Vielpunkt-Hochlandkärpfling

Vielpunkt-Hochlandkärpfling

Vielpunkt-Hochlandkärpfling (Skiffia multipunctata)

Systematik
Überklasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Ordnung: Zahnkärpflinge (Cyprinodontiformes)
Familie: Hochlandkärpflinge (Goodeidae)
Gattung: Skiffia
Art: Vielpunkt-Hochlandkärpfling
Wissenschaftlicher Name
Skiffia multipunctata
(Pellegrin, 1901)

Der Vielpunkt-Hochlandkärpfling (Skiffia multipunctata) ist eine rezente Art der Strahlenflossenfische aus der Familie der Goodeidae. Männchen der Art werden etwa fünf Zentimeter groß und sind durch eine goldorangene Grundfarbe mit unterschiedlichen Mustern von schwarzen Flecken gekennzeichnet. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist die breite und lange Rückenflosse. Weibchen dieser Art werden mit etwa sechs Zentimetern etwas größer und zeichnen sich durch eine silbergraue Färbung sowie schwarze Flecken aus. Diese Art kann auch im Aquarium gehalten werden, ist in der Regel dort allerdings selten anzutreffen.

Ökologie

Der Vielpunkt-Hochlandkärpfling ist in Mexiko in den Bundesländern Jalisco und Michoacán endemisch. Historisch gesehen war bekannt, dass er die Flussmündungen des Flusses Lerma bewohnt. Er konnte allerdings auch in sämtlichen Nebenflüssen, wie beispielsweise dem Fluss Duero, dem Fluss Grande de Santiago, und der Mündung des Chapala-Sees in der Nähe von Guadalajara festgestellt werden. Allerdings bleibt die einzige gesunde stabile Population dieser Art aufgrund von Umweltverschmutzungen, industrieller Entwicklung, Zerstörung von Lebensräumen und invasiven Arten in ihrem früheren Verbreitungsgebiet der Duero-Flussmündung erhalten. Auch aus dem Camécuaro-Nationalpark ist er inzwischen verschwunden, nicht zuletzt wegen der Einführung des Großmaulbarsches. Der Lebensraum dieser Art sind kleine Seen, Flusskanäle, von Quellen gespeiste Teiche und Gräben die in der Regel von schlammigem, sandigem oder felsigem Untergrund geprägt sind. Die Fische bevorzugt Tiefen von weniger als einem Meter in klarem bis trübem Wasser mit wenig bis gar keinen Strömungen. Sofern es Taxodium-Wurzeln gibt, werden diese sehr gerne als Zufluchtsort bzw. Versteckmöglichkeit genutzt. Außerdem ernähren sich die Tiere von Aufwuchs und Algen, die auf den Wurzeln wachsen.

Systematik

Derzeit lassen sich zur Gattung Skiffia vier anerkannte Arten zählen:

Skiffia bilineata (auch bekannt unter Neotoca bilineata)

Skiffia francesae

Skiffia lermae

Skiffia multipunctata

Ehemals beschrieb Meek 1902 Skiffia variegata als eigenständige Art, diese wurde später allerdings mit Skiffia lermae synonymisiert. Skiffia bilineata wird gerne auch als Neotoca bilineata beschrieben, da einige Systematiker diese aufgrund anatomischer Merkmale als eigenständig ansehen und sie deshalb einer anderen Gattung zuordnen.

Skiffia
 Skiffia 

Skiffia bilineata


   

Skiffia francesae


   

Skiffia lermae


   

Skiffia multipunctata


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Einfaches Kladogramm Skiffia,
erstellt von Luca Wisian

Weder sind bereits ausgestorbene Arten bekannt, noch gibt es wissenschaftlich anerkannte Unterarten (Subspecies). Lediglich verschiedene Standortvariationen werden unterschieden, hier variieren die Tiere teilweise deutlich. Gerade deshalb sind die einzelnen Populationen oder Standortvariationen noch viel interessanter als die Art an sich ohnehin schon ist. Begründen lässt sich dies, durch die Isolation in einzelnen Quellen, Seen oder kurzen Flussabschnitten. Hier entwickeln sich die Arten unabhängig voneinander (Divergenz) und variieren so beispielsweise in Körpergröße, Färbung, Anzahl der Schuppen aber auch Flossenform.

Wichtig zu erwähnen ist, dass alle Skiffia-Arten durchaus untereinander hybridisieren können.

Synonyme

Erhaltung

Skiffia multipunctata wird als gefährdet eingestuft

Aufgrund von Umweltverschmutzungen, industrieller Entwicklung, Zerstörung von Lebensräumen und invasiven Arten kam es zu starken Verlusten. Lediglich die einzige aktuelle gesunde Population in der Duero-Flussregion hält dem bisher stand. Aus diesem Grund hat die Rote Liste der IUCN den Vielpunkt-Hochlandkärpfling im Jahr 2018 als gefährdet eingestuft.

Am 1. Mai 2009 gründete sich in Stoholm, Dänemark, die Goodeid Working Group (GWG). Hauptziel ist die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Hobbyisten, Universitäten und öffentlichen Einrichtungen wie Aquarien, Zoos und Museen. Die Goodeidenbestände sollen so im Aquarium erhalten werden, gleichzeitig aber auch als Grundlage für Wiederansiedlungsprojekte dienen. Auch der Schutz der natürlichen Habitate ist eines der Ziele dieser gemeinnützigen, internationalen Arbeitsgruppe. Die praktischen Erfahrungen der Mitglieder und der Aufbau einer umfassenden Artendatenbank dient als Grundlage dieses Projektes.

Fortpflanzung

Die Geschlechter lassen sich in der Regel gut unterscheiden, wobei das sicherste Merkmal die sogenannte Spaltflosse der Männchen ist – das typische Paarungsorgan der Hochlandkärpflinge, das durch eine Kerbe hinter den ersten verkürzten Strahlen der Afterflosse gebildet wird. Man spricht hier vom sogenannten Andropodium. Quasi das Äquivalent zum Gonopodium bei Guppys usw. Zusätzlich haben die Männchen eine deutlich größere und stärker eingekerbte Rückenflosse. Besonders auffallend ist die farbliche Vielfalt der Männchen: Sie weisen kontrastreiche und intensive Farbvarianten auf. Hochlandkärpflinge gehören zu den lebendgebärenden Fischen, bei denen die Befruchtung intern erfolgt. Eine Besonderheit dieser Fische ist, dass die Jungtiere im Mutterleib über ein nabelschnurähnliches Organ, sogenannte Nährschnüre (Trophotaenien), mit der Mutter verbunden sind und so Nährstoffe erhalten. Trophotaenien sind fadenförmige Ausstülpungen des Darms der Embryonen, sie erfüllen eine ähnliche Funktion wie die Plazenta der Säugetiere. Diese Nährschnüre sind das Äquivalent zur menschlichen Nabelschnur. Die Embryonen werden während ihrer Entwicklung darüber versorgt, nach der Geburt bilden sie sich innerhalb kürzerer Zeit zurück. Anders als bei anderen Lebendgebärenden, wie beispielsweise Guppys, die oft viele Jungtiere zur Welt bringen, ist die Anzahl der Nachkommen bei dieser Art deutlich geringer. Zwar sind es meist nur wenige Jungtiere, oft nicht mehr als sechs bis fünfzehn, dafür sind sie jedoch mit etwa einem Zentimeter Größe recht stattlich. Die Nachzucht des Vielpunkt-Hochlandkärpflings im Aquarium gestaltet sich einfach, da die Jungfische aufgrund ihrer beachtlichen Größe kaum von anderen Fischen gejagt werden. Es hat sich gezeigt, dass Gruppen mit Individuen unterschiedlichen Alters am besten funktionieren und die meisten Nachzuchten hervorbringen – ein echter „Familienfisch“ also.

Haltung

Haltung im Aquarium

Die Haltung im Aquarium wird ab 80 Litern empfohlen, jedoch fühlen sich die Tiere in größeren Aquarien deutlich wohler. Eine gute Strukturierung mittels Pflanzen, Steinen und Wurzeln schafft ein naturähnliches Umfeld und bietet den Fischen Rückzugsmöglichkeiten. Die trägt auch zur Stressreduktion bei. In leicht strömenden Wasser zeigen die Tiere ein sehr natürliches Verhalten. Dadurch, dass der Vielpunkt-Hochlandkärpfling in Gewässern mit Temperaturen von etwa 15 bis 24 °C vorkommt ist eine Heizung im Aquarium in der Regel nicht notwendig. Sauberes, keimarmes Wasser ist für diese Art in der Haltung entscheidend, da sie empfindlich auf Verschmutzungen reagiert. Ein wöchentlicher Wasserwechsel von mindestens 20 % ist daher unerlässlich, um die Wasserqualität zu gewährleisten. Selbstverständlich richtet sich die Dimension des Wasserwechsels auch an der Zahl der Individuen und der Bepflanzung. Hauptsächlich ernährt sich der Vielpunkt-Hochlandkärpfling von Algen und Zooplankton. Im Aquarium sollte das Futterangebot eine Mischung aus pflanzlichen Bestandteilen wie Spirulina und Gemüse (z. B. blanchierter Spinat oder Zucchini) sowie kleinen Lebend- und Frostfutter (z. B. Artemia, Daphnia) umfassen. Auch hochwertiges Trockenfutter kann selbstverständlich ergänzend zur ausgewogenen Ernährung angeboten werden. Die Haltung erfolgt in der Regel in kleinen als auch in größeren Gruppen. Letzteres gestaltet sich erfahrungsgemäß allerdings besser. Die Tiere neigen zu innerartlichen Revierkämpfen, weshalb das Aquarium ausreichend Versteckmöglichkeiten und Platz bieten sollte. Eine Vergesellschaftung ist prinzipiell möglich, es sollte aber Vorsicht geboten sein. Idealerweise wählt man friedliche Arten aus ähnlichen Regionen, wie andere Hochlandkärpflinge oder lebendgebärende Zahnkarpfen. Um Hybridisierungen zu vermeiden, sollte auf die gemeinsame Haltung unterschiedlicher Skiffia-Arten verzichtet werden. Größere oder aggressive Fische sollten vermeiden werden, da diese die Hochlandkärpflinge stressen und verdrängen könnten.

Freilandhaltung

Aufgrund ihrer Temperaturtoleranz (15–24 °C) eignen sich Vielpunkt-Hochlandkärpflinge wie auch die meisten anderen Hochlandkärpflinge für die Freilandhaltung im Sommer. Hierfür eignen sich verschiedene "Behälter" wie beispielsweise kleine Gartenteiche, "Bottiche" jeder Größe aber auch normale Aquarien. Die Auswahl des Standortes ist hierbei allerdings essentiell. Es sollte ein ausgewogenes Verhältnis von Sonnenlicht und Schatten herrschen. Auf ausreichende Beschattung ist hier besonders zu achten, da diese "Behälter" sich recht schnell aufheizen und zu hohe Temperaturen den Fischen schaden können. Hält man die Tiere im Freien sollte die Wassertemperatur daher immer kontrolliert werden. Durch das natürliche Licht, den Tag-Nacht-Rhythmus und die täglichen Temperaturschwankungen entwickeln die Fische deutlich intensivere Farben und beim Abfischen im Herbst kann man sich oft über reichlich Nachwuchs freuen.

Referenzen

  1. ↑ Jacques Pellegrin: Poissons nouveaux ou rares du Tonkin. In: Bulletin du Muséum national d'histoire naturelle. Band 56, 1901, ISSN 0027-4070, S. 18–27, doi:10.5962/bhl.part.1624.
  2. 1 2 Digital Manager: Melody McKinnon: Skiffia Multipunctata - Saving Threatened Fish Species in Aquariums. In: All Natural Pet Care. 13. November 2011, abgerufen am 3. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  3. 1 2 "Skiffia multipunctata". In: fishbase.org. März 2024, abgerufen am 4. August 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 4 Luca Wisian, René Jüttner: Der Vielpunkt-Hochlandkärpfling - ein selten gesehener Gast im Aquarium. In: aquaristik. Nr. 6. Daehne Verlag, Oktober 2025, S. 42–45.
  5. 1 2 Michael Koeck: Skiffia multipunctata. In: IUCN Red List of Threatened Species. 14. März 2018, doi:10.2305/IUCN.UK.2019-2.RLTS.T191715A2000026.en.
  6. 1 2 Objectives. goodeidworkinggroup.com, abgerufen am 4. August 2026.