| Sintitikes | ||
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Gesprochen in |
Deutschland, Österreich, Niederlande, Belgien, Serbien, Kroatien | |
| Sprecher | 200.000 | |
| Linguistische Klassifikation |
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| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1 | — | |
| ISO 639-2 | — | |
| ISO 639-3 | rmo | |
Sintitikes, auch Sinti oder Sinti-Romani genannt, ist eine Varietät des Romani und Sprache der Sinti. Im Laufe der Jahrhunderte hat Sintitikes viele Elemente seiner mittel- und osteuropäischen Kontaktsprachen angenommen. Es lässt sich in mehrere Dialekte einteilen.
Sinti nennen ihre Sprache ròmanes, was sich auch allgemein auf die Sprache der Roma beziehen kann, sìnto oder sintitìkes.
Seit den 1990er-Jahren bezeichnet die Linguistik die Sprache der Sinti meist als Sintitikes, was der Eigenbezeichnung durch Angehörige dieses Volkes in oder aus Österreich und Osteuropa, wie Serbien, Kroatien und Slowenien, aber auch Rumänien entspricht, die in diesem Raum eine Minderheit neben anderen Roma bilden. Angesichts der deutlichen Grenzziehung von Sinti gegenüber anderen Gruppen der Roma kann dies der schärferen Abgrenzung dienen.
Alternative Bezeichnungen zu sintitìkes sind Sintèngeri/o Ràkipen beziehungsweise sintengeri tschib (Sprache der Sinti) oder das nur selten auftretende Sintìkanes (siehe auch das unter Sinti verbreitete Gàdžkanes für ‚Deutsch‘ (wörtlich: Sprache der gadže = Bauern‚ gemeint: Nichtroma)).
In der sprachwissenschaftlichen Literatur hat es sich eingebürgert, für die Sprache der Roma abweichend vom Sprachgebrauch der Sinti allgemein die adjektivische Form Romani zu verwenden, während dort für die Varietät der Sinti seit den 1990er-Jahren sintitikes aufgenommen ist, aber auch andere Bezeichnungen wie Sinti-Romanes, oder Sinti-Romani, Sinte-Romani und – im Englischen – einfach die Kurzform (in) Sinti gebräuchlich sind.
Sintitikes wird als nordwestliche Varietät des Romani eingeordnet, beziehungsweise in der Dialektgruppierung der modernen Romani-Linguistik als „Sinti-Manuš-Dialekte in Deutschland, Frankreich und den umliegenden Regionen“ der nordwestlichen Dialakte des Romani, wobei sich als Manuš bzw. Manouche (Manusch) die heute in Frankreich lebenden Sinti bezeichnen.
Laut dem Soziolinguisten mit Schwerpunkt Sprachpolitik und Minderheiten Dieter W. Halwachs und der Hochschulprofessorin für Mehrsprachigkeit und Linguistik Barbara Schrammel-Leber, beide von der Universität Graz, sind „Rómanes oder Sintitikes, wie Sinti ihr Romani bezeichnen,“ [...] „als Varietäten-Cluster der am längsten im deutschen Einflussbereich lebenden Ersteinwanderer stark vom Deutschen geprägt.“

Gegen die Erforschung und Weitergabe ihrer Sprache durch und an Nichtsinti erheben viele Angehörige der Minderheit Einwände, denn anders als bei anderen Romagruppen ist jede Kommunikation mit Nichtsinti über ihre Sprache bei traditionalistischen Sinti tabuisiert. Dieses Tabu kann auch das Aussprechen des Gruppennamens oder des Sprachnamens einschließen, etwa wenn man sich in der Kommunikation mit der Mehrheitsbevölkerung als Zigeuner bezeichnet, der die Zigeunersprache spricht. Dies gilt als Schutz. Ein wesentliches Distanzmotiv ist der Missbrauch von Sprachkenntnissen bei der Erfassung, Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus, aber auch in der älteren Verfolgungsgeschichte.
Aus dem Sprachtabu ergeben sich Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Europäischen Sprachencharta. Nur Sintilehrern soll nach Auffassung der Interessenvertretungen der Sinti ein Unterricht in der Primärsprache der Sinti gestattet sein. Aus historischen Gründen (Verfolgungssituationen und deren Nachwirkungen) bestand innerhalb der deutschen nationalen Minderheit der Sinti und Roma lange kein Wunsch nach Romanes im Schulunterricht, doch hierbei zeichnen sich Veränderungen in den jüngeren Generationen ab.
Auf Wunsch vieler Sprecher soll ab 2023 auch der Erhalt dieser Sprache durch Schulunterricht ermöglicht werden, zumal im Jahr 2021 die gesamte Bibel ins Romanes der Sinti übersetzt und zugänglich gemacht wurde (O Deblesko Drom. I Bibla an o Romana Rakepen), was die Etablierung einer Standardvarietät ermöglicht. Im Jahr 2023 wurde ein erster dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GeR) entsprechender Rahmenplan entwickelt und eine Handreichung für “Romanes als Identitätssprache” geplant. Das „Romanes der deutschen Sinti“ ist laut der Aktivistin in der IniRromnja Melanie Joschla Weiß nicht standardisiert „und wird zum großen Teil nur mündlich verwendet“, was für „das Romanes anderer Sinti-oder-Roma-Gruppen“ [...] „nicht unbedingt“ gilt. Jedoch können insbesondere zwei Bücher auf Sinti-Romanes (Sintitikes) – zum einen die oben erwähnte gesamte Bibel auf Romanes (Sinti-Dialekt), Titel: "O Debleskro Drom. I Bibla an o Romana Rakepen" (2021) und zum anderen Reinhold Lagrene: "Djiparmissa. Klassische deutsche Gedichte auf Romanes" (2018) – mittlerweile als erste Meilensteine auf dem Weg zur Verschriftlichung und Standardisierung von Sintitikes angesehen werden. Der erste bürgerrechtlich-politische Titel eines Sinti-Musikers, das Lied „Lass Maro Tschatschepen“ (= „Lasst uns unser Recht fordern“), wurde im Jahr 1977 von Häns'che Weiss in Sintitikes getextet und gesungen.
Da es einige größere Unterschiede und keine einheitliche standardsprachliche Grammatik oder Aussprache gibt, wird sich im Folgenden vorrangig an einer etymologisch orientierten Orthographie und konservativer Grammatik bedient.
Ein umfassendes Lehrbuch eines Linguisten ist das Lehrbuch des Dialekts der deutschen Zigeuner (1903) von Franz Nikolaus Finck, das über eine Grammatik mit Lautlehre, ein Wörterbuch und kurze Texte als Sprachproben verfügt. Weil dessen Urheberrecht abgelaufen ist, ist es frei verfügbar, siehe Literatur unten.
Im Romanes existiert keine einheitliche Rechtschreibung. Hier:
Zirkumflex (^): Langer Vokal.
Genera: Maskulinum und Femininum
Kasus: Primäre Kasus sind Rektus (= Nominativ), Obliquus (und Vokativ).
Der Obliquus dient als Akkusativ. Seine Endung ist maskulin meist -es, feminin meist -a oder -ja, im Plural meist -en oder -jen.
Durch Anhängen von Endungen an den Obliquus werden weitere Fälle gebildet:
Dieses Kasussystem ähnelt stark dem indoarischer Sprachen, insbesondere dem des Gujarati (das allerdings auch ein Neutrum hat).
Der Vokativ (Plural) wird nur noch selten verwendet (Phrâla!, Čhâja!, Džuvjâle!).
| Sg. m. | Sg. f. | Pl. m. | Pl. f. | |
|---|---|---|---|---|
| Rek | Raklo | Rakli | Rakle | Rakya |
| Obl | Rakles | Rakya | Raklen | Rakyen |
| Obl. Inst. | Raklêha | Rakyâha | Raklensa | Rakyensa |
In den Abweichungen des Sintitikes zu anderen Romanes-Varianten spiegelt sich die lange und starke Prägung durch die Umgebungssprache, also vor allem durch das Deutsche. Hierzu gehören: