Sibylle Penkert

Sibylle Penkert (* 8. Oktober 1935 in Hindenburg, Oberschlesien; † 14. November 2023 in Berlin) war eine deutsche Literaturhistorikerin.

Leben

Nach dem Abitur in Helmstedt im Jahr 1955 absolvierte Sibylle Penkert eine Ausbildung als Übersetzerin und Dolmetscherin am ADI (jetzt FTSK der Universität Mainz), Abschluss Cambridge Certificate of Proficiency. Ab 1957 studierte sie Germanistik und Geschichte an der Universität Göttingen bei Albrecht Schöne und Percy Ernst Schramm. Sie war verantwortliche Feuilleton-Redakteurin der Studentenzeitung Prisma, als 1959 das Gedicht Missa Profana von Reinhard Döhl dort in ihrer Abwesenheit veröffentlicht und anschließend Gegenstand eines Prozesses wurde, der zu einem Grundsatzurteil zur Freiheit der Kunst (BGH 1962) führte. Sie promovierte 1967 als Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung über den Kunsthistoriker und anarchistischen Schriftsteller Carl Einstein.

Im Mai 1958 lernte Sibylle Penkert bei einem auf Basis eines Stipendiums des Historischen Kolloquiums Göttingen realisierten Parisaufenthalt (Sciences Po) die Sängerin Barbara kennen und vermittelte im November 1963 den Kontakt zum Jungen Theater Göttingen, wo Barbara im Rahmen ihres Auftrittes der Stadt im Juli 1964 das Lied Göttingen widmete.

1967 bis 1976 arbeitete sie als Assistentin von Peter Michelsen an der Universität Heidelberg (DFG-Habilitations-Stipendium von 1971 bis 1973) und wurde dann für ein Jahr als Associate Professor an die Ohio State University berufen. Nach Tätigkeiten an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel und am Hermann-Hesse-Archiv Bern ging sie an die Universität Witten/Herdecke als Forschungsassistentin des Rektors (nach der Gründung 1982–1985). Danach war sie bei der Deutschen Welle (Köln) als Medienwissenschaftlerin und Journalistin für internationale Filmfestivals tätig und bearbeitete das Helge-Pross-Archiv der Gesamthochschule Siegen. 1993 bis 1994 lehrte sie an der Staatlichen Russischen Humanistischen Universität (RGGU) in Moskau als Professorin für Barockdichtung und 1994 bis 1997 als Gastdozentin an der Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń (Polen). 1997 bis 1998 wechselte sie als Dozentin zur Universität/Gesamthochschule Essen, war 1998 bis 1999 als Gastprofessorin an der New York University und schließlich für die Jahre 2000 bis 2009 als Gastprofessorin des Johann-Gottfried-Herder-Programms an der Staatlichen Burjatischen Universität in Ulan-Ude (RUS). 2001 wurde ihr vom Landesparlament Nordrhein-Westfalen die Professur h. c. für Osteuropa/Zentralasien verliehen. Sie veröffentlichte vier Bücher und zahlreiche Aufsätze zum 17., 18. und 20. Jahrhundert. Ihre Schwerpunkte waren Vergleichende Literatur- und Kunstgeschichte sowie jüdisch-politische Geschichte des 20. Jahrhunderts seit 1963.

Veröffentlichungen

Eigene Beiträge

Herausgeberschaft

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. ↑ Stefan Pioskowik: Nachruf Dr. Sibylle Penkert. (PDF; 72 kB) Literaturhistorikerin mit Leib und Seele. In: www.herrenschmiede-heinevetter.de. Abgerufen am 12. Dezember 2023.
  2. ↑ missa profana. Abgerufen am 20. Juli 2020.
  3. ↑ Die Avantgarde (Hochschulen/Studenten: ). In: Der Spiegel. Nr. 32, 1959 (spiegel.de [abgerufen am 20. Juli 2020] s. auch Spiegel 42/1960).
  4. ↑ Carl Einstein. Beiträge zu einer Monographie. Göttingen 1969 (digitale-sammlungen.de [abgerufen am 4. September 2019]).
  5. ↑ Petra Terhoeven/Dirk Schumann (Hrsg.): Strategien der Selbstbehauptung. Vergangenheitspolitische Kommunikation an der Universität Göttingen (1945-1965). Wallstein Verlag GmbH, Göttingen 2021, ISBN 978-3-8353-3836-4, S. 213–220.
  6. ↑ Valerie Lehoux: BARBARA: Portrait en clair-obscur. 2. Auflage. Pluriel/Fayard, Paris 2017, ISBN 978-2-8185-0515-1, S. 327–331.
  7. ↑ Schriftverkehr mit Barbara und weitere Belege im Stadtarchiv Göttingen, Kl. Erw. 166, Acc.-Nr. 2289/2018, Nr. 1–10. www.stadtarchiv.goettingen.de
  8. ↑ Sabine Hering, Elke Hüwel: Helge Pross: Wegbereiterin der Frauenforschung. Biografisches aus dem Nachlass. (PDF) S. 15, 84, abgerufen am 20. Juli 2020.
  9. ↑ Johann-Gottfried-Herder-Programm
  10. ↑ Verliehen am 27. Juni 2001 durch das Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, vertreten durch Frau Ministerin Behler (Aktenzeichen 222-0143 v. 19.6.2001).
Personendaten
NAME Penkert, Sibylle
KURZBESCHREIBUNG deutsche Literaturwissenschaftlerin
GEBURTSDATUM 8. Oktober 1935
GEBURTSORT Hindenburg, Oberschlesien
STERBEDATUM 14. November 2023
STERBEORT Berlin