Schloss Boberstein

Schloss Boberstein

Das Schloss Boberstein (polnisch Zamek Bobrów) im Ortsteil Bobrów (Boberstein) der Landgemeinde Mysłakowice (deutsch Zillerthal-Erdmannsdorf) im Powiat Jeleniogórski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen liegt am linken Ufer des Bober. Seit Kriegsende 1945 ist es eine Ruine.

Geschichte

Schloss Boberstein um 1900

Ein erstes Schloss entstand bereits ab 1450 an gleicher Stelle, dessen Böschungsmauern noch teilweise erhalten sind. Im 16. Jahrhundert wird ein Wohnturm sowie ein „festes Haus“ beschrieben. 1598 wird Nickel Freiherr von Zedlitz als Eigentümer des Schlosses erwähnt, der das Bauwerk wohl auch im Stil der Renaissance umbauen ließ. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss teilweise zerstört. Bis 1669 war die Anlage im Besitz des Adelsgeschlechts von Zedlitz. Danach wechselten die Besitzer des Anwesens öfters.

Um 1880 wurde das Schloss Boberstein von der 1863 zu Schloss Babelsberg geadelten Familie Decker, über Generationen Eigentümer der Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei in Berlin, als von Decker erworben. Die Decker stammten ursprünglich aus Thüringen. Nobilitiert wurde Rudolf Ludwig von Decker (1804–1877), dessen zweiter Sohn Georg Jakob Paul von Decker (1840–1891), verheiratet mit Hilda von le Fort-Papendorf, den Besitz kaufte. Georg von Decker wirkte als Bauherr und ließ auf eigene Kosten eine Brücke über den Bober zwischen Boberstein und Schildau errichten. Man führte auch eine eigene Briefvignette und unterhielt standesgemäß mehrfach Jagden. Die Witwe Hilda von Decker lebte in Schmiedeberg. Die Familie von Decker, die ebenso als Kunstsammler agierten, ließ das Gebäude 1894 im Stil der Neorenaissance umbauen. Dabei wurde unter anderem das gesamte Bauwerk vergrößert, wobei der Turm sowie der Hauptbau erhöht und vergrößert wurden, basierend wohl auf einen Entwurf von vor 1886 von Paul Roetger. Vom gleichen Architekt stammt eine Vorlage für das Haus der Familie von Decker in Berlin. Zur gleichen Zeit entstand am Bober ein Park im Stil des englischen Landschaftsparks. Erbe wurde der Neffe Hans Rudolf von Decker (1871–1896), der mit seiner in Honolulu geborenen Frau Alexandra (Sascha) Glade das Herrenhaus bewohnte. Nach seinem frühen Tod durch die Folgen eines Jagdunfalls waren die beiden Kinder, Rudolf, er galt minderjährig bereits als Millionär, und Tochter Sascha Pauline Minka (posthumes) von Decker die gemeinsamen Nacherben; die Mutter heiratete dann den Rittmeister Georg Graf von Rothkirch und Trach. Gut Boberstein hatte um 1907 einen Umfang von 361 ha.

Die angrenzenden Hofanlagen

1933 wurde das Schloss Boberstein vom Staat erworben, der dort 1934 eine SA-Sportschule eingerichtet hatte. Ab September 1939 wurde das Schloss für Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs genutzt, später für Bukowinadeutsche aus der Bukowina. Zwischen 1940 und 1945 lebten im Schloss Internierte aus Luxemburg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zunächst von der Roten Armee genutzt. Anschließend lebten im Schloss Politische Flüchtlinge aus Griechenland. Bis 1970 wurde das Gebäude dann als Ferienlager und als Sitz einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft genutzt. Nach deren Auszug wurde das Schloss nicht mehr genutzt und verfiel langsam zu einer Ruine. 1972–73 wurden die Dachziegel des Schlosses entwendet, wodurch der Prozess des Verfalls beschleunigt wurde. 1994 erwarb ein deutsch-polnischer Verein das Anwesen. Dieser ließ in den Hofgebäuden ein Ferienheim für Kinder einrichten.

Literatur

Commons: Schloss Boberstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1908. Jahrgang 2, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 206.
  2. ↑ Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. Band 1, Hrsg. Königliches Herolds-Amt, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892, S. 108 f.
  3. ↑ Th. Donat: Der Wanderer im Riesengebirge. Organ des Riesengebigs-Vereins. №. 2-1881, Wilhelm Pfund, Erdmannsdorf / Hirschberg, 21. August 1881, S. 8.
  4. ↑ Friedrich von Boetticher: Malerwerke des Neunzehnten Jahrhunderts. Beitrag zur Kunstgeschichte. Band 1, Selbstverlag, Dresden 1895, S. 931.
  5. ↑ Karl Müller (von Halle), Hugo Roedel (Hrsg.): Die Natur. Zeitung zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntniß und Naturanschauung für Leser aller Stände. Jahrgang 42. №. 36, Begründet: Otto Ale, Gebauer-Schw., Halle (Saale) 2. September 1893, S. 429.
  6. ↑ Theodor Fontane. Werke, Schriften und Briefe. Abteilung: Sämtliche Romane. Nachgelassenes. Verlag Hanser, München 1994, S. 798.
  7. ↑ Hermann Uhde-Bernays, Herm. Voss-Berlin: Monatshefte für Kunstwissenschaft. Jahrgang II-1909-Heft 10, Hrsg. Georg Biermann, Verlag Klinckhardt & Biermann, Leipzig 1909, S. 455, (Anm.) 1).
  8. ↑ Illustrirter Katalog der Jubiläums-Ausstellung der Kgl. Akademie der Künste im Landes-Ausstellungsgebäude zu Berlin von Mai bis Oktober 1886. (58. Ausstellung). Hrsg. Kgl. Akademie der Künste, Berliner Verlags-Comtoir (Act.-Ges.)-Verlag der „Deutschen-Illustrirten-Zeitung“, Berlin 1886, S. 294, Nr. 1946, Nr. 1947.
  9. ↑ R. v. Mosch: Deutsches Adelsblatt. Wochenschrift für die Aufgaben des christlichen Adels. Organ der Deutschen Adelsgenossenschaft. XIV. Jahrgang, №. 45, Verlag der Berliner Buch- und Zeitungsdruckerei Union, Berlin, Sonntag, den 8. November 1896, S. 831.
  10. ↑ Rudolf Martin: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen. 1912. Maschindruck Werdau GmbH, Berlin 1912, S. 827.
  11. ↑ Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler. Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1984. Band XV, Band 83 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1984.
  12. ↑ Palac-Wojanow-Bobrow: Geschichte Boberstein (polnisch)

Koordinaten: 50° 52′ 14″ N, 15° 49′ 50,3″ O