Schas

Shomrei-Torah Sfaradim
שומרי-תורה ספרדים
Partei­vorsitzender Arje Deri
Gründung 1984
Hauptsitz Jerusalem, Israel
Ausrichtung sephardisches und mizrachimisches charedisches („ultraorthodoxes“) Judentum; religiöser Konservatismus, Gesellschaftskonservatismus
Farbe(n) Azurblau, weiß
Sitze Knesset
11 / 120 (9,2 %)
(2022)
Internationale Verbindungen Zionistische Weltorganisation
Website shas.org.il

Schas (hebräisch ש״ס, kurz für hebräisch שומרי-תורה ספרדים Shomrei-Torah Sfaradim „Sephardische Tora-Wächter“) ist eine charedische („ultraorthodoxe“) israelische Partei. Sie vertritt in erster Linie die Interessen der religiösen sephardischen Juden. Sie war in mehreren Koalitionsregierungen sowohl mit der Arbeitspartei als auch mit dem Likud vertreten und war von Dezember 2022 bis Juli 2025 an der Regierung Netanjahu VI beteiligt.

Geschichte

Schas spaltete sich 1984 von der Agudat Jisra’el, einer von Aschkenasim dominierten ultraorthodoxen Partei, ab. Spirituelles Oberhaupt war Rabbiner Ovadja Josef, ein früherer sephardischer Oberrabbiner Israels. Die Yachad-Partei mit Eli Jischai spaltete sich 2014 ab.

Politische Positionen

Die Schas-Partei sieht es als ihr zentrales Ziel an, die „alte Herrlichkeit [der sephardischen jüdischen Kultur] wiederherzustellen“. Sie unterstützt großzügige Sozialprogramme für alle Bürger Israels sowie die Finanzierung religiöser Schulen und anderer religiöser Einrichtungen.

Im Friedensprozess mit den Palästinensern nahm die Partei anfänglich eine gemäßigte Position ein und war zu Konzessionen bereit, teilweise unter dem Vorbehalt finanzieller Zugeständnisse. Inzwischen vertritt sie eine striktere Haltung und lehnt beispielsweise eine Verhandlung über den Status Jerusalems vehement ab.

Innenpolitisch vertritt Schas Meinungen, die als homophob bezeichnet werden können. So lehnt Schas gleichgeschlechtliche Ehen und jegliche öffentliche Äußerung von Homosexuellen hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung ab, einschließlich Gay-Pride-Paraden – vor allem in Jerusalem. Im Jahr 2008 warf der Parlamentsabgeordnete Nissim Ze'ev den Homosexuellen vor, für eine angebliche „Selbstzerstörung des Staates Israel und des jüdischen Volkes“ verantwortlich zu sein. Er nannte Homosexualität eine Plage, die „so vergiftet wie Vogelgrippe“ sei. Die Schas-Partei verurteilt aber Gewalt gegen diese Gruppe.

Die Schas-Partei lehnt ein Recht auf Abtreibung ab. Schas befürwortet den jüdisch-religiösen Charakter des Staates Israel und spricht sich gegen die Einführung ziviler Eheschließungen aus, fordert jedoch nicht, dass der Staat zur Gänze auf Basis der Halacha (der jüdischen religiösen Gesetzgebung) regiert werden müsse.

Regierungsbeteiligungen

Schas war von 1992 bis September 1993 an der von der Arbeitspartei angeführten Regierung beteiligt, verließ die Koalition jedoch nach Auseinandersetzungen mit der linken Partei Meretz über die Bildungspolitik. Ab 1996 war Schas in der Likud-geführten Regierung mit zwei Ministern vertreten. Die Partei verließ dieses Bündnis, um Ehud Barak von der Arbeitspartei zu unterstützen. Ab 2001 unterstützte Schas Ariel Scharons Likud-Regierung.

Auch der 2006 neu gebildeten israelischen Regierung unter Ministerpräsident Ehud Olmert von der Kadima-Partei gehörte Schas an. Sie stellte dort mit Eli Yishai (Industrie, Handel und Arbeit), Ariel Atias (Kommunikation), Meschulam Nahari und Jitzchak Kohen (beide ohne Portfolio) vier Minister. In den Knessetwahlen von 2009 erhielt Schas elf Sitze und war bis März 2013 an der Regierung unter Benjamin Netanjahu mit vier Ministern vertreten. Seit Mai 2015 war sie erneut an der Regierung Netanjahu (Kabinett Netanjahu IV) beteiligt, diesmal jedoch mit nur zwei Ministern. Die Partei war auch im Kabinett Netanjahu V und, nach kurzer Zeit in der Opposition, im Kabinett Netanjahu VI vertreten. Am 16. Juli 2025 kündigte die Partei den Rückzug aus der Regierung an, die dadurch ihre Mehrheit im Parlament verlor. Die Partei begründete ihren Austritt mit Meinungsverschiedenheiten bei der Wehrpflicht.

Affären

Die Partei wurde durch mehrere Straftaten und Fehlverhalten von Mitgliedern erschüttert:

Wahlergebnisse bei Knesset-Wahlen

Siehe auch

Commons: Schas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Andrea Übelhack: Der Aufstieg der Schas-Partei in Israel: „Die alte Herrlichkeit wiederherstellen.“ In: antisemitismus.net › klick-nach-rechts.de › nahost-politik.de › zionismus.info. Ha’Galil, 30. März 2001. Auf hagalil.com, abgerufen am 30. August 2026.
  2. ↑ Shas. The Israel Democracy Institute (IDI). Auf IDI.org, abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  3. ↑ Carrie Keller-Lynn: Shas secures billions for welfare, healthcare, religious benefits in coalition deal. In: The coalition deals. The Times of Israel, 29. Dezember 2022, abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  4. ↑ Alon Noriel: ש"ס: ירושלים לא למכירה. (deutsch: „Schas: Jerusalem steht nicht zum Verkauf“). In: Nachrichten. Shasnet, 26. Oktober 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. Dezember 2008; abgerufen am 30. August 2026 (hebräisch).
  5. ↑ Hillel Fendel: Warnung an Shas: Jerusalem wurde bereits verraten. In: Israelische Nachrichten. Israel National News, 18. Februar 2008. Auf IsraelNationalNews.com, abgerufen am 30. August 2026.
  6. ↑ Shahar Ilan, Haaretz Correspondent: Shas MK: Gays are causing Israeli society to self-destruct. In: Israel News. Haaretz Daily Newspaper, 29. Januar 2008, abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  7. ↑ Reuters: Shas condemns attack on gay center. In: Israel News › Articles. Ynetnews, 8. Februar 2009, abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  8. ↑ Eetta Prince-Gibson: Spurred by a Shas lawmaker, abortion politics arrives in Israel. In: Israel Inside. The Times of Israel, 19. Juni 2012. Auf TimesofIsrael.com, abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  9. ↑ Reuters: Shas: Secular marriage? Never. In: Israel News › Articles. Ynetnews, 10. August 2006, abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  10. ↑ Benjamin Unger: Partei-Analyse: Shas – Das „Zünglein an der Waage“. In: antisemitismus.net › klick-nach-rechts.de › nahost-politik.de › zionismus.info. Ha’Galil, 21. Mai 2006, abgerufen am 30. August 2026.
  11. ↑ Regierungskrise in Israel – Netanyahu-Regierung verliert Mehrheit im Parlament. In: Ausland › Benjamin Netanyahu. Der Spiegel, 17. Juli 2025. Auf Spiegel.de, abgerufen am 30. August 2026.
  12. ↑ Yair Levy must stay in jail, panel rules. In: The Jerusalem Post. Encyclopedia.com, 1. Dezember 1994, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 15. Dezember 2019; abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  13. ↑ Shas’ Peretz Resigns After Fraud Conviction. In: Israel News. Haaretz Daily Newspaper, 24. März 2006. Auf HaAretz.com, abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  14. ↑ Nir Hasson: Ex-MK Hugi Sentenced to Two Years in Jail for Embezzlement. In: Israel News. Haaretz Daily Newspaper, 24. März 2006. Auf HaAretz.com, abgerufen am 30. August 2026 (englisch).
  15. ↑ Klalat Deri, Mordechai Gilat: Exposing the Ugly Cobwebs of Deceit in Israel. In: Art & Culture › Books. Haaretz Daily Newspaper, 24. März 2006. Auf HaAretz.com, abgerufen am 30. August 2026 (englisch).