Sascha Wegner (* 1980 in Salzwedel) ist ein deutscher Musikwissenschaftler, Forschungsmanager und Kulturkritiker. Er forscht und lehrt zur europäischen Kulturgeschichte, Critical Heritage Studies sowie Jüdische Gegenwartsforschung und ist mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern sowie dem Europäischen Zentrum für Jüdische Musik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover verbunden.
Wegner studierte ab 2001 Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Germanistische Literaturwissenschaft an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2008 war er Stipendiat am Forschungszentrum Laboratorium Aufklärung der Universität Jena. 2014 wurde er in Weimar promoviert, seine Dissertation erschien 2018 unter dem Titel Symphonien aus dem Geiste der Vokalmusik. 2012 bis 2021 war Wegner an der Universität Bern als Assistent, Dozent und Studienleiter tätig. Dort erwarb er 2020/2021 ein Certificat of Advanced Studies im Bereich Forschungsmanagement. Seit 2022 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter, Koordinator des transdisziplinären Forschungsnetzwerks und Leiter der Koordinationsstelle des DFG-Schwerpunktprogramms SPP 2357 „Jüdisches Kulturerbe“ am Europäischen Zentrum für Jüdische Musik der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.
Wegners Forschungsschwerpunkte liegen auf der europäischen Kulturgeschichte des 17. bis 20. Jahrhunderts, den Bereichen Musik und Politik, Musik und Aufklärung sowie Methoden der (Musik-)Geschichtsschreibung. Daneben forscht er zu transdisziplinärer Kulturgeschichte mit Schwerpunkt Kulturerbe (Critical Heritage Studies) und jüdische Gegenwart. Methodisch bedient er sich häufig der Verbindung von sprachlich präziser Analyse und kulturpolitischer (Be-)Deutung zur kritischen Revision historiographischer Gewissheiten. Erzählungen vom Ursprung der Musik, von antiken Mythen über Naturvorbilder wie den Vogelgesang bis zum »abendländischen« Kunstmusikbegriff, prägen die Musikgeschichtsschreibung bis heute und erfüllen dabei oft ideologische Legitimationsfunktionen, auch dort, wo sie sich positivistisch von Mythen abgrenzt. Er plädiert daher für eine kritische, diskursgeschichtliche Historiographie, die den Ursprung nicht als Wahrheit sucht, sondern als Idee, Methode und poetologische Metapher nach seinen Funktionen und Konstruktionsweisen befragt. In Symphonien aus dem Geiste der Vokalmusik erzählt er die Symphoniegeschichte als „andere” Geschichte, ausgehend von vokalmusikalisch konzipierten Finalsätzen bei Kraus, Beethoven, Mendelssohn Bartholdy und Liszt, und stellt die Trennung von Vokal- und Instrumentalmusik sowie die „Sonderweg”-Perspektive in Frage. Grundsätzlicher untersucht er in Schließen – Enden – Aufhören die Rolle des von Paul Bekker geprägten »Finalproblem« (die Frage, wie eine Symphonie nach Beethoven überzeugend zu schließen sei) in einer »Problemgeschichte des Komponierens« (Carl Dahlhaus). Er zeichnet nach, wie die Problemgeschichte als Methode aus der Philosophie (Windelband, Hartmann) und der Kulturwissenschaft stammt und über Gurlitt und Korte (in Abgrenzung einer Musikwissenschaft nach 1945, die sich gegen die "verbrannte" Hermeneutik und den drohenden Rückzug als philologische Disziplin richtete) vor allem durch Dahlhaus als Paradigma in die Musikgeschichtsschreibung gelangte, wo sie das einzelne Werk und seine kompositorischen Probleme in den Mittelpunkt rückte. Wegner betont, dass Probleme immer auch Konstruktionen der Historiker sind und dass das Finalproblem stark vom rezeptionsgeschichtlichen »Paradigma Beethoven« und einem national gefärbten Symphoniekanon geprägt ist, während Kompositions- und Rezeptionsgeschichte oft unreflektiert vermengt werden. Der Sammelband erfuhr eine breite Rezeption in der Musikwissenschaft.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wegner, Sascha |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Musikwissenschaftler, Forschungsmanager und Kulturkritiker |
| GEBURTSDATUM | 1980 |
| GEBURTSORT | Salzwedel |