| Belfort | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Bourgogne-Franche-Comté | |
| Département (Nr.) | Territoire de Belfort (Präfektur) (90) | |
| Arrondissement | Belfort | |
| Kanton | Belfort-1, Belfort-2, Belfort-3 | |
| Gemeindeverband | Grand Belfort | |
| Koordinaten | 47° 38′ N, 6° 51′ O | |
| Höhe | 354–650 m | |
| Fläche | 17,10 km² | |
| Einwohner | 45.912 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 2.685 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 90000 | |
| INSEE-Code | 90010 | |
| Website | www.belfort.fr | |
Belfort mit der Kathedrale Saint-Christophe | ||






Belfort [] (deutsch veraltet Beffert, Beffort oder Befort) ist eine Industrie- und Garnisonsstadt in Ostfrankreich etwa 50 Kilometer südwestlich von Mülhausen. Sie ist Verwaltungssitz (chef-lieu) des Départements Territoire de Belfort und hat 45.912 Einwohner (1. Januar 2023), die Belfortains und Belfortaines genannt werden.
Die Stadt erhielt 2023 die Auszeichnung „Vier Blumen“, die vom Conseil national des villes et villages fleuris (CNVVF) im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs der blumengeschmückten Städte und Dörfer verliehen wird.
Wahrzeichen der Stadt ist der aus gehauenen Sandsteinquadern gebildete monumentale Löwe von Belfort des Bildhauers Frédéric-Auguste Bartholdi aus den Jahren 1875/80, der an die Belagerung von 1870/71 erinnert.
Belfort (lateinisch Belfortum) wurde 1226 im Friedensvertrag von Grandvillars (Granweiler/Granwiller) zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Der Name taucht im Mittelalter und der frühen Neuzeit in verschiedenen Formen auf, so als [In castro de] Belfort (1226), [Castrum meum] Bellofortem (1228), [Mag. Willelmus de] Belloforti [clericus] (1284), Biafort (1303), [Ad ecclesiam de] Belloforti / [ecclesie] Bellifortis (1342), [Sloss / Statt und herrschafft] Beffort (1492), Befurt (1644), Belfort (1659).
Bedingt durch ihre Lage in der Burgundischen Pforte war die Stadt von großer strategischer Bedeutung. Bis zum Westfälischen Frieden 1648 gehörte das französischsprachige Belfort zum habsburgischen Sundgau und zum Heiligen Römischen Reich, danach zu Frankreich. Ab 1686 wurde die Zitadelle von Vauban im Auftrag von Ludwig XIV. zur Festung ausgebaut, die Stadt ummauert und mit einer Vielzahl heute noch erhaltener wehrhafter Türme versehen.
Vom Dezember 1813 bis April 1814 widerstand die Festung 113 Tage lang unter dem Kommandeur Legrand einer Belagerung der Koalitionsarmee von Österreichern, Bayern und Russen. Im Juni/Juli 1815 leistete General Lecourbe mit 8.000 Mann erfolgreich Widerstand gegen eine Armee von 40.000 Österreichern.
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 widerstanden die Truppen unter Oberst Pierre Marie Philippe Aristide Denfert-Rochereau 103 Tage lang einer Belagerung durch Preußen; erst auf ausdrücklichen Befehl der französischen Regierung wurden Festung und Stadt am 16. Februar 1871 den feindlichen Truppen übergeben, die die Festung teilweise schleiften.
Im Frieden von Frankfurt 1871 wurde das Territoire de Belfort, obwohl historisch zum Sundgau und damit zum Oberelsass gehörig, nicht wie das übrige Elsass und Teile Lothringens vom Deutschen Reich annektiert. Der aus dem Elsass stammende, vormalige französische Beamte Ferdinand Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin gibt bezüglich der Nichtabtretung Belforts die ihm gegenüber nach 1871 gemachte Äußerung des preußischen Feldmarschalls Graf Moltke (1800–1891) wieder: „Auf die Festung haben wir verzichtet, weil der Sieger im Siege Mäßigkeit an den Tag legen muß.“ Der Hauptgrund war jedoch weniger die Generosität der Sieger, sondern lag in primär außenpolitischen Gründen. Otto von Bismarck wollte im Gegensatz zu den preußischen Militärs eine Grenzziehung, die sich im Wesentlichen an der Sprachgrenze orientierte. Dieser Verlauf entlang der deutsch-französischen Sprachgrenze sollte die internationale Akzeptanz der neuen Grenzziehung erhöhen und französischen Revisionswünschen entgegenwirken. Im Falle von Belfort konnte sich Bismarck durchsetzen, im Gegenzug akzeptierte er die wehrgeographisch motivierte Forderung der preußischen Militärs nach der Annexion auch französischsprachiger Teile Nordlothringens (Gebiet um Metz). Der Verlauf der neuen deutsch-französische Staatsgrenze im südlichen Elsass orientierte sich im Wesentlichen an der Sprachgrenze. Die einzige Abweichung der Sprach- von der Staatsgrenze stellten drei Ortschaften im Umfeld des Ortes Montreux-Vieux (dt. Altmünsterol) dar. Dieser Grenzvorsprung ergab sich aus dem Verlauf der Eisenbahnstrecke und der Lage des Grenzbahnhofes Altmünsterol. Das aus dem abgetrennten Südteil des Sundgaues entstandene neue französische Département erhielt die Bezeichnung Territoire de Belfort. Es umfasste ausschließlich französischsprachige Orte. Sein Verwaltungszentrum wurde die Stadt Belfort.
In der Folgezeit wuchs die bisher im Schatten der Festung gelegene Stadt durch Industrialisierung rasch an, es entstanden die Vorstädte (faubourgs) und die klassizistische Bebauung am Ufer der Savoureuse. Ab 1791 durften sich Juden in Belfort ansiedeln, die ersten kamen aus dem Sundgau und zogen in die Altstadt. 1811 erwarb die Gemeinde ein Grundstück als Friedhof, 1857 wurde die neue Synagoge eingeweiht. Auf dem Friedhof befinden sich Gräber von Angehörigen der Familie Alfred Dreyfus. Von den 700 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde vor dem Zweiten Weltkrieg wurden während der Deutschen Besatzung 245 ermordet, nach dem Krieg zogen Juden aus Nordafrika in die Stadt. Friedhof und Synagoge sind noch vorhanden.
Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde Elsass-Lothringen wieder französisch, Belfort blieb aber weiter der Franche-Comté zugeordnet. Erst am 11. März 1922 wurde Belfort ein eigenes Département unter dem Namen Territoire de Belfort mit der Ordnungszahl 90.
Am 10. Mai 1940 begann der Westfeldzug, in dem die Wehrmacht innerhalb weniger Wochen Paris und große Teile Frankreichs besetzte. An der raschen Eroberung von Belfort – ab dem 18. Juni 1940 – war der spätere General Walther Wenck unter General Heinz Guderian beteiligt. Die Kollaborateure des Vichy-Regimes flüchteten nach der Landung der Alliierten in der Normandie und in Südfrankreich am 17. August 1944 von Paris nach Belfort. Am 6. September 1944 war ihnen auch dieser Aufenthaltsort nicht mehr sicher genug und sie flüchteten nach Nazi-Deutschland. Nach fünftägigen Kämpfen wurde Belfort am 25. November 1944 von der 1. Französischen Armee befreit.
Die Region Belfort-Montbéliard nahm im Russischen Bürgerkrieg (1917–1922) zahlreiche geflüchtete Weiße Russen und andere Osteuropäer in ihren Arbeitsmarkt auf. Heute sind ihre Nachkommen völlig in die Region integriert. Patrick Cheloudiakoff zum Beispiel, eröffnete nach einer Laufbahn als Maler, 1990 eine Galerie.
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1780 | – | 520 Feuerstellen (Haushaltungen) |
| 1824 | 4738 | davon 4194 Katholiken, 17 Protestanten, 52 Täufer und 475 Juden |
| 1852 | ≈ 6000 | |
| 1906 | 34.649 |
| Jahr | 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2006 | 2017 |
| Einwohner | 48.070 | 53.214 | 54.615 | 51.206 | 50.125 | 50.417 | 50.863 | 47.656 |
| Quellen: Cassini und INSEE | ||||||||
Der Löwe von Belfort (22 Meter lang, 11 Meter hoch) aus Vogesen-Sandstein ist ein Werk von Auguste Bartholdi (1834–1904).
Das Denkmal Quand Même (1884) von Antonin Mercié am Place d’Armes stellt eine Elsässerin während der Belagerung von 1870/71 dar, die einen sterbenden Soldaten in ihren Armen hält.

Jeden ersten Sonntag von März bis Dezember stellen in der Altstadt von Belfort seit 1966 rund 200 Antiquitätenhändler aus.
Seit 1983 findet jedes Jahr am Pfingstwochenende das Festival international de musique universitaire statt. Musikgruppen und Chöre aus Bildungseinrichtungen aus aller Welt treten auf zahlreichen Bühnen bei diesem für die Besucher kostenlosen Festival auf, das in der Altstadt von Belfort stattfindet.
Jährlich (November/Dezember) wird dort das internationale Filmfestival Entre Vue veranstaltet. Bei seiner Gründung 1969 hieß es noch Festival des jeunes auteurs de Belfort, bis zu seiner Neugründung 1986.
Am Lac du Malsaucy, wenige Kilometer nordwestlich von Belfort, findet alljährlich im Juli eines der größten Rockmusikfestivals in Frankreich statt, Les Eurockéennes de Belfort.
Belfort besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Paris–Mulhouse, dieser ist auch Knotenpunkt der hier endenden Bahnstrecke Dole–Besançon–Belfort und der Bahnstrecke (Delémont–)Delle–Belfort. Seit Inbetriebnahme der LGV Rhin-Rhône ist Belfort mit dem neuen Bahnhof Belfort-Montbéliard TGV ans Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen. Sieben Kilometer nördlich liegt der Flugplatz Belfort-Chaux. Zwischen 1914 und 1986 gab es noch den Flughafen Belfort-Fontaine, 15 km östlich von Belfort. Er wurde im Ersten Weltkrieg als Militärflughafen gebaut, nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte ihn die NATO. Bis 1986 diente er als innerfranzösischer Flughafen, seither wird er von Industrie- und Logistik-Unternehmen genutzt. Von 1898 bis 1952 gab es eine Straßenbahn mit zwei Linien: Bahnhof über die Savoureuse zum Place d’Armes und Bahnhof nach Valdoie. Sie wurde 1952 durch Oberleitungsbusse ersetzt.
Die Wirtschaft der Stadt ist geprägt von der Herstellung von Kraftwerksanlagen, hauptsächlich durch die Firma General Electric. Neben der Elektro- und Elektronikindustrie ist die Textil- und Maschinenbauindustrie vertreten; so werden bei Alstom die TGV-Züge sowie Lokomotiven gebaut. Diese Fabriken gehen zurück auf eine Filiale der Elsässische Maschinenbau-Gesellschaft Grafenstaden von 1871.
Infolge eines stark schrumpfenden europäischen Marktes für Kraftwerksanlagen und damit verbundener wirtschaftlicher Schwierigkeiten von Alstom nahm die Zahl der Beschäftigten auf dem Alstom-Gelände in den von ursprünglich 18.000 auf unter 6.000 ab. Dies hatte große wirtschaftliche Probleme in der Stadt und der Region zur Folge. Nach 138 Jahren kündigte Alstom im September 2016 an, sein Stammwerk in Belfort 2018 zu schließen. Der Niedergang des Werks wurde als symptomatisch für den industriellen Rückgang in Frankreich gesehen. Aufgrund der symbolischen Bedeutung des Standorts und der wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Region intervenierte die französische Regierung. Am 4. Oktober 2016 verkündete Premierminister Manuel Valls, dass das Alstom-Werk durch einen staatlichen Auftrag gerettet werden könne: Der französische Staat bestellte 21 TGVs und 20 Diesellokomotiven. Auch das Turbinengeschäft, seit 2000 im Besitz von General Electric, leidet unter der Auftragsflaute für Großturbinen seit 2008. Nachdem GE gedroht hatte, den Standort Belfort zu schließen, kündigte Präsident Macron 2021 an, 6 neue EPR Reaktoren zu bauen, die mit GE Turbinen ausgerüstet werden sollen. Am 1. Dezember 2023 übernahm EDF die Sparte nukleare Kraftwerksanlagen von General Electric.
Die Technische Universität Belfort-Montbéliard gehört zu den besten Universitäten Frankreichs. Sie bildet zusammen mit den Universitäten von Compiègne und Troyes ein Netzwerk französischer technischer Universitäten.
Die Geschichte der TGV Züge ist eng mit Belfort verbunden. Entwickelt wurden sie von Alstom (vormals GEC-Alsthom) in Belfort ab 1966, der erste Prototyp ging 1972 in Betrieb. Mit dem Beginn der Bauarbeiten der Linie Paris-Lyon 1978 ging der Zug in Serie. Die Testfahrten wurden im nahen Elsass zwischen Straßburg und Sélestat ausgeführt. Auch die folgenden Generationen des TGVs wurden in Belfort entwickelt und gebaut, insbesondere die Triebköpfe. Im Jahr 2000 kaufte die Stadt Belfort den ersten Prototyp TGV 001, restaurierte ihn und stellte ihn an der Autobahn aus. Erst seit 2011 ist Belfort selbst an das TGV Netz angeschlossen, vorher wurden die Züge mit Diesel-Lokomotiven abgeschleppt.
DMC (Dollfus-Mieg et Compagnie) ist eine Textilfirma in Mülhausen, gegründet 1746 von der Familie Dollfus. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg eröffnete DMC 1874 eine neue Produktion in Belfort. 1959 wurde die Fabrik in Belfort geschlossen, das Werk wurde 1960 an die Compagnie des Machines Bull (später Bull) verkauft. Bull baute in Belfort eine feinmechanische und elektronische Produktion auf. Es wurden Lochkartengeräte, Drucker, Magnetbandlaufwerke und Plattenspeicher hergestellt. 1992 stellte Bull die Produktion in Belfort ein. Die Gebäude wurden Teil des Industrieparks Techn’Hom und beherbergen kleine und mittlere Firmen aus den Bereichen Technologie und Services.
1878 gründeten Moïse Bumsel und seine drei Söhne Salomon, Adam und Emile in Belfort das Textilgeschäft „Moïse Bumsel et fils“. Sie vergrößerten das Geschäft und gründeten 1912 die Aktiengesellschaft „Aux Galeries Belfortaines - Maison Bumsel“, ein Warenhaus. Es hatte fünf Etagen und war wie die berühmten Pariser Warenhäuser dieser Zeit eine Stahlkonstruktion mit farbigen Glasfenstern, in der Mitte eine große Treppe als Lichtschacht. 1964 wurde es von dem Konzern Nouvelles Galeries übernommen, der Bau wurde modernisiert im Stil der 1960er Jahre. Ein Teil des ehemaligen Glasdachs ist unter dem Dach des Neubaus noch erhalten. Im 21. Jahrhundert nahmen die Umsätze ab, die Besitzer wechselten und 2026 kaufte die Stadt Belfort das Gebäude, um es zu modernisieren und zusätzlich ein Casino einzurichten.
Die Familie Bumsel betrieb ab 1856 eine kleine Textilmanufaktur in Saint-Germain-le-Châtelet, ca. 10 km nordöstlich von Belfort. Mit der Eröffnung des Geschäfts in Belfort verkauften sie die Manufaktur. Die Familie war schon lange im Französisch-Schweizerischen Grenzgebiet ansässig, Moïse Bumsel war ein fahrender Händler in Vorhängen und anderen Textilien.
