Phylogenie der Myzozoa mit Wimpertierchen (Ciliata) als Außengruppe. Die Squirmida verzweigen getrennt von den Gregarinen und bilden die Schwestergruppe zur Klade aus Apicomplexa und Chrompodellida. Der Vorfahre der Myzozoa war vermutlich ein biflagellater, myzozytotischer Räuber; Parasitismus entwickelte sich bei den Myzozoa mehrfach unabhängig voneinander; dabei gingen die Geißeln beim jüngsten Vorfahren der Apicomplexa verloren.
Squirmida ist ein Taxon von Einzellern innerhalb der Alveolata. In Taxonomien der Protisten mit Rangstufen haben die Squirmida den Rang einer Ordnung und sind die einzige Ordnung in der KlasseSquirmidea.
Zu den Squirmida werden drei Gattungen klassifiziert (Stand Januar 2025): Filipodium, Platyproteum und Digyalum, die früher der Gregarinen-Familie Selenidiidae innerhalb der parasitischen Apicomplexa zugeordnet waren.
Die Squirmida (und Squirmidea) wurden 2014 vom Protistologen Thomas Cavalier-Smith nach phylogenetischen Untersuchungen zunächst für die beiden Gattungen Filipodium und Platyproteum eingerichtet. Da frühere Maximum-Likelihood-Bäume zu keinen befriedigenden Ergebnissen geführt hatten, wurde jetzt mit einem neuen Modell, das ungleichmäßigsten Raten der rDNA-Evolution in standortheterogenen rDNA-Bäumen umfasste, 122 Gregarinen (nach damaliger Taxonomie) und 452 Außengruppen erfasst. Dabei zeigte sich, dass die damalige große Gruppe der Gregarinen polyphyletisch war, was neben anderen Verschiebungen zunächst zur Ausgliederung der beiden Gattungen in die neue Ordnung Squirmida führte.
Weitere Untersuchungen von Jan Janouškovec etal. zeigten 2019, dass auch die verbleibenden Apicomplexa noch polyphyletisch waren und führten u.a. zur Ausgliederung der Gattung Digyalum (Filipodium und Platyproteum wurden hier nicht erfasst).
Inzwischen (Stand Februar 2024) wurde diese Gattung ebenfalls den Squirmida zugeordnet.
Systematik
Die Systematik der Squirmida ist daher wie folgt (Stand Februar 2024 bis Januar 2025):
Filipodium ist eine Gattung von mikroeukaryotischer Parasiten, die 1939 von Tosito Hukui erstbeschrieben wurde.
Die Gattung wurde zunächst innerhalb der Gruppe der Gregarinen (Apicomplexa) in die Familie Lecudinidae gestellt.
Sie wurde später in die Gregarinen-Familie Selenidiidae überführt, als sich ihre verwandtschaftliche Nähe zu Platyproteum vivax herausstellte, denn sie bildeten eine englischsquirmids genannte Klade, die in Maximum-Likelihood-Bäumen schwach mit Selenidium terebellae gruppiert war (Rueckert und Leander 2009).
Diese Klade mit beiden Gattungen wurden dann 2014 von Cavalier-Smith in die neu eingerichtete Gruppe (Ordnung) Squirmida außerhalb der Apicomplexa ausgelagert.
Das Mucron ist breit und trichterförmig mit Papillen am Rand. Die Gamonten sind länglich, längsgestreift und haben viele abstehende Filamente, die unter der Pellicula hervortreten. Die Gametozysten (Zystenstadium der Gameten) haben zahlreiche Oozysten.
Die Gameten sind unterschiedlich; aber wie die weiblichen haben auch die männlichen Gameten haben keine Geißel.
Die Oozysten sind ellipsoidisch oder eiförmig und haben 8 Sporozoiten.
Lebenszyklus
Die Typusart infiziert die Sipunculida (Spritzwürmer). Der Parasit infiziert den Magen-Darm-Trakt des Wirts und wird vermutlich über den orofäkalen Weg (durch mit der Mundöffnung des Wurms aufgenommene Fäkalien der Artgenossen) übertragen, aber die Einzelheiten dieses Mechanismus sind derzeit noch unbekannt.
Schemazeichnung von P. vivax mit verschiedenen Ansichten.
Platyproteum ist eine Gattung parasitischer Alveolata aus der Verwandtschaft der Apicomplexa (d.h. der Myzozoa).
Die Gattung wurde 2009 von Sonja Rueckert und Brian Leander erstbeschrieben.
Die Typusart aus der Erstbeschreibung ist Platyproteum vivax, ihr Wirt der SpritzwurmPhascolosoma agassizii. Diese Art war in ihrer Erstbeschreibung von Gunderson & Small 1986 der Gregarinen-Gattung Selenidium zugeordnet worden, aber dann 2009 durch Rueckert und Leander in die neue Gattung Platyproteum ausgegliedert.
Es besteht eine verwandtschaftliche Nähe zu Filipodium phascolosomae, die beiden Gattungen bilden eine zunächst englischsquirmids genannte Klade innerhalb der Gregarinen-Familie Selenidiidae, die 2014 von Cavalier-Smith zur Ordnung Squirmida (außerhalb, aber in verwandtschaftlicher Nähe der Apicomplexa) erklärt wurde.
Die Arten dieser Gattung sind bandförmige Parasiten, die wirbelloseMeerestiere infizieren.
Lebenszyklus
Der Parasit infiziert den Magen-Darm-Trakt des Wirts und wird vermutlich wie bei der Gattung Filipodium über den orofäkalen Weg übertragen, aber auch hier sind die Einzelheiten dieses Mechanismus derzeit noch unbekannt.
Bildergalerie
Platyproteum vivax
DIC-Aufnahmen lebender Trophozoiten. Vorderende einer Zelle mit zwei kurzen Geißeln (Doppelpfeile). Balken: 10µm.
REM-Aufnahmen des „Vorderen Apparats“ (englischanterior apparatus) mit vorderer und hinterer Geißel (Afrespektive PF). Balken: 2µm.
Die Kombination verschiedener Bildgebungsverfahren zeigt zwei Körperchen (engl. distinct bodies) in den Trophozoiten (links dorsal, rechts ventral). N:Zellkern, Balken: 20µm.
Aufnahme eines Trophozoiten, rot zeigt α-Tubulin an. N:Zellkern, Balken: 20µm.
KonfokaleLSM-Aufnahme von zweier verschieden gestreckter Trophozoiten, die vielen Mitochondrien grün gefärbt (unter der Zellmembran sitzend). Balken: 20µm
Digyalum
Digyalum ist eine Gattung marinerAlveolata, die von Koura etal. Anfang der 1990er Jahre mit einer einzigen Spezies Digyalum oweni erstbeschrieben wurde und von diesen Autoren ursprünglich als „aseptate Gregarine“ der Familie Selenidiidae Brasil, 1907 zugeordnet wurde.
Digyalum oweni wurde aus dem Darm der Strandschnecken-Art Littorina obtusata isoliert.
Von Anfang an war deutlich, dass sie eine für Gregarine ungewöhnliche Eigenschaft hat, indem dass die Falten auf der Zelloberfläche quer verlaufen und die Zellen zwei anteriore (vordere) beutelartige Vertiefungen aufweisen.
Die Gattung wurde von Janouškovec etal. 2019 nach weiteren Analysen von den Gregarinen abgetrennt und außerhalb der Apicomplexa, jedoch in verwandtschaftlicher Nähe zu ihnen angesiedelt. Inzwischen ist klar, dass sie zu der bereits bestehenden und ebenfalls in diesem Bereich befindlichen Ordnung Squirmida gehört.
Beschreibung
Die einzige Spezies und TypusartDigyalum oweni ist ein den Parasit im Darm einiger Arten der marinen Strandschnecken-Gattung Littorina. Das vordere Anheftungsorgan (Mucron) besteht aus einem Ring von Lappen (englischlobes) plus einem Ring aus körnigem (granularem) Material, der in die Spitze der Wirtsdarmzelle eingebettet wird.
Die Wirtszelle wird zwar in gewissem Maße geschädigt, doch beschränkt sich dies auf die Anheftungsstelle, ansonsten scheint der Parasit der Schnecke nicht wesentlich zu schaden.
Neben der Anheftung des Parasiten an seinem Wirt spielt das Mucron möglicherweise auch eine Rolle bei der Ernährung und als Mikrotubuli-Organisationszentrum.
Anmerkungen
1234Das Mucron ist ein „Anheftungsorganell“ (englischattachment organelle) der Archigregarinen und phänotypisch ähnlicher epizellulärer (an der Außenseite der Wirtszellen) parasitischer Alveolata aus der Apicomplexa-Verwandtschaft (Myzozoa).
Man nimmt an, dass es sich vom apikalen Komplex ableitet. Offensichtlich bezeichnet der Ausdruck dasselbe, was bei anderen Autoren „Vorderer Apparat“ (englischanterior apparatus) genannt wird – vielleicht, weil der Ausdruck „Mucron“ den eigentlichen Gregarinen vorbehalten bleiben soll.
Einzelnachweise
12345678910Thomas Cavalier-Smith:Gregarine site-heterogeneous 18S rDNA trees, revision of gregarine higher classification, and the evolutionary diversification of Sporozoa. In: European Journal of Protistology. 50. Jahrgang, Nr.5, Oktober 2014, S.472–495, doi:10.1016/j.ejop.2014.07.002, PMID 25238406 (englisch).
1234567
Danja Currie-Olsen, Brian S. Leander: Novel cytoskeletal traits in the intestinal parasites (Squirmida, Platyproteum vivax) of Pacific peanut worms (Sipuncula, Phascolosoma agassizii). In: Journal of Eukaryotic Microbiology, Band 71, Nr.3, 25. Februar 2024, S.e13023; doi:10.1111/jeu.13023 (englisch) Siehe insbes. Fig.1.
123
Jan Janouškovec, Gita G. Paskerova, Tatiana S. Miroliubova, Kirill V. Mikhailov, Thomas Birley, Vladimir V. Aleoshin, Timur G. Simdyanov: Apicomplexan-like parasites are polyphyletic and widely but selectively dependent on cryptic plastid organelles. In: eLife, Band 8, 16. August 2019; doi:10.7554/ELIFE.49662, ISSN2050-084X, PMC6733595(freier Volltext), PMID 31418692 (englisch). Siehe insbes. Fig.1.
1234
E.A.S. Koura, John W. Grahame, R.W. Owen, Esra G. Kamel: Digyalum oweni, gen.nov., sp.nov., a new and unusual gregarin protozoan from the gut of mollusc Littorina obtusata (Prosobranchia: Gastropoda). In: Journal of the Egyptian Society of Parasitology, Band 20, Nr.1, Juni 1990, S.53–59; PMID 2110230, ResearchGate:21046263 (englisch).
123456789
Sonja Rueckert, Brian S. Leander: Molecular Phylogeny and Surface Morphology of Marine Archigregarines (Apicomplexa), Selenidium spp., Filipodium phascolosomae n.sp., and Platyproteum n.g. and comb. from North-Eastern Pacific Peanut Worms (Sipuncula). In: Journal of Eukaryotic Microbiology, Band 56, Nr.5, 2. September 2009, S.428–439; doi:10.1111/j.1550-7408.2009.00422.x, PMID 19737195 (englisch).
↑F.O. Perkins, J.R. Barta, R.E. Clopton, M.A. Peirce, S.J. Upton: An Illustrated guide to the Protozoa: organisms traditionally referred to as protozoa, or newly discovered groups. Hrsg.: J.J. Lee, G.F. Leedale, P. Bradbury. 2. Auflage. Band1. Society of Protozoologists, 2000, ISBN 1-891276-22-0, Phylum Apicomplexa, S.190–369 (englisch).
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