Scott Lilienfeld

Scott Lilienfeld (2012)

Scott Owen Lilienfeld (* 23. Dezember 1960 in New York City; † 30. September 2020 in Atlanta) war ein US-amerikanischer Psychologe und Professor an der Emory University.

Leben

Er wurde als Sohn von Ralph und Thelma Lilienfeld im Stadtbezirk Queens von New York City geboren. In seiner Jugend interessierte er sich für Paläontologie und Astronomie, entschied sich aber nach einem Kurs in der High School und einigen Kursen an der Universität für ein Psychologiestudium. Er erwarb 1982 seinen Bachelor-Abschluss in Psychologie an der Cornell University und promovierte 1990 unter der Mentorschaft von David T. Lykken in Klinischer Psychologie an der University of Minnesota. Seine Doktorarbeit beschäftigte sich mit der Entwicklung und Validierung des Psychopathic Personality Inventory, einem Messinstrument für psychopathische Persönlichkeit. Sein klinisches Praktikum absolvierte er von 1986 bis 1987 am Western Psychiatric Institute and Clinic in Pittsburgh in Pennsylvania.

Von 1990 wurde er Assistenzprofessor für Psychologie an der University at Albany, The State University of New York. Von 1990 bis 1994 war er Assistenzprofessor am Fachbereich Psychologie der Emory University. 2000 wurde er hier zum ordentlichen Professor ernannt, zuletzt hatte er hier die Samuel Candler Dobbs Professur für Psychologie inne. Daneben leistete er Beiträge in den Nachrichtenmedien, in Fernsehauftritten und Radiosendungen, Podcasts sowie Vorträgen weltweit.

Werk

Während seines Studiums wurde er von den Arbeiten David T. Lykkens und von Paul E. Meehl zur psychopathischen Persönlichkeit beeinflusst. Daraus entwickelte sich sein Interesse an Persönlichkeitsstörungen, dissoziativen Störungen, Persönlichkeitsdiagnostik, Angststörungen, Neurowissenschaft und psychiatrischer Klassifikation. Er war ein bekannter Verfechter der evidenzbasierten klinischen Psychologie und bekämpfte Pseudowissenschaft bzw. pseudowissenschaftliche Praktiken in der psychischen Gesundheitsversorgung; dabei setzte er sich für die Eindämmung der Flut schlecht validierter psychotherapeutischer und diagnostischer Methoden ein. Bekannt wurde er für seine zahlreichen Artikel, in denen er häufig Mythen in der Psychologie widerlegte. Er widmete einen Großteil seiner Karriere der Vermittlung psychologischer Wissenschaft an Laien. Fast ein Jahrzehnt lang war er Kolumnist bei Scientific American Mind und schrieb regelmäßig die Rubrik Fakten und Fiktionen in der psychischen Gesundheit, die später als Sachbuch veröffentlicht wurde. In dem Buch 50 große Mythen der Populärpsychologie, das in über 20 Sprachen übersetzt wurde, analysierte er verbreitete psychologische Missverständnisse.

Er arbeitete auch an der Identifizierung von Persönlichkeitsmerkmalen bei Schimpansen, den nächsten evolutionären Verwandten des Menschen. Dabei konnte er die Grundlagen für Schlüsselkonzepte von Persönlichkeit bei Schimpansen schaffen sowie ein Rahmenwerk zur Bewertung von Belegen für Persönlichkeitsmerkmale bei Schimpansen entwickeln und eine Liste praktikabler Kriterien zur Beurteilung der Persönlichkeit über verschiedene Spezies hinweg erstellen. Eingeschlossen waren auch Kriterien für normales und abnormales Verhalten bei anderen Spezies. Damit trug er zu einem Paradigmenwechsel in der Sichtweise auf Tiere bei. Sein Wissen wandte er auch auf Studien zur Persönlichkeit nicht-menschlicher Primaten an und widmete sich über 25 Jahre hinweg methodischen Kritiken der Delfintherapie, einer seiner Überzeugung nach weltweit verbreiteten pseudowissenschaftlichen Methode.

Ehrungen/Positionen

Privates

Seine erste Frau Lori Marino, damals Doktorandin in Biopsychologie und spätere Dozentin für Neurowissenschaften und Verhaltensbiologie an der Emory University, lernte er 1990 an der State University of New York in Albany kennen. Das Paar heiratete 1992 im Norden des Bundesstaates New York und zog 1994 an die Emory University. Zwischen 1998 und 2021 veröffentlichten sie gemeinsam mehrere wissenschaftliche Artikel; in zweien dieser Artikel ging es um die Identifizierung von Persönlichkeitsmerkmalen bei Schimpansen und sie entwickelten Validierungsmethoden zur Beurteilung des Konstrukts Psychopathie bei Schimpansen. Obwohl sie sich 2004 scheiden ließen, blieben sie bis zu seinem Tod enge Freunde und Kollegen. In zweiter Ehe war er mit Candice Basterfield, einer an der University of Melbourne promovierten Neuropsychologin und späteren Datenwissenschaftlerin bei Liberty Mutual Insurance, verheiratet. Scott O. Lilienfeld starb mit 59 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
Herausgeberschaften
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
Commons: Scott Lilienfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Scott O. Lilienfeld Samuel Candler Dobbs Professor of Psychology, In memoriam: our colleague, friend, scholar and mentor (1960-2020) auf Emory University, abgerufen am 24. Juni 2026.
  2. ↑ Scott Lilienfeld remembered for advancing psychology while embodying kindness auf Emory University, abgerufen am 24. Juni 2026.
  3. ↑ Steven Jay Lynn; Robert D. Latzman; Sherryl H. Goodman; Patricia A. Brennan; Sally Satel: In Memoriam Scott O. Lilienfeld (1960–2020) auf gwern.net, abgerufen am 25. Juni 2026.