
Shoei Yoh (japanisch 葉 祥栄; eigentlich Ye Xiangrong bzw. Yō Shōei, 1975 eingebürgert als Hamura Shōei); * 7. März 1940 in Kumamoto; † 8. Januar 2026 in Fukuoka) war ein chinesisch-japanischer Architekt, Produkt- und Innenraumdesigner, Theoretiker, Fachautor und Hochschullehrer. Er wurde in den 1980er- und 1990er-Jahren durch Bauten in den Präfekturen Kumamoto und Fukuoka bekannt, bei denen er Verfahren des Produktdesigns und die computergestützte Tragwerksberechnung auf den Hochbau übertrug.
Shoei Yoh wurde als Sohn chinesischer Eltern in Kumamoto geboren. Sein jüngerer Bruder ist der Illustrator, Maler, Autor und Dichter Shomei Yoh, ein weiterer Bruder ist der Fotograf und Autor Shōtei Hayama. Die Künstler Ken'ei Hayama und Teiji Hayama sind seine Neffen. Von 1958 bis 1962 studierte Yoh Ökonomie an der Keiō-Universität in Tokio und schloss mit dem Bachelor of Arts ab. Mit einem Stipendium ging er anschließend in die USA, wo er 1962/63 den Studiengang Fine and Applied Arts an der Wittenberg University in Springfield, Ohio, belegte, unter anderem bei Ralston Thompson. Diese Hochschule verlieh ihm 2007 die Ehrendoktorwürde in Fine Arts. Von 1964 bis 1967 war er als Project Designer für die International Design Associates (IDA) in Tokio tätig, danach bei NIC in Fukuoka. 1970 gründete er in Fukuoka das Yoh Design Office (japanisch: Yō Dezain Jimusho), das auch als Shoei Yoh + Architects bekannt ist. Das Büro beschäftigte sich vor allem mit der Planung und Ausführung von Wohnhäusern, öffentlichen Bauten und Ausstellungsgebäuden. 1989 nahm er an einem Workshop des Vitra Design Museums in Weil am Rhein teil.
Von 1992 bis 2002 war Shoei Yoh Gastdozent an der Kyūshū-Universität in Fukuoka und hatte 1992 zudem eine Gastprofessur an der Graduate School of Architecture, Planning and Preservation der Columbia University in New York inne. Von 1996 bis 2005 lehrte er als Professor an der Graduate School of Media and Governance der Keiō-Universität. Ab 2008 war er Gastprofessor an der Präfekturuniversität Kumamoto.
Zu seinen Auszeichnungen zählen der Award der Japan Interior Designers' Association (1979), der Mainichi Design Award (1983) sowie ein Newcomer Award der Japan Architects Association. Das House of Light Lattice erhielt 2007 den JIA 25 Year Award und der Oguni Dome erhielt 1989 einen JIA Award, 1993 einen IAKS Architecture Award in Gold sowie 2018 einen weiteren JIA 25 Year Award.
Shoei Yoh übertrug Konzepte und Techniken des Produktdesigns auf den Bau und experimentierte mit organischen und anorganischen Materialien. In seinen frühen Arbeiten bevorzugte er klar gegliederte, leichte Tragwerke in Primärformen wie Quader, Dreieck, Kegel oder Halb- und Flachkugel. Später wandte er sich der Freiform- bzw. Blob-Architektur zu. Für sein Konzept einer elastischen Architektur (japanisch: yawarakai kenchiku) wird in der Literatur ein Vergleich mit den Metabolisten gezogen. In der Forschung und in Ausstellungstexten der Kyūshū-Universität wird er als Pionier des digitalen Entwerfens bezeichnet.
Ab Ende der 1970er Jahre erregte eine Serie von Bauten, die Yoh als Lichtarchitektur (japanisch: Hikari no Kenchiku) bezeichnete, internationale Aufmerksamkeit. Dazu gehören das Coffee Shop Ingot in Kitakyūshū (1977, zerstört), das laut Literatur der erste japanische Bau mit vierseitiger struktureller Verglasung war, das Kinoshita Clinic in Fukuoka (1979) und das House of Light Lattice in Nagasaki. Letzteres besteht aus einem Gitter aus Edelstahl und Glasplatten.
Mit dem Music Atelier in Minamiaso (1986), dem Oguni Bus Terminal (1986) und dem Oguni Dome in Oguni am Berg Aso (1988 vollendet) entstand eine Reihe von Bauten mit dreidimensionalen Holzfachwerken. Das Raumfachwerk des Oguni Dome besteht aus Stahlknoten und vergleichsweise dünnen Zedernholzbalken aus der Region und trägt das gewölbte Dach der Halle. Laut Angaben der Kyushu-Universität und der Wittenberg University durfte in Japan damals kein Holzbau mit mehr als 3000 m² Fläche errichtet werden. Der Oguni Dome gilt als erster Holzbau Japans, der diese Grenze überschritt. Yoh arbeitete bei dieser Bauserie mit den Ingenieuren Matsui und Morikawa zusammen. Greg Lynn führt den Oguni Dome in seinem Katalog zur Ausstellung Archaeology of the Digital als frühes Beispiel für den Einsatz von Computersimulationen in der Architektur an.
Das Naiju Community Centre and Nursery School in Chikuho (Iizuka, Präfektur Fukuoka) wurde 1993 entworfen und 1994 fertiggestellt. Eine Betonschale überspannt eine netzartige Unterkonstruktion aus Bambus, deren Elemente ähnlich, aber nicht identisch sind. Laut den Beschreibungen des CCA und des Window Research Institute hat das Gebäude keine Fenster. Bei Entwurf und Konstruktion wurden lokal gewachsener Bambus, handwerkliche Flechttechnik und computergestützte Berechnung verbunden.
Einzelausstellungen zeigten seine Arbeiten in Tokio 1978 und 1982 (Tokyo Designer's Space), 1980, 1985 und 1991 (Japan Design Committee), 1984 (Ina Gallery) sowie 1987 in der TOTO Gallery Ma. Im Jahr 2021 folgten Ausstellungen am Ōhashi-Campus der Kyūshū-Universität in Fukuoka und vom November 2021 bis Januar 2022 im Australian Design Centre in Sydney (Revisiting Shoei Yoh). Im März 2024 wurde eine weitere Ausstellung dieses Titels im Fukuoka Asian Art Museum gezeigt.
Shoei Yoh übergab im Jahr 2012 seinen Archivbestand an das Canadian Centre for Architecture in Montreal. Dieser wird dort als Shoei-Yoh-Fonds (Zeitraum: 1976–2014, Schwerpunkt: 1990–1996) verwahrt. Weitere kleinere Bestände befinden sich im FRAC Centre in Orléans und im National Museum of Art in Osaka. 2019 schenkte Shoei Yoh sein persönliches Archiv der Kyushu-Universität. Es wurde als Shoei-Yoh-Archive an der Fakultät für Design eingerichtet. Zeichnungen, Baupläne, Modelle und Fotografien werden gemeinsam mit der School of Built Environment der University of New South Wales in Sydney digitalisiert, ausgewählte Bauten wurden in 3D gescannt.
Shoei Yohs Bauten wurden in internationalen Überblickswerken zur Architektur der 1990er Jahre behandelt, darunter bei Greg Lynn (Folds, Bodies and Blobs, 1998), Mario Carpo (The Digital Turn in Architecture, 2013) und Philip Jodidio (Architecture Now! III, 2004).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Yoh, Shoei |
| ALTERNATIVNAMEN | Hamura, Shoei |
| KURZBESCHREIBUNG | japanischer Architekt und Designer chinesischer Herkunft |
| GEBURTSDATUM | 7. März 1940 |
| GEBURTSORT | Kumamoto |
| STERBEDATUM | 8. Januar 2026 |
| STERBEORT | Fukuoka |