Sebastian Steer (* 20. Februar 1900 in Gelting; † 1. November 1977 in Bad Griesbach) war ein deutscher kommunistischer Widerstandskämpfer.
Steer war Schreiner, wohnte seit 1924 mit seiner Frau in München und wurde Mitte der 1920er Jahre Mitglied des Deutschen Holzarbeiterverbandes und 1925 Mitglied der KPD. 1929 wurde er arbeitslos.
Nach der Machtübernahme im Januar 1933 musste die KPD ihre politische Arbeit in der Illegalität fortführen. Nach der Enttarnung einer geheimen Druckerei der kommunistischen Neue Zeitung stellte Steer sein Haus in der Rottenbucher Straße 25 für den Druck der siebten Ausgabe zur Verfügung. Zusammen mit den Genossen Franz Scheider und Ludwig Stark druckte er ab dem 17. August 1933 in seiner Waschküche im Keller innerhalb von zwei Tagen etwa tausend Exemplare. Beim Heften der Zeitung half Hugo Scheurer. Am 19. August 1933 wurde die Gruppe von der Gestapo wahrscheinlich wegen einer Denunziation festgenommen. Steer kam zunächst ins Münchner Polizeigefängnis, wo er verhört und gefoltert wurde und anschließend ins KZ Dachau, wo er im Straßenbaukommando arbeiten musste. Das Oberlandesgericht München verurteilte ihn am 15. Mai 1934 wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus, die er bis 15. November 1935 in der JVA Straubing verbüßte. Nach Haftende wurde Steer wieder ins KZ Dachau in „Schutzhaft“ verbracht, wo er bis zum 1. März 1936 verblieb und schwer misshandelt wurde. 1943 wurde er als politischer Häftling für „wehrunwürdig“ erklärt und zur Strafdivision 999 abkommandiert, wo er in Griechenland und Afrika Dienst tun musste. 1944 wurde Steer verwundet und als dienstuntauglich aus der Wehrmacht entlassen. Wegen Handgranatensplitter in der Lunge konnte er seinen Beruf wegen des Holzstaubes nicht mehr ausüben und arbeitete daher als Hausmeister in einer Münchner Gastwirtschaft.
Nach Kriegsende kehrte Steer nach München zurück, beteiligte sich am Wiederaufbau der KPD, für die er auch als Funktionär tätig war, und wurde Mitglied der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes.
Nach dem Verbot der westdeutschen KPD am 17. August 1956 beteiligte er sich 1958 an der Verteilung von illegalen Propagandabroschüren und Flugblättern, die von der DDR in die Bundesrepublik gebracht und in verschiedenen westdeutschen Städten in Briefkästen eingeworfen wurden. Insgesamt wurden von Steer und seinen Freunden etwa 35.000 Briefe transportiert und weiterverteilt. In einer aufsehenerregenden Aktion wollte Steer in der Nacht zum 19. August 1958 zusammen mit Freunden in einem Gebüsch am Münchner Justizpalast zwei selbstgebastelte Raketen mit Zeitzündern anbringen, die Flugblätter gegen Aufrüstung und atomare Bewaffnung der Bundeswehr auf den Stachus herabregnen lassen sollten, die aber nicht explodierten. In der Nacht zum 30. September 1958 sollten am Hauptbahnhof, am Sendlinger Tor, am Münchner Arbeitsamt und auf der Theresienwiese weitere Raketen abgeschossen werden. Diese Aktion scheiterte ebenfalls und führte zur Festnahme aller Beteiligten, Steer kam am 1. Oktober 1958 in Untersuchungshaft.
Am 16. Juli 1959 verurteilte der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs Steer und seine Mittäter wegen „der Zuwiderhandlung gegen das Verbot der KPD in Tateinheit mit Rädelsführerschaft in einer verfassungsfeindlichen Vereinigung, mit Geheimbündelei und mit Urkundenfälschung, beides in staatsgefährdender Absicht, sowie mit einem Vergehen gegen § 9 Abs. l des Sprengstoffgesetzes; zu zwei Jahren Gefängnis. Den Angeklagten Rehm, Steer und Bell wird die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter, das Wahl- und Stimmrecht sowie die Wählbarkeit auf drei Jahre aberkannt. Polizeiaufsicht über sie ist zulässig.“ Aufgrund dieses Urteils entzogen die Behörden Steer auch die Entschädigungsleistungen, die ihm als Verfolgtem des NS-Regimes zustanden, da laut Bundesentschädigungsgesetz Personen, die „die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes“ bekämpften, von einer Entschädigung ausgenommen waren. Eine Klage Steers gegen diesen Entzug blieb ohne Erfolg.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Steer, Sebastian |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher kommunistischer Widerstandskämpfer |
| GEBURTSDATUM | 20. Februar 1900 |
| GEBURTSORT | Gelting (Geretsried) |
| STERBEDATUM | 1. November 1977 |
| STERBEORT | Bad Griesbach im Rottal |