Man bezeichnet einen dicht definierten, linearen Operator als symmetrisch, falls für alle gilt.
Zu einem dicht definierten, linearen Operator lässt sich der adjungierte Operator wie folgt definieren: Man definiert den Raum als die Menge aller , für die gilt, dass das lineare Funktional , welches durch für definiert ist, stetig ist. Da der Definitionsbereich dicht definiert ist, besitzt dieses Funktional eine eindeutig bestimmte Fortsetzung auf . Daher existiert nach dem Darstellungssatz von Fréchet-Riesz ein eindeutig bestimmtes Element mit der Eigenschaft . Man setzt nun und erhält dadurch einen Operator mit der Eigenschaft für alle und alle .
Man nennt einen dicht definierten, linearen selbstadjungiert, falls und symmetrisch ist.
Formulierung des Satzes
Um den Satz zu formulieren, wird der Begriff eines relativ beschränkten Operators benötigt:
Seien und zwei dicht definierte, lineare Operatoren. Man bezeichnet als relativ beschränkt bezüglich oder kurz -beschränkt, falls gilt und zwei positivereelle Zahlen und existieren, so dass die folgende Ungleichung für alle erfüllt ist:
Das Infimum aller Zahlen , für die ein existiert, sodass die obige Ungleichung für alle erfüllt ist, wird als relative Schranke von bezüglich bezeichnet.
Satz (von Kato-Rellich):
Es sei ein selbstadjungierter Operator und ein symmetrischer Operator. Ist der Operator relativ beschränkt bezüglich mit einer relativen Schranke , dann ist der Operator selbstadjungiert.
Beweis des Satzes
Der Operator ist offensichtlich wohldefiniert, da . Des Weiteren ist er nach Voraussetzung symmetrisch. Ein symmetrischer Operator ist genau dann selbstadjungiert, wenn ein existiert, sodass , wobei das Bild von bezeichnet. Daher reicht es zu zeigen, dass ein existiert, sodass gilt.
Sei . Die Beweisidee des Satzes von Kato-Rellich ist nun, den Operator als zu schreiben. Das ist möglich, da nach Voraussetzung selbstadjungiert ist und daher existiert. Da weiters , genügt es zu zeigen, dass einen beschränkten inversen Operator hat.
Nach Voraussetzung gilt für alle die Ungleichung
.
Des Weiteren gilt für alle die Gleichheit und daher mit
und
.
Kombiniert man die soeben genannten Ungleichungen, findet man, dass für alle die Abschätzung
.
gilt. Da , ist es möglich, groß genug zu wählen, sodass gilt, womit die Ungleichung
für alle gezeigt ist. Es folgt, dass invertierbar ist mit einem beschränkten inversen Operator (siehe Neumann-Reihe). Damit ist gezeigt.
Anwendungen
Anwendung findet der Satz von Kato-Rellich zum Beispiel in der Quantenmechanik:
Sei mit und . Dann lässt sich mithilfe des Satzes von Kato-Rellich zeigen, dass der Hamiltonoperator mit dem Laplace-Operator selbstadjungiert ist, wenn man als Definitionsbereich den Sobolev-Raum wählt.
Literatur
Leon Armenovich Takhtadzhi͡an:Quantum Mechanics for Mathematicians (=Graduate Studies in Mathematics. Volume 95). American Mathematical Soc., Providence, Rhode Island 2008.
Gerald Teschl:Mathematical Methods in Quantum Mechanics; With Applications to Schrödinger Operators. (=Graduate Studies in Mathematics. Volume 99). American Mathematical Soc., Providence, Rhode Island 2009.