| Interpunktionszeichen | |
|---|---|
| Komma, Beistrich | , |
| Semikolon, Strichpunkt | ; |
| Doppelpunkt, Kolon | : |
| Punkt | . |
| Auslassungspunkte | … |
| Mittelpunkt | · |
| Aufzählungszeichen | • |
| Fragezeichen | ? |
| Ausrufe‑, Ausruf‑, Rufzeichen | ! |
| Apostroph, Hochkomma | ’ |
| ‐ - Bindestrich; Trennstrich; Ergänzungsstrich | |
| Gedankenstrich; Bis-Strich | – |
| Anführungszeichen „ “ » « / « » ‚ ‘ › ‹ / ‹ › | |
| Schrägstrich | / |
| Klammern ( ) [ ] | |
Satzzeichen sind Sonderzeichen einer Schrift, die der Strukturierung und auch der Sinngebung des Satzbaus dienen. Die Setzung der Satzzeichen wird Zeichensetzung oder Interpunktion genannt.
Nicht dazu gehören Buchstaben und Ziffern sowie informationstragende Sonderzeichen (Währungszeichen, mathematische Symbole usw.) sowie – nach einigen Autoren – Wortzeichen. Hier werden letztere mitbehandelt. Im Falle der Unterscheidung fasst man Satz- und Wortzeichen als Interpunktionszeichen zusammen, siehe dort.
Die älteste bekannte Urkunde, die Interpunktion verwendet, ist die Mescha-Stele aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. mit Punkten zwischen den Wörtern und waagerechten Strichen zwischen den Sinnabschnitten.
Die altgriechischen Schriften kennen einen senkrechten Strich und einen, zwei oder drei Punkte übereinander zwischen den Wörtern. Zur Zeit des Euripides und des Aristophanes im 4. vorchristlichen Jahrhundert existierte bereits die polytonische Orthographie mit standardisierten, teils in der Funktion satzzeichenähnliche Zeichen, die speziell in griechischen Theaterstücken als Aussprache-, Betonungs- und Vortragshilfe für die Schauspieler genutzt wurden.
Der griechische Philologe und Leiter der Bibliothek von Alexandria Aristophanes von Byzanz führte im 3. Jahrhundert v. Chr. eine systematische Interpunktion und Akzentschreibung für das Griechische ein, mit der hypostigmḗ (Tiefpunkt) zur Markierung der Satzteile, der stigmḕ mésē (Mittelpunkt) zur Trennung von Haupt- und Nebensätzen und der stigmḕ teleía (Hochpunkt) als Satzpunkt, die ab ca. 200 v. Chr. vermehrt in Manuskripten Verwendung fand.
Ebenfalls den alten Griechen bekannt waren der parágraphos bzw. ein Gamma zur Kennzeichnung von Satzanfängen, die Diple in der Funktion des Gänsefüßchens zur Kennzeichnung von Zitaten, sowie die korōnís zum Abschluss von Absätzen.
In römischen Inschriften ist die Interpunktion häufiger – Punkte dienen zur Trennung der Wörter, aber am Ende eines Satzes fehlen sie.
Im 7. Jahrhundert kommen andere Systeme auf, die jedoch ähnlich aufgebaut sind. Die Karolingerzeit kennt den Punkt als Trennzeichen, dazu tritt aber auch bereits ein Strich (virgula, siehe Virgel). Zur selben Zeit wurde im byzantinischen Griechisch das Semikolon in der Funktion des Fragezeichens eingeführt. Für gesungene Texte wurden seit dem 9. Jahrhundert eigene Zeichen (Neumen) entwickelt.
Die heutigen Satzzeichen gehen im Wesentlichen auf den venezianischen Drucker Aldus Manutius den Älteren (1450–1515) zurück. Der Erfinder der Kursivschrift (ihrer Herkunft wegen im Englischen als Italics bezeichnet) druckte in Pietro Bembos 1494 erschienenem Werk De Aetna das erste Semikolon und standardisierte, gefolgt von seinem gleichnamigen Enkel, die Satzzeichen. Die Virgel begann damals so auszusehen wie das heutige Komma. Die Zeichensetzung hatte bis dahin den Zweck, für das Vorlesen aus Büchern Hinweise auf Tonfall und Atempausen zu geben. Sein Enkel Aldus Manutius der Jüngere hielt 1566 fest, „Zweck der Interpunktion sei hauptsächlich, Klarheit in die Syntax zu bringen“ und legte ein Satzzeichen-System vor, konsequent angewandt in der Antiqua, dem Schriftsatz für lateinische Texte. Beide hatten ein grundlegendes Verständnis von Satzzeichen als syntaktische Gliederungszeichen und verwendeten auch das Komma erstmals systematisch und einheitlich. Ihre Interpunktion war beispielgebend. Heute hat man im Wesentlichen ihre Vorstellungen übernommen.

Martin Luther legte mit seiner Bibelübersetzung ins Deutsche viele Grundlagen für die Sprache, verwendete aber in seinen Schriften, wie damals in der Frakturschrift üblich, statt eines Kommas die Virgel zu allgemeinen Trennungen in einem Satz, also den Schrägstrich, der in Verwendung als Komma aus dem Fraktursatz erst um 1700 endgültig verschwand. Sie wurde von da an endgültig durch den Beistrich ersetzt, den schon Manutius d. Ä. in der Antiqua benutzte.
Die technische Revolution im Buchdruck, durch die sich Druckerzeugnisse leicht vervielfältigen ließen, die allmähliche Zunahme der Fähigkeit in der Bevölkerung, lesen zu können, und der Trend der komplexer werdenden Gesellschaft, stark vermehrt alles schriftlich festzuhalten, führte allgemein zu einer Standardisierung und Homogenisierung der Schriftzeichen, was auch zu einer Verfestigung der grafischen Form des Satzzeichens Komma bei der Verwendung in Druckwerken führte.
Die Regeln zur Anwendung von Satzzeichen ändern sich und entwickeln sich weiter entsprechend dem Bedarf. So gibt es eine Reihe neuer Kommaregeln in der deutschen Sprache, die das richtige Schreiben entsprechend dem Standard erleichtern, nach Meinung einiger das Lesen jedoch erschweren.
Die amtliche deutsche Rechtschreibung nennt die folgenden Satzzeichen:
Die Auszählung der Schriftzeichen in Karl May, Winnetou I, ergab folgende Häufigkeiten:
| Satzzeichen | Anteil (Satzzeichen) | Anteil (alle Schriftzeichen) | absolute Häufigkeit |
|---|---|---|---|
| Komma | 38,07 % | 1,49 % | 14482 |
| Punkt | 22,54 % | 0,88 % | 8577 |
| Anführungszeichen | 22,17 % | 0,87 % | 8434 |
| Ausrufezeichen | 5,18 % | 0,20 % | 1969 |
| Fragezeichen | 4,77 % | 0,19 % | 1815 |
| Semikolon/Strichpunkt | 3,88 % | 0,15 % | 1478 |
| Doppelpunkt | 1,44 % | 0,06 % | 548 |
| Binde-, Trenn-, Auslassungsstrich | 1,16 % | 0,05 % | 441 |
| Anführungsstriche (für Begriffe, Wörter) | 0,49 % | 0,02 % | 188 |
| Apostroph | 0,14 % | 0,01 % | 54 |
| Klammer (rechts und links) | 0,08 % | 0,00 % | 30 |
| Sternchen | 0,07 % | 0,00 % | 28 |
In dieser Tabelle wird nicht zwischen Satz- und Wortzeichen unterschieden. Das gesamte Buch enthält 974.506 Schriftzeichen (Buchstaben, Leer- und Satzzeichen), darunter 159.093 Leerzeichen (= 16,33 %) und 38.044 Satzzeichen (= 3,90 %). Obwohl es sich mit dem ausgewerteten Buch um einen umfangreichen Text handelt, darf das Ergebnis nicht verallgemeinert werden. Andere Texte/Textsorten ergeben andere Relationen. Daten zu den Häufigkeiten einiger Satzzeichen in der Fachsprache der Radioelektronik im Deutschen, Englischen, Französischen und Russischen nennt Lothar Hoffmann (1985).
Verschiedene Anekdoten sollen die Bedeutung von Satzzeichen illustrieren. Im Englischen sind Witze (bar jokes) rund um den Satz „The panda eats shoots and leaves“ bekannt, die darauf beruhen, dass der Satz ohne Kommata die Bedeutung „Der Panda isst Sprossen und Blätter“, mit Kommata aber „Der Panda isst, schießt und geht“ hat (weil shoots und leaves jeweils auch als Verbformen verstanden werden können). Der Titel des bekannten sprachpuristischen Buchs Eats, Shoots & Leaves von Lynne Trust spielt auf diese Anekdote an.
Im Deutschen sind unter dem Schlagwort „Satzzeichen retten Leben“ Variationen von „Wir essen jetzt Opa“ verbreitet, die auf die Bedeutung von Satzzeichen für das Verständnis geschriebener Sprache hinweisen sollen.