Sherwood Anderson

Sherwood Anderson, am 29. November 1933 von Carl van Vechten porträtiert

Sherwood Anderson (* 13. September 1876 in Camden, Ohio; † 8. März 1941 in Colón, Panama) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Insbesondere sein Werk Winesburg, Ohio aus dem Jahr 1919 gilt als bedeutender Klassiker der amerikanischen literarischen Moderne.

Leben und Werk

Kindheit, Jugend und berufliche Anfänge

Sherwood Anderson wurde 1876 als drittes von sieben Kindern der Eheleute Irwin und Emma Smith Anderson in Camden, einem Dorf im Südwesten des Staates Ohio geboren. Durch berufliche Wechsel des Vaters, eines Geschirrmachers, zog die Familie in Andersons Kindheit mehrmals um. 1879 lebte sie in Caledonia im mittleren Ohio, ab 1883 in Clyde nahe dem Eriesee. Der Ort wurde später Vorbild für die fiktive Ortschaft Winesburg, Ohio. Sherwood besuchte die Schule nur unregelmäßig, da er durch verschiedene Tätigkeiten, u. a. als Zeitungsjunge, zum Lebensunterhalt seiner Familie beitragen musste. 1895 starb im Alter von 42 Jahren seine Mutter an Schwindsucht.

Im Jahr 1896 ging Sherwood Anderson nach Chicago und arbeitete in verschiedenen Berufen, wie etwa als Verwalter eines Warenhauses, hatte aber als ungelernter Arbeiter nur geringe Aussichten. 1898 nahm er als Soldat am Spanisch-Amerikanischen Krieg teil, traf mit seiner Einheit aber erst nach der spanischen Kapitulation auf Kuba ein und wurde selbst nicht im Kampf eingesetzt. 1899 holte er in Springfield seinen High-School-Abschluss nach. Im folgenden Jahr kehrte Anderson wieder nach Chicago zurück und wurde Anzeigenverkäufer und Werbetexter. 1904 heirateten Sherwood Anderson und Cornelia Lane aus Toledo. Der Ehe entstammen drei Kinder. Anderson wechselte mehrmals Beruf und Wohnort und war Leiter eines Versandhauses in Cleveland und ab 1907 Leiter eines Handelsunternehmens für Farben und Lacke in Elyria. Zu dieser Zeit entstanden seine ersten eigenständigen Schreibversuche. Im November 1912 erlitt er einen Nervenzusammenbruch und kollabierte.

1913–1921: Die Chicagoer Jahre

Beruflich und familiär gescheitert, mit angeschlagener Gesundheit, zog Anderson 1913 erneut nach Chicago, um sich literarisch zu betätigen. Er kam in Kontakt mit einer Literatengruppe, die als Chicago Literary Renaissance bekannt wurde. Zu ihnen gehörten Harriet Monroe, Edgar Lee Masters, Theodore Dreiser, Carl Sandburg, Vachel Lindsay, Eunice Tietjens, Floyd Dell, Ben Hecht, Burton Rascoe und Lewis Galantière. Organ der „Chicago Literary Renaissance“ war die Literaturzeitschrift „The little review“, die Margaret Anderson (nicht verwandt) herausgab und für die Theodore Dreiser, Sherwood Anderson und Carl Sandburg Beiträge lieferten.

Im Jahr 1915 folgte seine erste Veröffentlichung. In der sozialpolitischen Zeitschrift The Masses publizierte er die beiden ersten Abschnitte einer 1919 erschienenen Erzählung The book of the grotesque; weitere Geschichten des späteren Winesburg-Zyklus erschienen in The little Review und in The Seven Arts. 1916 ließ er sich von seiner Frau scheiden und heiratete Tennessee Mitchell. Sein erster Roman Windy McPherson’s son erschien mit Hilfe von Theodore Dreiser und Floyd Bell, 1917 auch sein zweiter Roman Marching Men. 1918 wurde sein erster Gedichtband Mid-American chants veröffentlicht. Alle drei Bücher fanden jedoch wenig Resonanz beim lesenden Publikum.

1919 publizierte er Winesburg, Ohio, einen Band von Erzählungen über das amerikanische Kleinstadtleben, deren Entstehung bis ins Jahr 1913 zurückreicht und die seinen Ruhm und Erfolg begründen. 1920 erschien sein Roman Poor white, in dem es Andersson jedoch nicht gelang, an die neugewonnene naturalistische Ästhetik von Winesburg, Ohio anzuschließen. 1921 erschienen Erzählungen und Gedichte unter dem Titel The Triumph of the Egg, für die er 1921 den Dial Award gewann, der ein Preisgeld von 2000 Dollar mit sich brachte. Mit diesem Geld finanzierte er seine spätere Europareise. Zu dieser Zeit begegnete er auch erstmals dem damals noch unbekannten 22-jährigen Journalisten Ernest Hemingway.

1921–1941: Paris, New Orleans, Marion

1921 ging Anderson nach Paris, wo er sich mit anderen ausgewanderten Schriftstellern wie Ford Madox Ford, Gertrude Stein und James Joyce traf. 1924 trennte Anderson sich von Tennessee Mitchell und heiratete in dritter Ehe Elizabeth Norma Prall, die nach Sherwood Andersons Tod 1969 ihre Memoiren veröffentlichen sollte. Bei einem Besuch in New Orleans traf er William Faulkner, dem er den Rat gab, über jene Dinge zu schreiben, die ihm vertraut seien. Nach dem Vorbild Andersons und seines Winesburg-Zyklus schuf Faulkner das Yoknapatawpha County als fiktives Abbild seiner eigenen Heimat im Staat Mississippi. Anderson setzte sich sehr für Faulkner ein und ermöglichte diesem die Veröffentlichung seines ersten Romanes Soldier's Pay. Faulkners dritter Roman Sartoris enthält eine Widmung für Anderson.

1925 brachte Anderson den Roman Dark laughter heraus, der sein einziger größerer Verkaufserfolg wurde. Aus dem Erlös kaufte er sich einen kleinen Bauernhof in der Nähe von Marion in Virginia. Sein Haus nannte er Ripshin und er publizierte auch in den Folgejahren mehrere Werke, darunter den autobiografischen Roman Tar. A midwest childhood. 1932 ließ er sich von seiner dritten Ehefrau scheiden. Sein Buch Beyond desire widmete er den in den vierziger Jahren aufkommenden Arbeiterunruhen in den Baumwollspinnereien des Südens. Im Folgejahr heiratete er in vierter Ehe Eleanor Gladys Copenhaver und veröffentlichte den Erzählband Death in the woods, das vorletzte zu seinen Lebzeiten erschienene Buch.

1937 wurde er in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen. 1941 starb er während einer Schiffsreise nach Südamerika an einer akuten Bauchfellentzündung, verursacht durch einen verschluckten Zahnstocher.

Wirkung

Nachdem die amerikanische Kurzgeschichte nach dem frühen Tod von Stephen Crane im Jahr 1900 viel von ihrer Originalität verloren und auf das Niveau „mechanisch reproduzierbarer Plot(s)“ mit teils moralisierendem Schluss herabgesunken war und durch Massenmedien verbreitet wurde, verdankt sie Sherwood Anderson eine Neubelebung. Er führte sie wieder auf das Niveau zurück, welches sie von Washington Irving bis zum Tode von Stephen Crane gehalten hatte. Anderson verwarf die Forderung nach einem spannenden Plot und setzte an dessen Stelle die slice of life story, die einen kurzen, aber entscheidenden Lebensabschnitt szenenhaft behandelt und den Charakter der Protagonisten aufscheinen lässt, ohne ihn vollständig zu durchleuchten. Entscheiden wird das Wie des Erzählens. Wechselnde Erzählmodi, Rückblenden und Zeitsprünge treten an die Stelle einer linear erzählten Handlung.

Werke

Werkausgaben
Kritische Editionen
Neue Übersetzungen ins Deutsche

Monographien

Einzelnachweise

  1. ↑ Members: Sherwood Anderson. American Academy of Arts and Letters, abgerufen am 13. Februar 2019.
  2. ↑ Eintrag in der Encyclopedia Virginia, abgerufen am 24. Dezember 2014.
  3. ↑ Walter B. Rideout: Sherwood Anderson: A Writer in America, Volume 2. Univ of Wisconsin Press, 2007, ISBN 978-0-299-22023-5 (google.de [abgerufen am 30. Januar 2023]).
  4. ↑ Michael Hanke: Einleitung zu Ders. (Hrsg.): Amerikanische Short Stories des 20. Jahrhunderts. Reclam, Stuttgart 1998, S. 9.
  5. ↑ Hanke 1998, S. 10.