
Shlomo Riskin (hebräisch שלמה ריסקין; geboren am 28. Mai 1940 in Brooklyn als Steven Riskin) ist ein israelisch-amerikanischer orthodoxer Rabbiner und Publizist. Er ist der Gründungsrabbiner der Lincoln Square Synagogue in New York City, der Gründungs-Oberrabbiner der israelischen Siedlung Efrat und der Gründer sowie Kanzler von Ohr Torah Stone, einem Netzwerk jüdisch-orthodoxer Bildungseinrichtungen. Riskin tritt für den christlich-jüdischen Dialog und die Stärkung der Rolle der Frau im orthodoxen Judentum ein.
Riskin fand zu den jüdisch-christlichen Beziehungen in den frühen 1960er Jahren als Teilnehmer der Seminare von David Flusser über die christlichen Evangelien an der Hebräischen Universität Jerusalem. Riskin sah Parallelen der Lehre Jesu zum Tanach. 1964 erläuterte sein Mentor, Rabbi Joseph Soloveitchik, seine Ansichten zum interreligiösen Dialog im Aufsatz Confrontation und entwickelte darin Richtlinien dazu. Vor dem Hintergrund des Zweiten Vatikanischen Konzils und den damit verbundenen Umwälzungen in der römisch-katholischen Kirche veröffentlichte diese die Erklärung Nostra Aetate über ihr grundlegend neues Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen und insbesondere zum Judentum. Darin bekundete die Kirche ihre Abkehr von der These der Schuld der Juden an der Kreuzigung Jesu und gestand ein, dass der religiöse Antisemitismus eine bedeutende Rolle beim Zustandekommen der Gräueltaten gegen das jüdische Volk gespielt habe. Damit machte sie auch für die größte christliche Kirche offiziell den Weg frei für den Dialog mit den Juden. Riskin beteiligte sich daran und begann nach seinem Umzug nach Efrat im Jahr 1983, sich aktiv für den Dialog zwischen den beiden Religionen zu engagieren. Die meisten der Christen, die ihn dort zu Studienzwecken aufsuchten, waren allerdings Evangelikale. Riskin entwickelte damals einen fruchtbaren Gedankenaustausch mit christlichen Geistlichen, vergewisserte sich aber, dass deren Liebe zum jüdischen Volk nicht nur ein Mittel heimlicher Judenmission war. Die enge Kooperation mit konservativ-evangelikalen Gruppierungen und Predigern aus den USA, die ein eher mythisches Bild vom Judentum pflegen und letztlich auf eine Bekehrung der Juden nach der Wiederkehr Jesu als Messias hoffen, erregt jedoch das Misstrauen in progressiv-jüdischen Kreisen.

2008 gründete er in Israel das „Center for Jewish-Christian Understanding and Cooperation“ (kurz CJCUC), um seinen Bemühungen für den christlich-jüdischen Dialog einen dauerhaften institutionellen Rahmen zu geben. Christen, die Israel bereisen, können dort die hebräische Bibel gemeinsam mit orthodoxen Rabbinern studieren und sich über die jüdischen Wurzeln des Christentums informieren. Das Zentrum widmet sich der Kommunikation zwischen den Glaubensgemeinschaften insbesondere anhand der Exegese biblischer Texte. Dabei wird auch versucht, Holocaust und Zweiten Weltkriegs theologisch aufzuarbeiten und zu verstehen. Das Zentrum betont die theologische und historische Bedeutung des Landes Israel und den Einfluss jüdisch-christlicher Werte wie Heiligkeit des menschlichen Lebens, des Friedens und der Menschenwürde auf Kultur und Konflikte des 21. Jahrhunderts. Das CJCUC bietet für christliche Gruppen aus Übersee Tagesseminare und für Studierende und Dozenten der theologischen Fakultäten in Nordamerika und Europa Fortbildungsseminare an. Darüber hinaus hat es das Institute for Theological Inquiry als theologischen Think Tank zur wissenschaftlichen Erforschung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Judentum und Christentum eingerichtet. Das CJCUC betreibt und unterstützt im Rahmen seines interreligiösen Auftrages zahlreiche soziale und akademische Programme, z. B. ein Hilfsprogramm für finanziell benachteiligte christliche Palästinenser.
Riskins Bemühungen werden von der Paul Singer Foundation, von der Zion’s Gate International Foundation, von John Hagee und der israelischen Familie Hertog sowie dem israelischen Justizministerium finanziell unterstützt.
Zur Stärkung der Rolle von Frauen im orthodoxen Judentum hat Riskin eine Reihe von Vorstößen unternommen. So entschied er, dass Frauen ein eigenes Torafreudenfest feiern können. Er war Mitbegründer des orthodoxen Frauenseminars Midreshet Lindenbaum. Im Jahr 2014 wurde das erste von Frauen verfasste Buch halachischer Entscheidungen veröffentlicht, dessen Autorinnen, Idit Bartov und Anat Novoselsky, von Riskin ordiniert wurden.
Bereits 1991 hatte Riskin vor dem israelischen Obersten Gericht erfolgreich geklagt, um Frauen als Rechtsbeistände (Toanot) in Rabbinatsgerichten zuzulassen. Anschließend gründete er das erste Ausbildungsprogramm für Frauen in diesem Bereich. Die Absolventinnen setzen sich insbesondere für die Rechte von Agunot ein – Frauen, deren Ehemänner ihnen einen Scheidebrief verweigern. 2021 unterstützte er zudem die Ernennung von Rabbanit Shira Marili Mirvis zur alleinigen geistlichen Leiterin einer orthodoxen Gemeinde in Efrat, der ersten Frau in dieser Position in Israel.
2008 gründete er das Center for Jewish-Christian Understanding and Cooperation (CJCUC), eine orthodox-jüdische Einrichtung, die einen theologischen Dialog mit der christlichen Welt führt. Das Zentrum bietet hebräisches Bibelstudium für Christen an, organisiert interreligiöse Initiativen wie den „Day to Praise“ und unterstützt verfolgte christliche Gemeinschaften im Nahen Osten durch Projekte wie „Blessing Bethlehem“.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Riskin, Shlomo |
| ALTERNATIVNAMEN | Riskin, Steven |
| KURZBESCHREIBUNG | israelisch-amerikanischer Rabbiner und Publizist |
| GEBURTSDATUM | 28. Mai 1940 |
| GEBURTSORT | Brooklyn |