Rudolf Mirbt

Rudolf Mirbt, 1966

Rudolf Mirbt (* 24. Februar 1896 in Marburg, Hessen; † 4. Dezember 1974 in Feldkirchen-Westerham, Oberbayern) war ein deutscher Pädagoge, Schriftsteller, Dramatiker und Publizist. Er war ein Förderer des von Martin Luserke maßgeblich initiierten Darstellenden Spiels (Laienspiel) an deutschen Schulen und in der Jugendbewegung.

Familie

Rudolf Mirbt war viertes Kind des evangelischen Kirchenhistorikers Carl Theodor Mirbt. Sein ältester Bruder ist der Jurist Hermann Mirbt. Sein jüngerer Bruder ist der Landwirtschaftsberater Carl Alexander Mirbt (1902–1975), der ab 1938 britischer Staatsbürger war.

Ausbildung

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Marburg studierte Rudolf Mirbt an der Georg-August-Universität in Göttingen und an der Justus-Liebig-Universität in Gießen ohne einen akademischen Abschluss zu erlangen.

Berufliche Entwicklung

Danach war er zunächst als Buchhändler im niederschlesischen Breslau tätig. Ab 1927 übernahm er dort die Funktion des Geschäftsführers des Schlesischen Evangelischen Volksbildungsausschusses. Ab 1932 war er Leiter der Literarischen Abteilung des Senders Schlesische Funkstunde (SFS) Breslau.

Im April und Mai 1931 reiste er, der russischen Sprache unkundig, in die Sowjetunion. Danach verfasste er ein Buch über seine Reiseeindrücke, das im Dritten Reich verboten wurde. Mirbt schildert darin u. a. seine Moskauer Begegnungen und Gespräche mit dem deutschen Theaterpädagogen, Regisseur und Theaterintendanten Erwin Piscator, aber auch mit dem Sohn des österreichischen Generalkonsuls, dem Wiener Korrespondenten Nikolaus Basseches (1895–1961), der sich häufig mit Walter Benjamin getroffen hatte. Außerdem sprach Mirbt mit dem Journalisten, Schriftsteller und Publizisten (1933) Artur W. Just (1896–1955) oder mit Wilhelm Baum, dem Presseattachée der deutschen Botschaft in Moskau.

1934 wechselte Mirbt von Breslau zur Mittelstelle für deutsches Auslandsbüchereiwesen (früher: Zentralstelle für deutsche Auslandsbüchereien) nach Berlin.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete Mirbt zunächst als freier Schriftsteller. 1953 wurde er Fachberater für musische Erziehung an den Höheren Schulen Schleswig-Holsteins mit Sitz in Kiel. Zusätzlich erhielt er einen Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule in Kiel und leitete das Kieler Spielleiterseminar mit.

Nebenberufliche Engagements

Mirbt war einer der Förderer des deutschen Laienspiels. Von der Jugendbewegung ausgehend, begann Mirbt in den 1920er Jahren im Münchener Jugendring. Bis 1938 gab er dort die Reihe Münchener Laienspiele heraus. Später war er der Herausgeber der Bärenreiter-Laienspiele und der Zeitschrift Laienspielgemeinde. Auf seine Initiative geht die Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater in Frankfurt am Main im Jahr 1953 zurück.

Werke (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Mirbt, Rudolf. In: Deutsche Biografie. Auf: deutsche-biographie.de. Abgerufen am 14. April 2017.
  2. ↑ Rudolf Mirbt im Munzinger-Archiv, abgerufen am 21. März 2024 (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. ↑ Rudolf Mirbt bei Who’s Who Germany, The People-Lexicon, abgerufen am 21. März 2024.
  4. ↑ Rudolf Mirbt. In: Deutsches Rundfunkarchiv. Auf: dra.de, abgerufen am 14. April 2017.
  5. ↑ Matthias Heeke: Reisen zu den Sowjets. Der ausländische Tourismus in Russland 1921–1941. Dissertation, Westfälische Wilhelms-Universität Münster 1999. LIT Verlag, Münster 2003, ISBN 3-8258-5692-5, S. 461.
  6. ↑ Rudolf Mirbt: Sowjetrussische Reiseeindrücke. Christian Kaiser Verlag, München 1932. Auf: verbrannte-und-verbannte.de, abgerufen am 14. April 2017.
  7. ↑ Walter Benjamin: Moskauer Tagebuch. 1980 (1926/27) S. 58, 63, 101ff., 109, 111, 130ff., 140ff., 147ff., 152, 159f., 168f., 171f. und 174.
  8. ↑ Mirbt, Rudolf. In: Deutsches Literatur-Archiv Marbach. Auf: dla-marbach.de. Abgerufen am 14. April 2017.
Personendaten
NAME Mirbt, Rudolf
KURZBESCHREIBUNG deutscher Pädagoge und Schriftsteller
GEBURTSDATUM 24. Februar 1896
GEBURTSORT Marburg
STERBEDATUM 4. Dezember 1974
STERBEORT Feldkirchen-Westerham