit Schwimmen, Leichtathletik, Turnen, trat erst mit 16 Jahren 1924 dem TV Deggendorf (seit 1947 TSV) bei und fing dort mit Boxen und Gewichtheben an. Bald erkannte der damalige Reichstrainer Josef Zimmermann sein außerordentliches Talent für das Gewichtheben und nahm ihn unter seine Fittiche. Nach dem Abitur ging Ismayr 1928 zum Studium nach München, trat zuerst dem TSV 1860 und dann dem SC Roland München, dem Verein Zimmermanns, bei. Ab 1930 steigerte er durch intensives Training seine Leistungen sprunghaft und erreichte die deutsche und internationale Spitzenklasse, in der er bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges blieb. Erfolg reihte sich an Erfolg. Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1932 schloss er Freundschaft mit den amerikanischen Gewichthebern, allen voran dem späteren Olympiasieger Anthony Terlazzo und unterstützte diese von da an mit wertvollen Trainingshinweisen. In Deutschland holte er 1934 den hochtalentierten Bamberger Josef Manger nach Freising, wo er inzwischen sesshaft geworden war und bei der SpVgg Freising eine Gewichtheberabteilung aufbaute. Er machte Manger innerhalb weniger Monate zum Weltklasse-Gewichtheber, Olympiasieger und Welt- und Europameister.

1936 sprach er bei den Olympischen Spielen in Berlin den olympischen Eid.

Beruflich war er als Volljurist im bayerischen Staatsdienst beschäftigt. Am 13. Juli 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.823.043). Von 1940 bis 1945 leistete er Kriegsdienst und war bis Herbst 1946 in britischer Kriegsgefangenschaft. Danach wieder im Staatsdienst, engagierte er sich als Friedenskämpfer und Atomwaffengegner und machte sich damit bei den Politikern in Bonn und München unbeliebt. Er kandidierte bei der Bundestagswahl 1957 für den Bund der Deutschen und bei den Bundestagswahlen 1961 und 1965 für die Deutsche Friedens-Union. Später wurde er Mitglied der DKP.

Ismayr hatte mit der Schauspielerin Christa Caporicci, mit der er nicht verheiratet war, eine gemeinsame Tochter, die Schauspielerin Christa Berndl.

Am 9. Mai 1998 starb Rudolf Ismayr im Alter von 99 Jahren in Marquartstein.

Die Stadt Landshut hat nach ihm den „Rudolf-Ismayr-Weg“ benannt, die Gemeinde Neufahrn bei Freising eine Straße.

Grab auf dem Friedhof St. Georg in Freising

Internationale Erfolge

JahrPlatzWettbewerbWettkampfartGewichtsklasseErgebnisse
19307.EM in MünchenODMittelmit 232,5 kg (00-100-132,5), im beidarmigen Drücken unterliefen ihm 3 Fehlversuche; Sieger: Kurt Helbig, Deutschland, 337,5 kg (92,5-105-140)
19311.EM in LuxemburgODMittelmit 342,5 kg (100-105-137,5), vor Carlo Galimberti, Italien, 332,5  (102.5, 97.5, 122.5) und Arafa, Ägypten, 327,5 kg (102.5, 100.0, 125.0)
1932GoldOS in Los AngelesODMittelmit 345 kg (105–107,5–132,5), vor Galimberti, 340 kg (105.0, 97.5, 130.0) und Karl Hipfinger, Österreich, 337,5 kg (90.0, 107.5, 140.0)
19332.EM in EssenFKMittelmit 492,5 kg (75.0, 77.5, 100.0, 100.0, 140.0), hinter Pierre Alleene, Frankreich, 497,5 kg (77.5, 87.5, 87.5, 107.5, 137.5) und vor Eugen Jordan, Deutschland, 470 kg (77.5, 72.5, 90.0, 100.0, 130.0)
19341.EM in GenuaODMittelmit 347,5 kg (102,5-105-140), vor Theodor Heizmann, Österreich, 332,5 kg (90.0, 105.0, 137.5) kg und Karl Hipfinger, 330 kg (90.0, 102.5, 137.5)
19351.EM in ParisODMittelmit 360 kg (105-110-145), vor Hans Gottschalk, Deutschland, 345 kg (92.5, 110.0, 142.5) und Lepreux, Frankreich, 330  (95.0, 105.0, 130.0)
1936SilberOS in BerlinODMittelmit 352,5 kg (107,5-102,5–142,5), hinter Khadr Sayed El Touni, Ägypten, 387,5 kg (117.5, 120.0, 150.0) und vor Adolf Wagner (Gewichtheber), Deutschland, 352,5 kg (97.5, 112.5, 142.5)
19382.WM in WienODMittelmit 362,5 kg (107.5, 105.0, 147.5) kg, hinter Adolf Wagner, 367,5  (110.0, 112.5, 145.0) und vor John Terpak, USA, 360 kg (105.0, 112.5, 140.0)
Erläuterungen

Länderkämpfe

Erfolge bei deutschen Meisterschaften

Weltrekorde

Daneben erzielte Ismayr noch 2 olympische Rekorde und 19 deutsche Rekorde.

Literatur

Rudolf Ismayr: Gewichtheben. Stuttgart 1935 Rudolf Ismayr: Olympischer Geist in der Politik. Düsseldorf 1956

Commons: Rudolf Ismayr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Arnd Krüger: Die Olympischen Spiele 1936 und die Weltmeinung: ihre außenpolitische Bedeutung unter besonderer Berücksichtigung der USA. Berlin: Bartels & Wernitz, 1972 (= Sportwissenschaftliche Arbeiten Bd. 7). ISBN 3-87039-925-2, S. 196f.
  2. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/17671191
  3. ↑ Biografische Notiz auf www.kgparl.de, abgerufen am 31. Juli 2017.
  4. ↑ Rot und Schwarz. In: Der Spiegel, Heft 43/1972.
  5. ↑ BayernAtlas. Abgerufen am 29. Juli 2022.
Personendaten
NAME Ismayr, Rudolf
KURZBESCHREIBUNG deutscher Gewichtheber
GEBURTSDATUM 14. Oktober 1908
GEBURTSORT Landshut
STERBEDATUM 9. Mai 1998
STERBEORT Marquartstein