Sigrid Stagl

Sigrid Stagl beim ÖAW-Biodiversitätssymposium 2026

Sigrid Stagl (* 4. Dezember 1968 in Wien) ist eine österreichische Ökonomin und Hochschullehrerin. Sie ist Professorin für Umweltökonomie und -politik an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) und forscht insbesondere im Bereich der Ökologischen Ökonomie.

Leben und Ausbildung

Stagl wuchs auf einem Bauernhof in Weitersfeld im Waldviertel auf. Sie studierte Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. Während ihres Studiums absolvierte sie Auslandsaufenthalte in St. Gallen und Illinois sowie ein Praktikum in Frankreich.

Vom Fulbright-Gastprofessor John Gowdy erfuhr sie, dass er plante, am Department of Economics des Rensselaer Polytechnic Institute ein Doktoratsprogramm in Ökologischer Ökonomie einzurichten. Sie vereinbarte zunächst einen kurzen Forschungsaufenthalt, aus dem eine Teilnahme an dem Doktoratsprogramm wurde. 1999 erlangte sie dort als weltweit erste Person ein Doktorat in Ökologischer Ökonomie.

Akademische Laufbahn und Funktionen

Von 2001 bis 2005 arbeitete Stagl als Dozentin an der University of Leeds, von 2005 bis 2009 als Senior Fellow an der University of Sussex im Vereinigten Königreich. Am 1. Oktober 2008 trat sie an der WU Wien eine Professur für Environmental Economics and Policy, Sustainable Development an.

An der WU gründete sie 2014 das Institute for Ecological Economics (EcolEcon), das sie seither leitet. Sie war außerdem Mitbegründerin des 2015 eingerichteten Forschungsinstituts Economics of Inequality, dessen Leitung sie gemeinsam mit Wilfried Altzinger und Karin Heitzmann angehörte; 2019 schied sie aus dem Leitungsteam aus. Von 2020 bis 2021 war sie Vorständin des Departments für Sozioökonomie an der WU Wien.

Über zehn Jahre war Stagl in der European Society for Ecological Economics (ESEE) in verschiedenen Funktionen tätig; von 2010 bis 2012 war sie Präsidentin der Gesellschaft.

Auf Vorschlag von Finanzminister Magnus Brunner wurde sie mit 1. März 2023 für eine fünfjährige Funktionsperiode Mitglied des Generalrates der Oesterreichischen Nationalbank.

Forschung und Positionen

Stagls Forschungsschwerpunkte sind nachhaltiges Arbeiten, ökologische Makroökonomie, integrierte Bewertungsmethoden und sozioökonomische Theorien des Handelns; ihr empirischer Fokus liegt auf den Themen Energie und Nahrungsmittel. Ihr Ansatz betrachtet die Wirtschaft als Teil der Gesellschaft, die ihrerseits auf biophysischen Grundlagen beruht, und betont daher die Wechselwirkungen zwischen Ökonomie, Gesellschaft und Natur. Bei von ihr verwendeten Multikriterienanalysen können etwa Kosten, Flächenverbrauch, Emissionen und Biodiversität getrennt berücksichtigt werden, ohne sämtliche Auswirkungen in Geldwerte umzuwandeln. Stagl hinterfragt zudem die Ausrichtung der Wirtschaftspolitik auf stetiges BIP-Wachstum und plädiert dafür, gesellschaftliche und ökologische Ziele stärker zu gewichten.

Eine 2025 im Auftrag der Grünen im Europäischen Parlament erstellte Auswertung von mehr als 70 Quellen kam zu dem Ergebnis, dass ein Euro für Klimaschutz in der Europäischen Union vier bis zehn Euro an Folgekosten vermeiden könne. 2026 leitete Stagl eine einjährige Untersuchung mit 123 Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Landwirtschaft und Verwaltung, die die externen Kosten des österreichischen Ernährungssystems durch unter anderem Bodenverlust, Klimaschäden und Gesundheitsbelastungen auf jährlich fünf bis zehn Prozent des BIP bezifferte. Im Bereich Ernährung fordert sie größere Kostenwahrheit und ein ressortübergreifendes Kompetenzzentrum, das Folgekosten und Einsparpotenziale nachhaltiger Ernährung sichtbar machen soll.

Öffentliche Wirkung

In ihrer öffentlichen Kommunikation stellt Stagl strukturelle Rahmenbedingungen stärker in den Vordergrund als eine Moralisierung individuellen Verhaltens. 2026 veröffentlichte sie gemeinsam mit Patricia McAllister-Käfer Krisenfest, ein Sachbuch über eine resilientere, sozial und ökologisch ausgerichtete Wirtschaftsordnung.

Publikationen (Auswahl)

Auszeichnungen und Ehrungen

Commons: Sigrid Stagl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

  1. ↑ Sigrid Stagl: Versierte Verfechterin einer ökologischeren Wirtschaft. In: Die Presse. 7. Januar 2025, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  2. 1 2 3 4 Curriculum Vitae – Sigrid Stagl. (PDF) Wirtschaftsuniversität Wien, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  3. ↑ Klimaökonomin Sigrid Stagl ist „Wissenschafterin des Jahres 2024“. In: Niederösterreichische Nachrichten. 7. Januar 2025, abgerufen am 8. Januar 2025.
  4. 1 2 Researcher of the Month 2018 – Sigrid Stagl. Wirtschaftsuniversität Wien, 2019, abgerufen am 15. Januar 2019.
  5. 1 2 Klimaökonomin Sigrid Stagl: „Ich mag Menschen“. In: Die Presse. 10. Mai 2025, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  6. ↑ Sigrid Stagl. In: openscience4sustainability.at. Abgerufen am 15. Januar 2019.
  7. ↑ Wissensbilanz 2008. (PDF) Wirtschaftsuniversität Wien, S. 33, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  8. ↑ WU eröffnet Forschungsinstitut „Economics of Inequality“. Wirtschaftsuniversität Wien, 14. September 2015, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  9. ↑ Jahresbericht 2018/19. (PDF) Forschungsinstitut Economics of Inequality, Wirtschaftsuniversität Wien, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  10. ↑ Re-tweeting 20 years of ESEE News. (PDF) European Society for Ecological Economics, 2016, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  11. ↑ Stagl und Helmenstein neu im Generalrat der Nationalbank. In: Kurier.at. 1. März 2023, abgerufen am 21. März 2023.
  12. 1 2 Sigrid Stagl ist Wissenschaftlerin des Jahres. In: science.ORF.at. 7. Januar 2025, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  13. 1 2 3 „Man kann die Umwelt nicht mit Geld bewerten“. In: Die Presse. 29. April 2025, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  14. ↑ Klimaschutz kostet – zu wenig Klimaschutz kostet mehr. In: tagesschau.de. 14. November 2025, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  15. 1 2 Der wahre Preis der Lebensmittel: Welche Kosten der Ernährung keiner sehen will. In: Der Standard. 9. Juni 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  16. ↑ Ökonomin Sigrid Stagl: „Das Schnitzel ist irrational“. In: Die Presse. 23. August 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  17. ↑ Krisenfest. Christian Brandstätter Verlag, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  18. ↑ Sigrid Stagl. Wirtschaftsuniversität Wien, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  19. ↑ Young Economists – Vortragsunterstützung und Award. In: noeg.ac.at. Abgerufen am 7. Januar 2025.
  20. ↑ Sigrid Stagl. Österreichische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  21. ↑ Gemeindebrief Weitersfeld, Ausgabe 1/2026. (PDF) Marktgemeinde Weitersfeld, 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Stagl, Sigrid
KURZBESCHREIBUNG österreichische Ökonomin und Hochschullehrerin
GEBURTSDATUM 4. Dezember 1968
GEBURTSORT Wien