Silbernitrat

Strukturformel
Struktur von Silbernitrat
Allgemeines
Name Silbernitrat
Andere Namen
  • Salpetersaures Silber
  • Silbersalpeter
  • Höllenstein
  • Lapis Infernalis
  • Silber(I)-nitrat
  • SILVER NITRATE (INCI)
Summenformel AgNO3
Kurzbeschreibung

farblose, durchsichtige, nicht hygroskopische, rhomboedrische Kristalle

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 7761-88-8
EG-Nummer 231-853-9
ECHA-InfoCard 100.028.958
PubChem 24470
DrugBank DB11080
Wikidata Q207442
Arzneistoffangaben
ATC-Code

D08AL01

Eigenschaften
Molare Masse 169,87 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

4,35 g·cm−3 (19 °C)

Schmelzpunkt

212 °C

Siedepunkt

440 °C (thermische Zersetzung)

Löslichkeit
  • leicht löslich in Wasser (2160 g·l−1 bei 20 °C)
  • leicht löslich in DMSO (1300 g·l−1 bei 25 °C)
  • schlecht löslich in Ethanol
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP), ggf. erweitert
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Gefahr

H- und P-Sätze H: 272​‐​290​‐​314​‐​360D​‐​410
P: 210​‐​260​‐​280​‐​303+361+353​‐​304+340+310​‐​305+351+338
MAK

0,01 mg·m−3

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−124,4 kJ/mol

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Silbernitrat (trivial: Höllenstein, lateinisch Lapis infernalis ‚höllischer Stein‘) ist ein Salz der Salpetersäure. Es ist zusammengesetzt aus dem Kation Ag+ und dem Nitratanion NO3−.

Gewinnung und Darstellung

Die Herstellung erfolgt durch Reaktion von Silber mit Salpetersäure unter Bildung nitroser Gase:

3 Ag+4 HNO3(konz.)→ 3 AgNO3+2 H2O+NO

oder durch die Reaktion von Salpetersäure mit Silberoxid ohne Bildung nitroser Gase:

Ag2O+2 HNO3→ 2 AgNO3+H2O

Eigenschaften

Silbernitrat, bereits durch Licht leicht zersetzt
Hand mit AgNO3 beschmutzt

Silbernitrat, AgNO3, bildet farblose, tafelförmige Kristalle. Es ist sehr leicht in Wasser und schwer in Ethanol löslich. Silbernitrat hat einen Schmelzpunkt von 212 °C, bei Erhitzen auf etwa 440 °C erfolgt Zersetzung unter Abscheidung von metallischem Silber und Abgabe nitroser Gase. Es muss gut verschlossen und vor Licht geschützt (beispielsweise in braunen Glasflaschen) gelagert werden, da bereits geringe Staubmengen ausreichen, um Silbernitrat unter Lichteinwirkung zu feinverteiltem Silber zu reduzieren. Sehr reines Silbernitrat ist dagegen nicht lichtempfindlich. Silbernitrat bildet mit Chlorid-, Bromid-, Iodid- und Sulfidionen schwerlösliche Niederschläge.

Ag+(aq)+NO3−(aq)+X−(aq)→ AgX(s)+NO3−(aq) , X=Cl,Br,I
Gibt man Silbernitratlösung zu einer wässrigen Halogenidlösung, fällt festes weißes oder gelbes Silberhalogenid aus, Nitrat bleibt in Lösung.

Mit Basen (z. B. Natriumhydroxid) bildet sich Silber(I)-oxid:

2 AgNO3+2 NaOH→Ag2O+2 NaNO3+H2O

Silbernitrat denaturiert Proteine durch Bildung von Silbersalzen der Proteine (z. B. Silberalbuminat), in Lösungen flocken diese aus. Bei Hautkontakt bilden sich rasch schwarze Flecken, da die Silberionen zum Metall reduziert werden. Die Flecken können mit Kaliumiodidlösung und anschließendem Auswaschen mit einer Lösung aus Natriumthiosulfat (Fixiersalz) entfernt werden.

Verwendung

Sicherheitshinweise

Silbernitrat wirkt auf Haut und Schleimhäute stark reizend und ist in der Lage, lebendes Gewebe zu zerstören (Verätzung). Als Umweltgift bedarf es besonderer Entsorgung. Seit Mai 2026 ist es als reproduktionstoxisch eingestuft, damit ist seine Verwendung (wie bei vielen anderen Silberverbindungen auch) in Schülerversuchen stark eingeschränkt worden.

Commons: Silbernitrat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Eintrag zu SILVER NITRATE in der CosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 11. März 2020.
  2. 1 2 3 4 Eintrag zu Silbernitrat. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 14. Oktober 2014.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 Eintrag zu Silbernitrat in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 2. Januar 2026. (JavaScript erforderlich)
  4. ↑ Dimethyl Sulfoxide (DMSO) Solubility Data. Gaylord Chemical Company, L.L.C.; Bulletin 102, Juni 2014, S. 15. (PDF)
  5. ↑ Eintrag zu Silver nitrate in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  6. ↑ David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-4.
  7. ↑ Vgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 400 (hellenstein: Höllenstein, Übersetzung von mittellateinisch lapis infernalis, Silbernitrat, AgNO3; andernorts auch lapis daemonis).
  8. ↑ E. Campaigne, W. M. LeSuer: 3-Thiophenecarboxylic (Thenoic) Acid In: Organic Syntheses. 33, 1953, S. 94, doi:10.15227/orgsyn.033.0094; Coll. Vol. 4, 1963, S. 919 (PDF).
  9. ↑ Axel Kramer: Klinische Antiseptik. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-77715-8, S. 253 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. ↑ Wörterbuch der Veterinärmedizin, 2. Aufl., S. 1263.
  11. ↑ E. M. Beyer: Potent inhibitor of ethylene action in plants. In: Plant Physiology. 1976, 58, 3, S. 268–271.
  12. ↑ K. Kemper, H.-U. Melchert, K. Rubach, H. Hoffmeister: Charakterisierung der Triglyceridmuster von pflanzlichen und tierischen Fetten sowie Human- und Tierseren mittels HPLC nach Vortrennung an AgNO3-imprägnierten Kieselgel-Minisäulen. In: Fresenius' Journal of Analytical Chemistry. Band 331, Nr. 6, 1988, S. 634–641, doi:10.1007/BF01032542.
  13. ↑ Carola Gessner: Schwarze Finger durch markiertes Geld. (Memento vom 9. Juli 2009 im Internet Archive) Süddeutsche Zeitung (vom 26. August 2007)