Samanta Schweblin wuchs in der argentinischen Hauptstadt auf und studierte Filmwissenschaft an der Universidad de Buenos Aires. Dabei lernte sie Drehbücher und Sitcoms zu schreiben. Nach ihrem Studienabschluss gründete sie zunächst eine Agentur für Webdesign, um finanziell unabhängig zu sein, während sie in den Berufsweg als Schriftstellerin startete. Samanta Schweblin lebt und arbeitet seit 2012 in Berlin. Vom deutschen Hintergrund ihrer Familie, in Verbindung mit ihrem deutsch-elsässischen Nachnamen, erfuhr sie nach eigener Aussage erst, nachdem sie bereits zu schreiben begonnen hatte.
Literarisches Werk
Bereits ihr erstes Buch mit Kurzgeschichten, El núcleo del disturbio, wurde im Dezember 2001 mit dem Literaturpreis Fondo Nacional de las Artes ausgezeichnet; außerdem gewann das Buch den Concurso Nacional Haroldo Conti. Mit dem Kurzgeschichtenband Pájaros en la boca (Die Wahrheit über die Zukunft) erzielte sie anschließend internationale Aufmerksamkeit. Das Buch wurde in zwölf Ländern veröffentlicht und erhielt unter anderem den Premio Casa de las Américas.
2010 wurde Schweblin von Granta in die Liste der „Best of Young Spanish-Language Novelists“ aufgenommen. 2012 nahm sie am Internationalen Literaturfestivals Berlin teil, und von Juni 2012 bis Juni 2013 war sie dort als DAAD-Stipendiatin. 2013 wurde sie von der Shanghai Writers’ Association zu einem zweimonatigen Aufenthalt im Rahmen des Shanghai Writers’ Program eingeladen.
Im September 2014 erschien ihr erster Roman Distancia de rescate; die englische Übersetzung Fever Dream stand 2017 auf der Shortlist des Man Booker International Prize. 2015 erhielt sie für Siete casas vacías. den IV Premio Internacional de Narrativa Breve, einen der bedeutendsten Preise für spanischsprachige Erzählprosa. 2018 erschien ihr zweiter Roman Kentukis, der später mit dem Primo Mandarache und dem Premio IILA-Literatura ausgezeichnet wurde. 2021 wurde der Roman Distancia de Rescate unter der Regie der peruanischen Filmemacherin Claudia Llosa von Netflix verfilmt; das Drehbuch schrieben Llosa und die Autorin gemeinsam. Im März 2025 veröffentlichte sie El buen mal (Das gute Übel), das im April 2026 mit dem ersten Premio Aena de Narrativa Hispanoamericana ausgezeichnet wurde.
Stilistik
Eine Besonderheit ihres Schreibstils ist die lakonisch-prägnanteDiktion. Schweblins intentional reduzierte und präzise Wortwahl lässt viel Raum für das Vorstellungsvermögen der Leser. Sie erzielt eine plastische Wirkung, ohne die an sich verstörenden Bestandteile ihrer Settings auszuformulieren. Sie hat einen nahezu fragmentarischen Ansatz. Häufig geht sie in medias res in die Geschichte und lässt das Ende offen. Die Literaturkritiker rückten ihre Geschichten oft in eine „Traditionslinie der lateinamerikanischen Erzählung zwischen Neo-Phantastik und magischem Realismus“ und verglichen sie mit Autoren wie Julio Cortázar, Jorge Luis Borges und Adolfo Bioy Casares.
„Rhythm and tension are what I love most when I write.“
„Rhythmus und Spannung gefallen mir beim Schreiben am meisten.“
↑In der Schwebe, Rezension zu Samanta Schweblin: „Die Wahrheit über die Zukunft“ im Deutschlandradio Kultur vom 4. Juni 2010, abgerufen am 4. August 2015.