Scheyrer Zickzackbalken

Der Scheyrer Zickzackbalken, auch Scheyerer Zickzackbalken, ist ein Heroldsbild, dass zwischenzeitlich von der Adelsfamilie Wittelsbacher genutzt wurde und später in den Besitz des Klosters Scheyern überging, wodurch es heutzutage regional verbreitet ist.

Wappen der Grafen von Scheyern nach der Darstellung auf einem Siegel von Ludwig dem Kelheimer 1220.

Geschichte

Otto I. von Scheyern gilt als ältester eindeutig belegbare Vorfahre der Wittelsbacher, er erhielt durch seine Frau Hazinga den Titel "Graf von Scheyern". Im Jahre 1078 erhielten seine Söhne Otto II., Bernhard I., Ekkehard I. und Arnold I. den Titel. Aufgrund von Wassermangel für eine Errichtung eines eigenen Brauereibetriebes waren die Standorte der beiden Klöster Fischbachau und St. Peter und Paul in Eisenhofen nichtmehr geeignet, weshalb Otto II. (in manchen Quellen auch Otto V. von Scheyern, ältester Sohn von Ekkehard I.) im Jahre 1113 sämtliche Familienangehörigen versammelte, um zu entscheiden, ob die Stammburg Scheyern in ein Kloster und Grablege der Familie umgewandelt werden könnte. Dies sollte die in der Familie vorhandenen zahlreichen Benediktinerklöster zusammenzuführen und der Familie ein Hauskloster in einem Bereich bieten, in dem es eine stärkere Position haben würde als im Gebiet um Eisenhofen. Dem wurde zugestimmt und 1116–1119 wurden die Klöster nach Scheyern verlegt und die Burg den Benediktinern übergeben. Durch die Umsiedlung des Stammsitzes der Familie von Scheyern in die Burg Wittelsbach bei Aichach nannte sich Otto V. seit 1116 nach diesem Ort und ist somit der Namensgeber für das Herrscherhaus der Wittelsbacher. Arnold I. von Scheyern gründete zusammen mit seiner Frau die Nebenlinie Scheyern-Dachau(-Valley). Im Jahr 1220 und 1221 gründete Otto V. von Scheyern das Augustinerkloster Indersdorf und das Benediktinerkloster Ensdorf.

Der Zickzackbalken gilt als Allodzeichen der Wittelbacher, da kein älteres Wappen bekannt ist. Nachweislich trugen ab 1216 bis um 1230 zwei Mitglieder der Familie den Scheyerer Zickzackbalken in herzoglichen Reitersiegeln. Ludwig der Kelheimer und sein Sohn Otto II. der Erlauchte. Es gilt als eigentliches Wappen der Wittelsbacher zu ihrer Zeit als Grafen von Scheyern beziehungsweise während ihres Stammsitzes im bayerischen Ort Scheyern. Im Jahre 1229–1230 wechselte das Zeichen der Wittelsbacher zum Pfälzer Löwe, 1242 wurden die blau-weißen Rauten nach dem Aussterben der Grafen von Bogen benutzt.

Einen ersten Nachweis über das Führen des Scheyrer Zickzackbalken als Wappen des Kloster Scheyerns gibt es erst seit 1352, vermutlich erhielt das Kloster das Heroldsbild bereits früher von der Familie Wittelsbach. Heute führen einige Orte in Bayern, auf deren Land, Besitztümer des Kloster Scheyerns oder eines Tochterklosters waren, das Wappen im Teil in ihren eigenen Ortswappen. Bereits in der Apianschen Wappensammlung von Philipp Apian aus dem Jahr 1562 werden einige Wappen mit dem Scheyerer Zickzackbalken aufgeführt.

Aussehen

Das Wappen beinhaltet immer einen Balken mit fünf Brüchen. Manchmal wird dieser auch als Sparren bezeichnet, obwohl dies heraldisch gesehen falsch ist. Die Farbe des Zeichens ist nicht überliefert, da nur einfarbige Siegel vorhanden sind. Erst 1352 wurde im Stiftswappen des Kloster Scheyern die Farben Gold mit Blau als Hintergrund bestätigt, weshalb die meisten, heute genutzten, Wappen diese beiden Farben benutzen.

Klosterstandorte mit Scheyerer Zickzackbalken im heutigen Wappen

Scheyern noch heute bestehendes Kloster
Fischbachau (ehm. Standort des Kloster Scheyerns)
Ensdorf (ehm. Kloster Ensdorf)
Markt Indersdorf (ehm. Kloster Indersdorf)
Geisenfeld (ehm. Kloster Geisenfeld führte das Wappen, es ist nicht nachgewiesen warum es vom Kloster Scheyern übernommen wurde)

Heutige Wappen mit Scheyerer Zickzackbalken ohne Klosterstandort

Landkreis Dachau Arnold I. von Scheyern erhielt durch seine Frau Beatrix von Reipersberg die Grafschaft Dachau
Pfaffenhofen an der Ilm (Stadt) Die Stadt entwickelte sich durch die Nähe zum Kloster Scheyern zu einem bedeutenden Verwaltungs- und Herrschaftszentrum
Erdweg ehm. Besitztümer des Kloster Scheyern
Ernsgaden ehm. Besitztümer des Kloster Geisenfeld
Gerolsbach (nur Ortsteil Klenau-Junkenhofen) ehm Besitztümer des Kloster Scheyern und Kloster Indersdorf
Herrngiersdorf ehm. Besitztümer des Kloster Geisenfeld
Petersdorf Gemeindeteil Alsmoos war im 15. Jahrhundert im Besitz des Klosters Indersdorf
Reichertshausen ehm. Besitztümer des Kloster Scheyern
Unterschleißheim ehm. Besitztümer des Kloster Scheyern (ein Hof und zwei Huben)

Einzelnachweise

  1. ↑ Die Wurzeln der Wittelsbacher reichen bis ins Jahr 1045 zurück. In: Haus Bayern. (haus-bayern.com [abgerufen am 25. August 2026]).
  2. ↑ Die Herkunft der Wittelsbacher. Abgerufen am 25. August 2026.
  3. ↑ Scheyern - Stammsitz des Hauses Wittelsbach | Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm. Landkreis Pfaffenhofen, abgerufen am 25. August 2026 (deutsch).
  4. ↑ Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich: Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (NAWG). Abgerufen am 25. August 2026 (deutsch).
  5. ↑ Indersdorf - Ehemaliges Augustiner-Chorherrenstift und Stiftskirche Mariä Himmelfahrt. Abgerufen am 25. August 2026.
  6. ↑ Klostergeschichte – Kloster Scheyern. Abgerufen am 25. August 2026.
  7. ↑ Markt Indersdorf - Haus der Bayerischen Geschichte - Bayerns Gemeinden. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 25. August 2026 (deutsch).
  8. ↑ Hans Jell: Die frühen Wittelsbacher. Abgerufen am 25. August 2026.
  9. ↑ Karl Primbs, Reichsarchivrat: Siegel der Wittelsbacher in Bayern bis auf Max III. Abgerufen am 25. August 2026.
  10. ↑ Das Wappen von Scheyern - Verleihung des Rechtes zur Wappenführung - Gemeinde Scheyern. Gemeinde Scheyern, abgerufen am 25. August 2026 (deutsch).
  11. ↑ Das Wappen der Stadt Geisenfeld - Stadt und Verwaltungsgemeinschaft Geisenfeld. Abgerufen am 25. August 2026.
  12. ↑ Fischbachau - Haus der Bayerischen Geschichte - Bayerns Gemeinden. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 25. August 2026.
  13. ↑ Ensdorf - Haus der Bayerischen Geschichte - Bayerns Gemeinden. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 25. August 2026.
  14. ↑ Wappenbeschreibung – Markt Markt Indersdorf. Abgerufen am 25. August 2026.
  15. ↑ Das Wappen der Stadt Geisenfeld - Stadt und Verwaltungsgemeinschaft Geisenfeld. Abgerufen am 25. August 2026.
  16. ↑ Landkreis Dachau: Informationen über den Landkreis. Landkreis Dachau, abgerufen am 25. August 2026.
  17. ↑ Erdweg - Haus der Bayerischen Geschichte - Bayerns Gemeinden. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 25. August 2026.
  18. ↑ Geschichte - Gemeinde Ernsgaden. Abgerufen am 25. August 2026.
  19. ↑ Wappen von Ortsteil Klenau-Junkenhofen. Gemeinde Gerolsbach, abgerufen am 25. August 2026.
  20. ↑ Gemeindeinfo | Herrngiersdorf in Niederbayern. Abgerufen am 25. August 2026.
  21. ↑ Das Wappen der Gemeinde Petersdorf - Verwaltungsgemeinschaft Aindling. Abgerufen am 25. August 2026.
  22. ↑ Das Wappen der Gemeinde Reichertshausen - Gemeinde Reichertshausen. Gemeinde Reichertshausen, abgerufen am 25. August 2026.
  23. ↑ Stadtarchiv - Stadt Unterschleissheim. Stadt Unterschleißheim, archiviert vom Original am 14. August 2025; abgerufen am 25. August 2026.