Sibylle Springer (* 1975 in Münster) ist eine deutsche Malerin.
Springer studierte an der Hochschule für Künste Bremen (bei Karin Kneffel, Stefan Kürten und Katharina Grosse). Sie verbrachte innerhalb ihres Studiums ein Jahr in Florenz und ging nach dem Studium mit Hilfe verschiedener Stipendien nach New York. Sibylle Springer lebt und arbeitet in Bremen und Berlin.
In vielen Arbeiten geht es Springer um den Blick auf die Stellung der Frau und ihre Wahrnehmung in unserer Gesellschaft. Dabei thematisiert sie oft kunstgeschichtliche, historische oder politische Zusammenhänge und bezieht sich auf andere Künstler und deren Werke, um sie durch ihre Malerei neu zu interpretieren und in einen zeitgenössischen Kontext zu setzen. Springer richtet den Blick immer wieder auf (fast) vergessene Künstlerinnen der Vergangenheit. Jüngst hat sie begonnen, die Inhalte ihrer Malerei in textile Bilder und Pullover zu überführen, um sie auch außerhalb des elitären Kunstbetriebes sichtbar und erlebbar zu machen. Ihre Arbeiten sind gekennzeichnet von Doppelbödigkeit und Ambivalenz.
„Sibylle Springers künstlerische Faszination gilt dem menschlichen Körper, genauer: dem Körper in seiner Verflochtenheit mit dem auf ihn gerichteten, an ihn adressierten Blick. In ihrer Malerei betrachtet, entfaltet und deutet sie dieses spannungsreiche Wechselverhältnis – das im Kern ein Selbstverhältnis ist und eines, dem ein kulturgeschichtlich imprägniertes Reflexionsgefüge immer bereits eingeschrieben ist. Was unter anderem bedeutet: Trotz der oft unmittelbaren, stark affektiven Wirkung von Körperdarstellungen ist nichts daran voraussetzungslos. Unschuldige Nacktheit ist da ebenso Konstrukt wie erotische Raffinesse; ob künstlerischer Akt, Pornografie oder biologische Sachlichkeit, das ethnologisch Fremde oder historisch Entfremdete, das Hässliche oder das Schöne – was das eine sei und was das andere, das ist niemals bloß von sich her ‚natürlich‘, ‚anzüglich‘, ‚objektiv‘ oder ‚abstoßend‘. Insofern ist Springers ästhetisches Projekt im Kern stets eine Reflexion des Blicks, von dieser Warte aus dann auch die Reflexion von Malerei, ihren Stilen, Bildtraditionen und Sujets.“
„Als Leitbegriff für Springers Kunst könnte man ‚Unheimlichkeit’ wählen. Fast alle ihre Gemälde – meist in Serien konzipiert – beschäftigen sich mit Themen, bei denen es um Dunkles, Geheimes, Verbotenes, Abgründiges geht. Das können U-Bahn-Schächte New Yorks sein, die mit Graffitis besprüht sind und die Springer in Malerei übersetzt, Klassiker der Kunstgeschichte, in denen es um Mord oder Verrat geht, die sie re-produziert, oder auch die Geschichten von Giftmörderinnen, die sie ins Bild setzt. Die Unheimlichkeit wird aber nicht erst spürbar, wenn man die Hintergründe zu den Gemälden recherchiert. Vielmehr gelingt es Springer, diese Empfindung mit ihrer Art der Malerei immer wieder neu und unmittelbar – in immer wieder anderen Nuancen – zu erzeugen. Eine höchst sorgfältige und detailgenaue Malweise macht dies möglich.“
„(…) Zwei weitere Inspirationsquellen Springers sind die Schwestern Barbara Regina Dietzsch (1706–1783) und Margaretha Barbara Dietzsch (1726–1795) . Sechs Arbeiten sind in Bremen in zwei Vitrinen zu sehen (…). Darüber hängen drei kleinformatige Bilder Springers, die keinen Zweifel daran lassen, welches Motiv der Nürnberger Schwestern die Künstlerin besonders fasziniert. Es sind die Disteln, die Springer isoliert, vergrößert und mit einer metallischen Schärfe versehen hat. Haben sich die Dietzschs für die stacheligen Pflanzen entschieden, um weiblichen Widerstand gegen die Demütigungen in einer patriachalischen Gesellschaft zu artikulieren? Man weiß es nicht. Was man nach dem Besuch in Bremen weiß, ist, daß Springers Kunst zwischen Homezone (2019, einem der ältesten Titel in der Ausstellung) und Floating (2025) einen Quantensprung gemacht hat. In den jüngsten Arbeiten wird Geschichte erlebbar lebendig. Die Reflexion befeuert die Pracht der Darstellung. Das ist malerische Intelligenz auf der Höhe der Zeit.“
„(...) Es ist kein Zufall, dass viele der Verflechtungen in der Kunstgeschichte, die Künstlerinnen miteinander verbinden, erst im 21. Jahrhundert entdeckt wurden. Museen und Ausstellungshäuser, mitsamt ihren engagierten Forscher- innen und Forschern, spielen hier eine Schlüsselrolle. Je mehr Ausstellungen Künstlerinnen gewidmet werden, desto besser wird ihr Leben erforscht. Desto mehr Werke werden aufgespürt. Neue Namen entdeckt. Unbekannte oder vergessene Verbindungen gefunden. Sibylle Springers Bild fordert uns auf, uns weiter auf die Suche zu begeben.“
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Springer, Sibylle |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1975 |
| GEBURTSORT | Münster |