Stadtschleuse Berlin

Stadtschleuse Berlin
Stadtschleuse und Wehr im Spreekanal 2023

Stadtschleuse und Wehr im Spreekanal 2023

Lage
Stadtschleuse Berlin (Berlin)
Stadtschleuse Berlin (Berlin)
Koordinaten 52° 30′ 54″ N, 13° 24′ 2″ OKoordinaten: 52° 30′ 54″ N, 13° 24′ 2″ O
Land: Deutschland Deutschland /
Ort: Berlin
Gewässer: Spreekanal Berlin
Gewässerkilometer: km 0,90
Daten
Stilllegung: 1942/2000
Schleuse
Durchschnittliche
Fallhöhe:
1,51 m
Obertor: Stemmtor
Untertor: Stemmtor
Sonstiges

f1

Die Stadtschleuse Berlin, umgangssprachlich immer nur als Stadtschleuse bezeichnete Schiffsschleuse befand sich am Kilometer 0,90 im Spreekanal, einem Seitenarm der Spree im heutigen Berlin. Mit der Verkehrsfreigabe der Mühlendammschleuse in der Hauptspree im Jahr 1942 wurde die seit dem Mittelalter mehrfach neu errichtete Schleuse im Kupfergraben 1935 bis 1942 zu einem Wehr mit Bootsschleuse zurückgebaut und um 2000 endgültig stillgelegt.

Geschichte

Im Jahr 1442 ließ der brandenburgische Kurfürst Friedrich II. im südlich gelegenen Spreearm eine Schleuse errichten, um diesen Seitenarm der Spree für den Schiffsverkehr nutzbar zu machen. Gleichzeitig sollte die Wasserversorgung der Werderschen Mühlen verbessert werden. Sechs Jahre später, während des Berliner Unwillens, wurden die Tore der Schleuse von aufgebrachten Bürgern geöffnet, mit dem Ergebnis, dass die Baustelle des Schlosses unter Wasser gesetzt wurde. Infolge wurden auch die Werderschen Mühlen lahmgelegt. Der Kurfürst Friedrich II. entzog den beiden Städten Cölln und Berlin daraufhin vorübergehend die Nutzungsrechte über die kurfürstlichen Mühlen und die Zollrechte. Im Jahre 1657 ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm diese Schleuse komplett neu bauen, weil der 1654 begonnene Bau nicht nutzbar wurde.

Über den Neubau der Schleuse gibt es eine Kupfertafel aus dem Jahr 1657 mit einer Inschrift. Zur Interpretation des Tafeltextes muss gesagt werden, dass 1654 versucht wurde, die Schleuse massiv zu errichten. Dem holländischen Baumeister Gerritsen scheint das misslungen zu sein, da er die Wasserhaltung, sogenannte Wasserausgießer, nicht unter Kontrolle bekam und deshalb flüchtete. Die Schleuse wurde ab 1657 noch einmal in hölzerner Bauweise errichtet. Diese Tafel und eine weitere Tafel für den Schleusenneubau von 1694 wurden beim Bau der Nachfolgeschleuse gefunden.
Zitat:...nachdem vorhero Anno 1654 eine Schleuse von Kalcksteinen an diesem Ort ist erbauet worden, weil aber durch Verwahrlosung desselben Meisters, welcher 3000 Thaler vor diese steinerne Schleuse empfangen, entlich entlaufen, 2 1/2 Jahre nach diesen hat wieder müssen abgetragen und an dessen Stadtdiese höltzerne Schleuse gesetzet wurde, welche in allen mit Aufnehmen der alten, und Setzen der neuen gekostet hat zwey tausendt acht hundert sechs und achtzigk Thaler 22 Gl. Darunter die verdungne Zimmer Arbeit welche mit dem Wasser Ausgiessen allein gekostet hat, elff hundert Thaler ...

Die Inschrift auf der Kupfertafel für den Schleusenbau von 1694 lautet, Zitat:
Anno 1694 hat Friderich der III. Marggraf und Churfürst zu Brandenburg (Friedrich III.) bey noch wehrendem schweren Kriege wieder Frankreich in welchen der Höchste seine Waffen sonderlich gesegnet nach dem Er in eben dem Jahre die Academie zu Halle aufgerichtet, die erste Steinerne Schleuse zu Trota (Schleuse Halle-Trotha), die Saale schiffbar zu machen gebauen. In dieser Churfürstl: Residentz die grohse Steynerne Brücke und den Hetzgarten zur perfection gebracht. Diese Schleuse nach dem die Fundamente der vorigen Höltzernen mit grohser Mühe herauhs gearbeitet worden, durch schwere Kosten auhs Quader-Stücken, wie sie zu sehen ist glücklich vollführet. Der Bau der ersten massiven Schleuse begann ab 1694 unter der Leitung des Oberbaudirktors Johann Arnold Nering, der im Alter von nur 36 Jahren 1695 verstarb.

Die Schleusen

Zu der ersten hölzernen Schleuse gibt es keine genauen Maßangaben. Sie wird aber den damals üblichen Kaffenkähnen bzw. ähnlichen Schiffstypen wie Zillen entsprochen haben.

Die darauf folgende Schleusenkonstruktion von 1694 war auf Holzpfählen gegründet und aus Rüdersdorfer Kalksteinen und Kalkmörtel errichtet. Die Schleusenwände waren mit Sandsteinplatten verblendet. Der Boden der Schleusenkammer bestand aus Holz, wie auch die beiden Drempel. Die Schleusentore, als Stemmtore ausgeführt, bestanden ebenfalls aus Holz. Die nutzbare Länge der Schleuse betrug 76,11 Meter und die Nutzbreite 7,53 Meter. Durch die solide Bauweise brachte es diese Schleuse auf eine Nutzungsdauer von fast 170 Jahren.

Verkehr an der Stadtschleuse 1837 bis 1840
Jahr Anzahl der Schiffsgefäße davon beladen davon leer Anzahl der Floßhölzer
1837 14.831 8.700 6.131 34.937
1838 13.463 8.024 5.439 23.345
1839 14.519 8.672 5.847 28.178
1840 14.743 8.916 5.827 31.505

Dazu kommen Flöße und Kleinfahrzeuge wie Anhänge, Jagdkähne und Gondeln.

Mit der steigenden Einwohnerzahl von Berlin und Cölln in der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Schiffs- und Bootsverkehr bis an einen Punkt, dass die Schleuse den Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Dazu kamen technische Unzulänglichkeiten. Die niedrigen Ober- und Unterdrempel ließen bei geringen Wasserständen der unregulierten Spree kaum noch Schiffsverkehr zu. Ein weiterer Grund für die Notwendigkeit einer neuen Schleuse war die Schleusenbrücke, die kurz vor dem Unterhaupt die Schleusenkammer kreuzte.

Um der Schifffahrt eine ungefährdete Passage zu ermöglichen, musste die Schleusenbrücke fast bei jedem Schleusenvorgang, in den Sommermonaten passierten 65 bis 70 Schiffe pro Tag die Schleuse, hochgezogen werden. Das hatte erhebliche Folgen für den in der Doppelstadt stark angewachsenen Straßenverkehr. Bereits 1852 wurde ein Umbau der Schleuse in Erwägung gezogen, es waren jedoch keine Unterlagen für die alte Schleuse auffindbar.

Der Schleusenneubau begann 1861 mit dem Anlegen der Baugrube. Zum Schutz der Bauarbeiten wurde oberhalb ein sogenannter Fangedamm errichtet. Während der Bauarbeiten wurden Pfahlgründungen der Schleuse von 1694 freigelegt, die jedoch nicht mehr genutzt werden konnten. Zur Entwässerung der Baugrube dienten Dampfmaschinen mit Kreiselpumpen. Die Schleuse war in der Breite von 33 Fuß und acht Zoll (10,54 Meter) geplant. So konnten zwei Finowmaßkähne längseits geschleust werden. Die Länge der Schleuse sollte 160 Fuß (50,22 Meter) betragen. Die Schleusenfüllung bzw. Leerung erfolgte über Torschütze und kurzer Torumläufe.

Die im Jahr 1894 fertiggestellte erste Schleuse in der Hauptspree am Mühlendamm ersetzte dann die seit dem Mittelalter im Schleusenkanal befindliche Stadtschleuse. Die erste Mühlendammschleuse erhielt eine innere Kammerlänge von 115 Metern und 9,6 Meter Breite. Auf den Schleusenmauern wurden zwei Stützpfeiler für die neue Mühlendammbrücke angeordnet. Die alten Mühlenstauwerke wurden abgerissen und durch ein neues Wehr mit drei Öffnungen von jeweils rund 17 Meter Breite ersetzt.

Literatur

Commons: Stadtschleuse Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Hans-J. Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen, S. 103
  2. ↑ Hans-J. Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen, S. 96/97
  3. ↑ Hans-J. Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen, S. 96
  4. ↑ Hans-J. Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen, S. 96/97
  5. ↑ Hans-J. Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen, S. 102
  6. ↑ Im 19ten Jahrhundert auch als Waidzille bezeichnet. Norbert Linke (Hrsg.): Kein schöner Land … Das große Buch unserer beliebtesten Volkslieder. Falken, Niedernhausen 1983, S. 132.
  7. ↑ Hans-J. Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen, S. 103
  8. ↑ Hans-J. Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen, S. 103