Sopwith 1½ Strutter

Sopwith 1½ Strutter
TypBomber
Entwurfsland

Vereinigtes Konigreich 1801 Vereinigtes Königreich

Hersteller Sopwith Aviation Company
Erstflug 16. Dezember 1915
Indienststellung 1916–1918
Produktionszeit

1915–1917

Stückzahl ca. 5900, davon vermutlich 1278 britischer, über 4500 französischer und 100 russischer Lieferanten

Die Sopwith 1½ Strutter waren britische Doppeldecker-Kampfflugzeuge des Ersten Weltkrieges. Sie wurden als ein- oder zweisitzige Bomber und als doppelsitzige Aufklärer und Jagdflugzeuge eingesetzt.

Entwicklung

Im Sommer 1915 suchten die britische Admiralität und das War Office dringend nach einem mit Maschinengewehr bewaffneten Kampfflugzeug und Bomber. Die enge Kommunikation zwischen der Admiralität und deren Lieferant Sopwith führte dazu, dass dieses Thema intensiv von Thomas Sopwith, Werksleiter Fred Sigrist, Chefpilot Harry Hawker und den beiden Leitern der Konstruktionsbüros R. J. Ashfield und Herbert Smith aufgegriffen wurde. Erfahrungen mit dem früheren Rekordflugzeug Sopwith Tabloid, mit Fred Sigrists zweisitzigen Werksflugzeug „Sigrist Bus“, mit dem Hawker am 6. Juni 1915 die bemerkenswerte Höhe von 5600 Metern erreicht hatte und mit dem von Herbert Smith gebauten „Sopwith LCT“ oder "Land Clerget Tractor" (benannt nach seinem 110 PS-Clerget-Motor mit Zugpropeller) mündeten in den Vorschlag für ein kleines zweisitziges Flugzeug mit 80 PS (60 kW) Gnome-Umlaufmotor ein, den Sopwith der Admiralität unterbreitete.

Der Rumpf der Maschine sollte aus einer konventionellen, im hinteren Teil mit Stoff bespannten Holzkonstruktion bestehen; Bug und Motor sollten mit Aluminiumblech verkleidet, Steuer- und Tragflächen aus verschweißten Stahlrohren gefertigt und mit Leinwand bespannt werden. Die einstielig gestützte obere Tragfläche sollte wie bei der „Sopwith LCT“ mittig durch zwei W-förmigen Streben mit dem den Rumpf verbunden werden, weshalb der Typ später statt der üblichen Bezeichnungen wie „Scout“ oder „Bullet“ die merkwürdige Bezeichnung „1½ Strutter“ (=„Eineinhalbstreber“) erhielt.

Der Kraftstofftank war zwischen Pilot und Beobachter in der Mitte des Rumpfes untergebracht, um so Schwerpunktverschiebungen durch den Kraftstoffverbrauch während des Fluges zu minimieren. Dem gleichen Zweck diente das verstellbare Höhenleitwerk, das der Pilot per Handrad zur Horizontaltrimmung der Fluglage anpassen konnte, was sich Harry Hawker später patentieren ließ. Eine weitere Innovation waren die neben dem Rumpfansatz auf der unteren Tragfläche angebrachten Bremsklappen, welche die Landegeschwindigkeit abbremsen, die Landestrecke verringern und zusammen mit der neuen stoßdämpfenden Einzelradaufhängung am Fahrgestell eine sichere Landung auf holprigen Feldflugplätzen gewährleisten sollte.

Vor allem sollte der Sopwith 1½ Strutter das erste britische Flugzeug werden, dessen Maschinengewehr durch den Propellerkreis feuern konnte. Hauptsächlich verwendet wurde das vom russischen Korvettenkapitän Viktor Vladimirovič Dybóvskij für das RNAS entworfene und Warrant Officer F. W. Scarff von der Luftabteilung der Admiralität zur Produktionsreife verbesserte „Scarff-Dibovsky“-Synchronisationsgetriebe, in zweiter Linie auch das von Sopwiths Monteur Harry (H. A.) Kauper entwickelte Sopwith-Kauper-Getriebe; das unzuverlässigere Vickers-Challenger-Synchronisationsgetriebe setzte sich nicht durch.

Neben dem 7,62-mm-Vickers-MG für den Piloten erhielt der im Cockpit dahinter platzierte Beobachter, der über ein gutes Sicht- und Schussfeld verfügte, ein drehbares 7,62-mm-Lewis-MG, das zunächst auf eine Etévé- oder eine Lewis-Lafette, später aber auf den Dreharm der ebenfalls von Scarff entwickelte Drehring-Lafette montiert wurde, die als "Scraff-Ring" zum Standard bei britischen Kampfzweisitzern wurde. Für das Vickers-MG wurden 300 Schuss und für das Lewis-MG fünf Patronentrommeln mit 97 Schuss an Bord mitgeführt.

Produktion

Der im Auftrag der Admiralität gebaute Prototyp No. 3686 wurde vom 16. Dezember 1915 bis zum 24. Januar 1916 trotz widriger Wetterverhältnisse erfolgreich getestet und im Februar unter der Bezeichnung Admiralty Type 6400S vom Royal Naval Air Service (RNAS) als eines der mit den Nummern 9376 bis 9425 georderten 50 Flugzeuge übernommen, deren Produktion bereits angelaufen war. Es folgten 192 Bestellungen des zweisitzigen Bombers Admiralty Type 6700S und der Einsitzer-Version Admiralty Type 6700; letztere wurden zum Einsatz als Langstreckenbomber anstelle des Beobachtercockpits mit einem Zusatztank versehen. Außerdem wurden vier 23-kg-(50-lbs.)- oder 29-kg-(65-lbs.)-Bomben horizontal im vormaligen Beobachtercockpit aufgehängt, die beim Abwurf durch die vier darunter befindlichen Falltüren hinabfielen. Angetrieben wurden diese Flugzeuge von einem 110 PS (82 kW) starken Clerget-9Z-Umlaufmotor, ab Herbst 1916 gefolgt vom 130 PS (97 kW) leistenden Clerget 9B. Als Bewaffnung wurde das synchronisierte Vickers-MG beibehalten und manchmal auch zusätzlich ein Lewis-MG auf die obere Tragfläche montiert.

Insgesamt ließ die Royal Navy 172 einsitzige Bomber bei Sopwith, Westland und Mann, Egerton & Co bauen. Im April folgten die ersten Bestellungen durch das War Office für das Royal Flying Corps (RFC), das zum Ausgleich seiner schweren Verluste bei der Somme-Offensive im Sommer 70 weitere Flugzeuge als Abgabe vom RNAS erhielt.

Insgesamt wurden beide britische Teilstreitkräfte von acht verschiedenen Herstellern (Sopwith, Fairey Aviation, Hooper & Co, Mann, Egerton & Co, Ruston, Proctor & Co, Vickers Ltd, Wells Aviation und Westland) mit 1520 Sopwith 1½ Struttern geliefert.

Einsatz

Die Sopwith 1½ Strutter sollten ab April 1916 die veralteten Vickers Gunbus, Airco D.H.1 und Royal Aircraft Factory F.E.2 mit ihren Druckpropellern und Gitterrümpfen ablösen, welche unter der Luftüberlegenheit der deutschen Fokker-Eindecker hohe Verluste erlitten.

Einsätze durch den RNAS

Einsatz durch das RFC und die RAF

Im "Bloody April" 1917 erlitten die britischen Flieger gegen die neueren deutschen Kampfflugzeuge an der Westfront so schwere Verluste, dass Dutzende der inzwischen an Geschwindigkeit und Feuerkraft unterlegenen Sopwith 1½ Strutter verloren gingen. Diese galten abgesehen von den aufwändig zu wartenden Clerget-Motoren zwar als zuverlässig und einfach zu handhaben, waren aber spätestens ab diesem Zeitpunkt veraltet. Hinzu kam, dass der große Abstand zwischen Piloten- und Beobachtersitz die mündliche Verständigung miteinander behinderte, so dass Beobachter und Piloten behelfsmäßig über Zugseile vereinbarte Signale austauschen mussten. Ein Pilot bezeichnete das Maschine als „gutes Reiseflugzeug, aber kein Kriegsflugzeug“. Das RFC ersetzte sie daher bis Oktober 1917 an der Westfront durch modernere Baumuster wie die Sopwith Camel und verwendete sie als Abfangjäger gegen deutsche Luftschiffe und Großbomber bei den zur Home Defence eingesetzten Squadrons 37, 44 und 78. Die letzten Abfangjäger flogen bis Juli 1918 bei der Squadron 78 in Martlesham und in Suttons Farm. Zahlreiche Sopwith 1½ Strutter wurden auch noch danach als Schul- oder Verbindungsflugzeuge weiter verwendet.

Einsatz durch Verbündete Großbritanniens und nach dem Ersten Weltkrieg

Varianten

Bilder

Technische Daten

Dreiseitenansicht
Kenngrößen Daten
BesatzungPilot und Beobachter
Länge7,7 m
Spannweite10,21 m
Höhe3,12 m
Flügelfläche32,14 m²
Leermasse570 kg
Startmasse975 kg
Antrieb ein Umlaufmotor Clerget 9B, 130 PS (97 kW)
Höchstgeschwindigkeitauf NN: 164 km/h
in 1980 m Höhe: 161 km/h
Steigzeitauf 2000 m: 10:30 min
auf 3000 m: 20 min
auf 4000 m: 35 min
Dienstgipfelhöhe3960 m
Reichweite565 km
Bewaffnung1 × 7,7-mm-Vickers-MG, 1 × 7,7-mm-Lewis-MG,
Bombenzuladungals Einsitzer: 4 × 29 kg
als Zweisitzer: 4 × 25 kg
als U-Bootjäger: 2 × 30 kg
4 × 29,5-kg-Bomben

Leistungsvergleich

Die Sopwith 1½ Strutter im Leistungsvergleich (ca. Frühjahr 1917):

Name Land Motorstärke max. Geschwindigkeit Startmasse MG Gipfelhöhe
Sopwith 1½ Strutter Vereinigtes Königreich130 PS164 km/h975 kg23960 m
Nieuport 12 Frankreich110 PS144 km/h875 kg24300 m
R.A.F. F.E.2 Vereinigtes Königreich160 PS147 km/h935 kg13353 m
R.A.F. R.E.8e Vereinigtes Königreich150 PS164 km/h1302 kg24115 m
Roland C.II Deutsches Reich160 PS160 km/h1340 kg24500 m
Albatros C.III Deutsches Reich160 PS140 km/h1353 kg23350 m

Quellen

Siehe auch

Literatur

Commons: Sopwith 1½ Strutter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ J. M. Bruce: Sopwith 1½ Strutter. Windsock-Datafile 34, Albatros Productions, Berkhamstead 1992, S. 6.
  2. ↑ J. M. Bruce: The Sopwith 1½ Strutter. Profile Nr. 121, Profile Publications, Leatherhead, S. 3.
  3. 1 2 Francis K. Mason: The British Fighters since 1912. Putnam Aeronautical, London 1979, ISBN 978-0-85177-852-5.
  4. ↑ Beschreibung (russisch) – aufgerufen am 14. März 2024.
  5. 1 2 vgl. Horace Frederic King: Sopwith Aircraft 1912-1920. Putnam, London 1981, ISBN 978-0-370-30050-4.
  6. ↑ J. M. Bruce: The Sopwith 1½ Strutter. Profile Nr. 121, Profile Publications, Leatherhead, S. 3
  7. ↑ J. M. Bruce: Sopwith 1½ Strutter. Windsock-Datafile 34, Albatros Productions, Berkhamstead 1992, S. 3
  8. 1 2 3 4 5 Horace Frederic King: Sopwith Aircraft 1912-1920. Putnam, London 1981, ISBN 978-0-370-30050-4.
  9. ↑ Francis K. Mason: The British Fighters since 1912. Putnam Aeronautical, London 1979, ISBN 978-0-85177-852-5
  10. ↑ J. M. Bruce: The Sopwith 1½ Strutter. Profile Nr. 121, Profile Publications, Leatherhead, S. 5
  11. ↑ Owen Gordon Thedford: British Naval Aircraft since 1912. Naval Institute Press; 6. Auflage 1991, ISBN 978-1-55750-076-2.
  12. 1 2 Beschreibung (russisch) – aufgerufen am 14. März 2024
  13. 1 2 J. M. Bruce: The Sopwith 1½ Strutter. Profile Nr. 121, Profile Publications, Leatherhead, S. 19
  14. ↑ vgl. Sopwith strutter aufgerufen am 15. März 2013.
  15. ↑ vgl. Enzo Angelucci, Paolo Matricardi: Die Flugzeuge. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Falken-Verlag, Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9, S. 182.
  16. ↑ J. M. Bruce: Sopwith 1½ Strutter. Windsock-Datafile 34, Albatros Productions, Berkhamstead 1992, S. 7
  17. ↑ Kenneth Munson: Bomber 1914–1919. 2. neu bearbeitete Auflage. Orell Füssli Verlag, Zürich 1968, S. 138. (Flugzeuge der Welt in Farben)
  18. ↑ Worldwar1.com, aufgerufen am 15. März 2013
  19. ↑ Kenneth Munson: Bomber 1914–1919. 2. neu bearbeitete Auflage. Orell Füssli Verlag, Zürich 1968, S. 139. (Flugzeuge der Welt in Farben)
  20. ↑ J. M. Bruce: Sopwith 1½ Strutter. Windsock-Datafile 34, Albatros Productions, Berkhamstead 1992, S. 7.
  21. ↑ Kenneth Munson: Bomber 1914–1919. 2. neu bearbeitete Auflage. Orell Füssli Verlag, Zürich 1968, S. 138. (Flugzeuge der Welt in Farben)
  22. ↑ The Sopwith "1½ Strutter" VK Models Kits, abgerufen am 24. März 2024
  23. ↑ vgl. Enzo Angelucci, Paolo Matricardi: Die Flugzeuge. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Falken-Verlag, Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9, S. 182.
  24. ↑ widersprüchliche Angaben: 5.000 m gem. Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–1918. München 1959, S. 102.