| Staat | |
| Provinz | |
| Gemeinde | |
| Fläche – Land – Wasser |
14,99 km² 14,93 km² 0,06 km² |
| Einwohner | 2.090 (1. Jan. 2026) |
| Koordinaten | 51° 39′ N, 6° 7′ O |
| Höhe | 17 m NAP |
| Vorwahl | 0485 |
| Postleitzahlen | 5853 |
Lage von Siebengewald in den Niederlanden. |
Siebengewald ist ein Dorf im Norden der niederländischen Provinz Limburg, gelegen an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Es gehört zur Gemeinde Bergen und hat 2.090 Einwohner.
Das Dorf liegt (Luftlinie) 27 Kilometer südöstlich von Nijmegen, 16 Kilometer nordöstlich von Venray und 5 Kilometer südwestlich von Goch.
Die älteste Erwähnung des heutigen Gebietes datiert aus dem Jahr 1326. In der Urkunde vom 24. August 1326 geht es um die Klärung der Rechte und Zuständigkeiten des damals zeuenghe waet genannten Areals zwischen den Grafschaften Kleve und Geldern. Verwaltet wurde das Territorium von den Herren von Hertefeld, deren Stammsitz das Schloss Hertefeld im benachbarten Weeze ist. In einer weiteren Urkunde von 1346 wird diese Region schon Sevengewalde genannt. Siebengewald gehörte, ebenso wie Goch und Weeze, zum Herrschaftsbereich der Grafen, später der Herzöge, von Geldern. 1473 erhielt Herzog Johann I. von Kleve das Gebiet um Goch und Siebengewald von Karl dem Kühnen für seine Unterstützung beim Erwerb des Herzogtums Geldern.
Als Ergebnis des Jülich-Klevischen Erbfolgestreits (1609–1614) fiel das Herzogtum Kleve und somit auch Siebengewald im Vertrag von Xanten an das Kurfürstentum Brandenburg, dem späteren Königreich Preußen.
Der heutige Grenzverlauf ist ein Ergebnis des Wiener Kongresses: Hier wurde 1815, nach Ende der Franzosenzeit, auch die Grenze zwischen dem Königreich der Vereinigten Niederlande und dem Königreich Preußen neu festgeschrieben. Der finale Grenzverlauf für Siebengewald und Umgebung wurde schließlich im Traktat von Aachen am 26. Juni 1816 sowie im sogenannten Emmericher Protokoll vom 23. September 1818 besiegelt.
Die Grenze wurde im Abstand eines Kanonenschusses (ca. drei Kilometer oder eine französische Meile) östlich parallel zum Fluss Maas gezogen. Siebengewald stellte hierbei eine Ausnahme von dieser Regel dar. Da Teile von Siebengewald noch zur Herrschaft Weeze gehörte und eine Exklave bildete, schlug man das Gebiet von Siebengewald komplett den Niederlanden zu. Da der Ort jedoch relativ weit östlich lag, entstand die heute so markante Nase im Grenzverlauf, die das niederländische Staatsgebiet ein Stück weit in die Region des deutschen Niederrheins hineinschiebt.
Neben der Landwirtschaft stellte das Besenbinden eine Haupteinnahmequelle für die Bevölkerung von Siebengewald im 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts dar. Obwohl das Besenbinden seit Mitte des 20. Jahrhunderts keine wirtschaftliche Rolle mehr spielte, ist das Handwerk tief im kollektiven Gedächtnis verankert: Der lokale Karnevalsverein in Siebengewald nennt sich bis heute De Bessembienders.
Der neue Grenzverlauf machte Siebengewald zu einer Hochburg des Schmuggels. Was heute zum Teil romantisiert wird, war damals ein überlebenswichtiger Erwerbszweig für die arme Bevölkerung.
Am 10. Mai 1940 besetzten deutsche Truppen Siebengewald während des Überfalls auf die Niederlande. Erst knapp fünf Jahre später, am 28. Februar 1945, wurde der Ort im Zuge der alliierten Großoffensive Operation Veritable befreit. Zu diesem Zeitpunkt war das Dorf fast vollständig evakuiert. Nur wenige Tage zuvor, am 24. Februar 1945, hatte die britischen Luftwaffe die Dorfkirche vollständig zerstört. Die Briten wollten damit verhindern, dass die Wehrmacht den Kirchturm als Beobachtungsposten nutzt.
Siebengewald sorgte im September 1996 international für Schlagzeilen: Die Polizei hob direkt an der deutschen Grenze die größte illegale Hanfplantage aus, die jemals in den Niederlanden entdeckt wurde. Das sieben Hektar große Feld war lediglich hinter einem wenige Meter breiten Maisstreifen versteckt. Viele Dorfbewohner wussten schon seit Monaten von der riesigen Plantage, schwiegen jedoch kollektiv.
Am 8. März 2025 erfolgte die Enthüllung einer Gedenktafel für die Kriegsopfer aus Siebengewald. Sie wurde an der kleinen Kapelle auf dem örtlichen Friedhof angebracht.
Siebengewald hat nach wie vor den Charakter eines Grenzortes. Viele deutsche Besucher nutzen die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten. Insbesondere der niederländische Supermarkt 2 Brüder zieht an Wochenenden mit einer Verkaufsfläche von 1.600 m² einen regen Einkaufstourismus an.
Das Mehrzweckzentrum De Klapros ist auch bei deutschen Vereinen ein beliebter Veranstaltungsort, insbesondere zur Karnevalszeit
Der direkt an den Ort grenzende Nationalpark de Maasduinen zieht ebenfalls viele Gäste aus Deutschland an.