Sauen

Sauen
Koordinaten: 52° 16′ N, 14° 13′ OKoordinaten: 52° 15′ 42″ N, 14° 12′ 55″ O
Höhe: 65 m
Eingemeindung: 31. Dezember 2001
Postleitzahl: 15848
Sauen (Brandenburg)
Sauen (Brandenburg)
Lage von Sauen in Brandenburg

Sauen (niedersorbisch Sowjo, dialektal auch Sowje) ist ein Ortsteil der Gemeinde Rietz-Neuendorf im Landkreis Oder-Spree des Landes Brandenburg.

Geographie

Es handelt sich um ein aus 35 Wohnhäusern bestehendes Straßenangerdorf mit 97 Einwohnern (2023). Die künstlerischen Hochschulen Berlins (Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Universität der Künste Berlin, Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin) betreiben im Ort gemeinsam eine Begegnungsstätte, in der seit 1981 Seminare abgehalten werden.

Kirche in Sauen.

Geschichte und Etymologie

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als Suwen stammt aus dem Jahr 1346; Urnenfunde belegen aber eine Besiedlung bereits in der Bronzezeit. Der Name des Ortes stammt vom wendischen Sawen oder Suwen ab, was Eulenhorst oder Eulenbusch bedeutet. Eine andere Deutung bezieht sich auf das Wort „sowa“ für Eule. Im 13. Jahrhundert entstand die Dorfkirche. In dem Straßenangerdorf lebten die Einwohner vermutlich über viele Jahrhunderte in einfachen Verhältnissen: Ab 1418 sind zahlreiche wechselnde Besitzer überliefert. In den Jahren 1784 bis 1786 entstand ein Gutshaus im spätbarocken Stil, das um 1900 um einen Eiskeller erweitert wurde.

Zwischenzeitlich war durch Kauf das Gut Sauen in die Hände der alten Adelsfamilie von Löschebrand (auch Loeschebrand) gelangt. Mit Freifrau Elise von Rheinbaben, geborene von Loeschebrand-Selchow (1822–1864), Tochter der Wilhelmine Gräfin Hetzberg und des Landrats Bernhard von Löschebrand-Selchow, war auch eine Gutsherrin vor Ort. Nach ihrem Tod heiratete ihr Mann erneut, die Generalstochter Ida von Hobe, die bis zuletzt, 1900, in Sauen lebte.

1912 erwarb der Chirurg August Bier das Guts-Anwesen in sauen. Der Erfinder der Lumbalanästhesie lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1949. Bier begann in seiner Zeit hier, den Kiefernwald auf märkischem Sandboden zu einem Mischwald mit bis zu 460 verschiedenen Gehölzarten umzugestalten, was von den damaligen Forstleuten mit Unverständnis betrachtet wurde. Die zahlreichen unter Denkmalschutz stehenden Alleen in der Dorfperipherie sind darauf zurückzuführen. Seine Forschungen wurden von seinem Sohn Heinrich Bier fortgeführt und seit 1992 hat die „Stiftung August Bier für Ökologie und Medizin“ ihren Sitz in Sauen. 1895 brannte die Kirche ab und wurde von der Kirchengemeinde im gotischen Stil wiederaufgebaut. 1912 entstand im Ort weiterhin eine Ziegelei. Sie produzierte die Mauersteine, die zusammen mit den vor Ort gefundenen Feldsteinen das Ortsbild der Häuser und Stallungen prägen.

Am 1. April 1939 wurde die Gemeinde Drahendorf nach Sauen eingemeindet, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erlangte der Ort jedoch seine Eigenständigkeit zurück. In den 1950er Jahren gründete sich eine LPG. Diese wurde nach der Wende in eine Agrargenossenschaft mit neun Mitarbeitern umgewandelt.

Am 31. Dezember 2001 wurde der Ort in die neue Gemeinde Rietz-Neuendorf eingegliedert. Sauen ist Mitglied der 2005 gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Historische Dorfkerne im Land Brandenburg“. 2017 wurde der Ort auf der Grünen Woche in Berlin mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Der Ort hatte sich unter 2500 Gemeinden am Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ beteiligt. Insgesamt erhielten 33 Finalisten Gold, Silber oder Bronze.

Sehenswürdigkeiten

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Rietz-Neuendorf#Sauen

Galerie

Kultur und regelmäßige Veranstaltungen

Wirtschaft

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Sauen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. ↑ Arnošt Muka: Serbski zemjepisny słowničk. Budyšin, 1927, S. 82 (Digitalisat).
  2. ↑ Sophie Wauer: Die Ortsnamen des Kreises Beeskow-Storkow. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08664-1, S. 228.
  3. ↑ Auflistung als Ortsteil von Rietz-Neuendorf im Kommunalverzeichnis Brandenburg. Abgerufen am 15. Juni 2026.
  4. ↑ Gemeinde Rietz-Neuendorf: Portrait. Abgerufen am 4. April 2024.
  5. 1 2 Informationstafel im Gutshof Sauen
  6. ↑ Journal. In: Märkische Oderzeitung. MOZ-Wochenend-Magazin. 5./6. August 2006, S. 1.
  7. ↑ Märkische Oderzeitung. 15. Juli 2009, S. 12.
  8. ↑ StBA-Wiesbaden (Hrsg.): Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001.
  9. ↑ Sauen holt Gold. In: Märkische Oderzeitung. 27. Januar 2017 (Moz.de.).
  10. ↑ Vgl. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. A (Uradel). 1959. Band III, Band 21 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1959, ISSN 0435-2408, S. 392.