
Die Sektkellerei Geiling (auch Sekthaus Geiling) ist ein denkmalgeschützter ehemaliger Kellerei- und Produktionskomplex in Bacharach im Landkreis Mainz-Bingen. Das Gebäude an der Mainzer Straße 33–35 entstand als repräsentativer Firmensitz und Produktionsstandort des von Georg Geiling gegründeten Sektunternehmens. Die schlossartig gestaltete Anlage gehört zu den markantesten Industriebauten des Mittelrheins. Heute befindet sich in dem ehemaligen Kellereigebäude der Firmensitz der VIA GmbH.
Gründer Georg Geiling (1863–1947) aus dem Rheingau erlernte das Küferhandwerk und spezialisierte sich auf die Herstellung von Schaumwein. 1890 gründete er in Reims ein Champagnerhaus und eröffnete 1895 eine Kellerei in Bacharach. Von dort entwickelte sich das Unternehmen zu einer Sektkellerei, die insbesondere nach dem Verfahren der klassischen Flaschengärung arbeitete.
Die Bacharacher Kellerei wurde im Laufe der folgenden Jahrzehnte zu einem bedeutenden Unternehmen der regionalen Sektwirtschaft. Im Jahr 1942 wurde in der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft der Jahresabschluss für 1941 genehmigt; zugleich wird eine Mehrheitsbeteiligung der Gesellschaft an der ebenfalls in Bacharach ansässigen Victor Clicquot Quenardel & Cie. Nachf. AG erwähnt.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg bestand die Georg Geiling & Co. AG als eigenständige Sektkellerei fort. 1971 wird das Unternehmen als Aktiengesellschaft der Branche „Sektkellereien“ mit Sitz in Bacharach ausgewiesen. Für das Geschäftsjahr werden ein Umsatz von 1,904 Millionen DM und eine Bilanzsumme von 1,246 Millionen DM angegeben.
In den 1990er Jahren wird in mehreren Beschreibungen historischer Aktien der Georg Geiling & Co. AG die Sektkellerei Schloss Wachenheim als Hauptkunde des Bacharacher Unternehmens bezeichnet. Nach diesen Darstellungen geriet Geiling infolge der wirtschaftlichen Krise von Schloss Wachenheim selbst in erhebliche Schwierigkeiten und musste schließlich Insolvenz anmelden.
Für das Unternehmen ist beim Amtsgericht Bingen ein Konkursverfahren unter dem Aktenzeichen 3 N 8/95 dokumentiert. Der Staatsanzeiger Rheinland-Pfalz veröffentlichte 2006 die Genehmigung der Vornahme einer Schlussverteilung im Konkursverfahren über das Vermögen der Georg Geiling & Co. AG mit Sitz in der Mainzer Straße 33–35 in Bacharach.
Seit 1996 gehört Geiling zum Unternehmen der Goldhand-Sektkellerei in Mainz, die bekannten Geiling-Marken werden weiterhin über Goldhand vertrieben.
Die Planung der Sektkellerei fällt in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Ein erster Entwurf von 1912 zeigt eine Anlage, die nahezu doppelt so groß war wie der später ausgeführte Komplex, die beiden Weltkriege verhinderten wohl eine vollständige Ausführung des ursprünglich vorgesehenen Projekts.
Das Gebäude ist als langgestreckte, symmetrische Anlage konzipiert. Seine über 100 Meter lange Fassade vermittelt den Eindruck eines repräsentativen Schlossbaus und unterscheidet sich damit deutlich von einer ausschließlich funktional bestimmten Industriearchitektur.
Charakteristisch ist die schlossartige Bruchsteinfassade mit einem hervorgehobenen Mittelbereich und seitlichen Pavillons. Der Mittelteil ist gegenüber den übrigen Gebäudeteilen um ein Attikageschoss erhöht. Die viergeschossigen Seitenpavillons besitzen Mansarddächer. Der Mittelrisalit und die Pavillons gliedern die langgestreckte Fassade und verleihen ihr eine ausgeprägte Symmetrie. Die amtliche Denkmalpflege hebt insbesondere die breitgedehnte schlossartige Bruchsteinfassade, den Mittelteil und die Seitenpavillons hervor.
Die Gestaltung steht im Zusammenhang mit dem repräsentativen Anspruch des Unternehmens. Die Kellerei sollte nicht allein Produktions- und Lagerstätte sein, sondern zugleich den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rang des Unternehmens sichtbar machen. Die Architektur verband damit die Funktionen eines Wein- und Sektbetriebs mit dem Erscheinungsbild eines herrschaftlichen Hauses.
Zum ursprünglichen Nutzungskonzept gehörten ausgedehnte Keller- und Lagerbereiche. Das mehr als 100 Meter lange Gebäude diente der Lagerung und Veredelung lokaler Weine, aus denen Sekt hergestellt wurde. Die langen gewölbten Kellergänge sind bis heute erhalten und werden inzwischen für eine andere gewerbliche Nutzung verwendet.
Das Gebäude der ehemaligen Sektkellerei steht als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz. In der Denkmalliste des Landkreises Mainz-Bingen ist sie unter Mainzer Straße 33/35 als „Sektkellerei Geiling“ mit einer schlossartigen Fassade, Pavillons und Mittelrisalit verzeichnet. Als Bauzeit wird dort 1921 ff., als Architekt Gottlieb Bernhard, St. Goar, angegeben.
Nach dem Ende der Nutzung als Sektkellerei stand das Gebäude längere Zeit leer. Der mehr als 100 Meter lange Komplex am südlichen Ortseingang von Bacharach wartete über zehn Jahre auf eine neue Nutzung und befand sich teilweise in einem schlechten Zustand.
2011 verlegte die VIA GmbH ihren Standort von Kaub nach Bacharach und übernahm das ehemalige Geiling-Gebäude. Das Unternehmen produziert traditionelle und moderne Zementmosaik- und Terrazzoplatten sowie weitere Materialien für die Gestaltung von Innenräumen. Die langen Gewölbegänge der ehemaligen Kellerei dienen heute unter anderem als Lager- und Logistikflächen.
Die Sanierung erfolgte unter Beibehaltung wesentlicher Teile der historischen Bausubstanz. Eine wesentliche Ergänzung bildet eine rund 1000 Quadratmeter große Glashalle, die den historischen Bestand erweitert und die neuen betrieblichen Funktionen aufnimmt. Nach Darstellung des Zentrums Baukultur wurde dabei bewusst eine leichte Stahl-Glas-Konstruktion gewählt, die einen Kontrast zur massiven historischen Architektur bildet.
Der Umbau und die Erweiterung wurden 2019 von der Initiative Baukultur der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord als „Vorbildliches Bauwerk“ ausgezeichnet.
Koordinaten: 50° 2′ 57,5″ N, 7° 46′ 34,9″ O