| Sotatercept (INN) | ||
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| Andere Namen |
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| Masse/Länge Primärstruktur | 78 kDa | |
| Bezeichner | ||
| Externe IDs |
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| Arzneistoffangaben | ||
| ATC-Code | C02KX06 | |
| DrugBank | DB12118 | |
| Wirkstoffklasse | Aktivin-Signalweg-Inhibitor | |
| Pharmakologische Daten | |
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| Verabreichungsweg | Subkutan |
| Bioverfügbarkeit | 66 % |
| Maximaler Plasmaspiegel | Nach ca. 7 Tagen |
| Steady-state Plasmaspiegel | Nach ca. 15 Wochen |
| Eliminationshalbwertszeit | 21 Tage |
Sotatercept (Handelsname: Winrevair) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antihypertensiva. Er wird zur Behandlung einer seltenen und schweren Form von erhöhtem Blutdruck im Lungenkreislauf, der pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH), eingesetzt. Sotatercept greift über die Hemmung des Aktivin-Signalwegs direkt in die krankhaften zellulären Umbauprozesse der Lungengefäße ein und stellt ein neues Therapieprinzip dar (First-in-class-Wirkstoff).
Die Verabreichung erfolgt als subkutane (unter die Haut) Injektion. Die am häufigsten berichteten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren eine Verringerung der Blutplättchenzahl, Nasenbluten und Schwindelgefühl.
Sotatercept ist ein homodimeres Fusionsprotein, das aus der extrazellulären Domäne des humanen Aktivin-Rezeptors Typ IIA (ActRIIA) besteht, die mit dem Fc-Teil des humanen Immunglobulins G1 (IgG1) über einen Threonyltriglycyl-Linker (TGGG) verknüpft ist. Jedes Monomer besteht aus 344 Aminosäuren. Der Wirkstoff wird rekombinant in CHO-Zellen hergestellt.
Sotatercept ist angezeigt zur Behandlung der pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH) bei erwachsenen Patienten mit funktioneller Beeinträchtigung (WHO-Funktionsklasse II, III und IV). Es wird in Kombination mit anderen PAH-Therapien angewendet.
Die Verabreichung erfolgt alle drei Wochen als subkutane Injektion an wechselnden Stellen am Bauch, Oberschenkel oder Oberarm. Nach Schulung des Patienten ist auch eine Selbstanwendung möglich.
Bei der pulmonal-arteriellen Hypertonie sind die Spiegel von Aktivin A erhöht, einem Protein aus der TGF-β-Superfamilie. Es kommt zu einem Ungleichgewicht zwischen wachstumsfördernden und wachstumshemmenden Signalwegen in den Lungenarterien. Dies führt zu einer unkontrollierten Vermehrung von Endothelzellen, wodurch sich die Blutgefäße verengen oder versteifen und das Herz gegen einen erhöhten Widerstand pumpen muss. In der Folge erhöht sich der Blutdruck im arteriellen Lungenkreislauf.
Sotatercept fungiert als „Liganden-Falle“ (Ligand Trap), indem es mit hoher Selektivität Aktivin A und andere Liganden der TGF-β-Superfamilie (Aktivin B, GDF-11, GDF-8) bindet und abfängt, bevor sie am Rezeptor wirken können. Infolgedessen wird die überschießende zelluläre Signalübertragung gehemmt und das Gleichgewicht zwischen gefäßverengenden (pro-proliferativen) und gefäßschützenden (anti-proliferativen) Signalwegen im Lungengewebe wiederhergestellt.
Die Zulassung basiert maßgeblich auf den Ergebnissen der randomisierten, doppelblinden klinischen Phase-3-Studie STELLAR an 323 Patienten mit PAH der WHO-Funktionsklasse II oder III. Die Gabe von Sotatercept zusätzlich zur Standardtherapie bewirkte eine stärkere Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit (gemessen anhand des 6-Minuten-Gehtests; primärer Endpunkt) im Vergleich zur Placebogruppe (Zunahme um 34 Meter vs. 1 Meter). Die Zeit bis zu einem klinischen Verschlechterungsereignis oder bis zum Tod verlängerte sich.
Eine zweite Hauptstudie (ZENITH) wurde an 172 Personen mit PAH der Klasse III und IV durchgeführt, die bereits eine Therapie mit anderen PAH-Arzneimitteln erhielten. Sie zeigte, dass etwa 17 % der Betroffenen unter der zusätzlichen Verabreichung von Sotatercept eine klinische Verschlechterung hatten, im Vergleich zu 55 % bei denjenigen, die Placebo (zusätzlich zu anderen PAH-Arzneimitteln) erhielten. Verschlechterungsereignisse waren unter anderem eine Krankenhausaufnahme für mehr als 24 Stunden, eine Lungentransplantation oder Tod. Aufgrund der Überlegenheit von Sotatercept wurde die Studie vorzeitig abgebrochen, da die Fortführung der Placebogruppe aus ethischen Gründen nicht mehr zu vertreten gewesen wäre.
Zu den am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen in klinischen Studien gehören Epistaxis (Nasenbluten), Kopfschmerzen, Teleangiektasien (sichtbare Erweiterungen der Kapillargefäße), Durchfall, erhöhte Hämoglobinwerte, Thrombozytopenie (Verringerung der Blutplättchenzahl), Schwindelgefühl, Rückenschmerzen), Ausschlag, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Zahnfleischbluten. Unter Sotatercept kann es zu einem Perikarderguss kommen, die Häufigkeit lässt sich nicht angeben.
Sotatercept wurde ursprünglich von den Pharmaunternehmen Acceleron Pharma und Celgene entwickelt. Im Jahr 2021 übernahm der Pharmakonzern Merck & Co. (MSD) Acceleron Pharma für rund 11,5 Milliarden US-Dollar, um sich die Rechte an dem Wirkstoff zu sichern.
Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA verlieh dem Arzneimittel 2020 den Status der Breakthrough Therapy und erteilte im März 2024 unter dem Namen Winrevair die Marktzulassung. Die Europäische Kommission folgte im August 2024 mit der Zulassung für den europäischen Markt. Sotatercept wurde als Orphan-Arzneimittel und im Rahmen des Programms Priority Medicines (PRIME) der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassen, zunächst für die Behandlung der PAH der WHO-Klassen II und III. Im Januar 2026 wurde auch die Behandlung der PAH WHO-Klasse IV zugelassen.
Der Wirkmechanismus stellt ein neues Therapieprinzip dar (First-in-class).
In Deutschland bescheinigte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Sotatercept in seiner frühen Nutzenbewertung nach AMNOG aufgrund der vorgelegten Daten zur Behandlung der PAH WHO-Klasse II/III einen „Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen“. Für die Behandlung der PAH WHO-Klasse IV stellte der G-BA einen „Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen“ fest. Die G-BA-Bewertung ist bedeutsam für die Preisverhandlungen zwischen dem GKV-Spitzenverband und dem Hersteller. Die Jahrestherapiekosten pro Patient werden für Deutschland (Stand 2026) mit rund 172.390 € angegeben.