
Sigrid Stagl (* 4. Dezember 1968 in Wien) ist eine österreichische Ökonomin und Hochschullehrerin. Sie ist Professorin für Umweltökonomie und -politik an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) und forscht insbesondere im Bereich der Ökologischen Ökonomie.
Stagl wuchs auf einem Bauernhof in Weitersfeld im Waldviertel auf. Sie studierte Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. Während ihres Studiums absolvierte sie Auslandsaufenthalte in St. Gallen und Illinois sowie ein Praktikum in Frankreich.
Vom Fulbright-Gastprofessor John Gowdy erfuhr sie, dass er plante, am Department of Economics des Rensselaer Polytechnic Institute ein Doktoratsprogramm in Ökologischer Ökonomie einzurichten. Sie vereinbarte zunächst einen kurzen Forschungsaufenthalt, aus dem eine Teilnahme an dem Doktoratsprogramm wurde. 1999 erlangte sie dort als weltweit erste Person ein Doktorat in Ökologischer Ökonomie.
Von 2001 bis 2005 arbeitete Stagl als Dozentin an der University of Leeds, von 2005 bis 2009 als Senior Fellow an der University of Sussex im Vereinigten Königreich. Am 1. Oktober 2008 trat sie an der WU Wien eine Professur für Environmental Economics and Policy, Sustainable Development an.
An der WU gründete sie 2014 das Institute for Ecological Economics (EcolEcon), das sie seither leitet. Sie war außerdem Mitbegründerin des 2015 eingerichteten Forschungsinstituts Economics of Inequality, dessen Leitung sie gemeinsam mit Wilfried Altzinger und Karin Heitzmann angehörte; 2019 schied sie aus dem Leitungsteam aus. Von 2020 bis 2021 war sie Vorständin des Departments für Sozioökonomie an der WU Wien.
Über zehn Jahre war Stagl in der European Society for Ecological Economics (ESEE) in verschiedenen Funktionen tätig; von 2010 bis 2012 war sie Präsidentin der Gesellschaft.
Auf Vorschlag von Finanzminister Magnus Brunner wurde sie mit 1. März 2023 für eine fünfjährige Funktionsperiode Mitglied des Generalrates der Oesterreichischen Nationalbank.
Stagls Forschungsschwerpunkte sind nachhaltiges Arbeiten, ökologische Makroökonomie, integrierte Bewertungsmethoden und sozioökonomische Theorien des Handelns; ihr empirischer Fokus liegt auf den Themen Energie und Nahrungsmittel. Ihr Ansatz betrachtet die Wirtschaft als Teil der Gesellschaft, die ihrerseits auf biophysischen Grundlagen beruht, und betont daher die Wechselwirkungen zwischen Ökonomie, Gesellschaft und Natur. Bei von ihr verwendeten Multikriterienanalysen können etwa Kosten, Flächenverbrauch, Emissionen und Biodiversität getrennt berücksichtigt werden, ohne sämtliche Auswirkungen in Geldwerte umzuwandeln. Stagl hinterfragt zudem die Ausrichtung der Wirtschaftspolitik auf stetiges BIP-Wachstum und plädiert dafür, gesellschaftliche und ökologische Ziele stärker zu gewichten.
Eine 2025 im Auftrag der Grünen im Europäischen Parlament erstellte Auswertung von mehr als 70 Quellen kam zu dem Ergebnis, dass ein Euro für Klimaschutz in der Europäischen Union vier bis zehn Euro an Folgekosten vermeiden könne. 2026 leitete Stagl eine einjährige Untersuchung mit 123 Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Landwirtschaft und Verwaltung, die die externen Kosten des österreichischen Ernährungssystems durch unter anderem Bodenverlust, Klimaschäden und Gesundheitsbelastungen auf jährlich fünf bis zehn Prozent des BIP bezifferte. Im Bereich Ernährung fordert sie größere Kostenwahrheit und ein ressortübergreifendes Kompetenzzentrum, das Folgekosten und Einsparpotenziale nachhaltiger Ernährung sichtbar machen soll.
In ihrer öffentlichen Kommunikation stellt Stagl strukturelle Rahmenbedingungen stärker in den Vordergrund als eine Moralisierung individuellen Verhaltens. 2026 veröffentlichte sie gemeinsam mit Patricia McAllister-Käfer Krisenfest, ein Sachbuch über eine resilientere, sozial und ökologisch ausgerichtete Wirtschaftsordnung.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Stagl, Sigrid |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Ökonomin und Hochschullehrerin |
| GEBURTSDATUM | 4. Dezember 1968 |
| GEBURTSORT | Wien |