Stan VanDerBeek

Stan VanDerBeek (geboren 1927 in New York; gestorben 1984 in Baltimore, Maryland) war ein US-amerikanischer experimenteller Filmemacher, Animator, Kunsttheoretiker und Professor für Bildende Kunst. Er gilt als wichtiger Vertreter des Expanded Cinema und ist bekannt für seine frühe Verwendung des Computers als kreatives Medium.

Leben und Werk

VanDerBeek begann seine Ausbildung an der Cooper Union. Nach seinem Dienst in der US Navy setzte er sein Studium der Malerei, Fotografie und Architektur zwischen 1949 und 1951 am Black Mountain College im Rahmen des G.I. Bill fort. Nachdem er das Black Mountain College verlassen hatte, kehrte VanDerBeek nach New York City zurück und arbeitete als Assistent bei dem Fernsehsender CBS, wo er viele der Stop-Motion-Techniken und Schnittfähigkeiten erlernte, die er in seinen frühen Filmen verwendete. In den späten 1950er und frühen 1960er Jahren dokumentierte er Happenings und Performances von Claes Oldenburg, Allan Kaprow und Robert Morris. Er veröffentlichte seine eigenen Kritiken, Bild-Essays, Manifeste und Interviews in Zeitschriften wie Harper’s Bazaar, Popular Photography, Time und Esquire. VanDerBeek war außerdem ein regelmäßiger Autor für die einflussreiche Publikation Radical Software, die sich als einzige Zeitschrift ausschließlich der aufkommenden Videokunst widmete.

Ab 1963 lebte VanDerBeek mit seiner Familie in der 1954 von Alumni des Black Mountain College gegründeten Gate-Hill Co-op (genannt „The Land“) in Stony Point. Auf dem Gelände der Gate-Hill Co-op errichtete VanDerBeek zwischen 1963 und 1965 mithilfe einer umfunktionierten knapp 10 Meter hohen Kuppel eines Getreidesilos ein multimediales Filmtheater, das er Movie Drome nannte. Die Besucher betraten die Kuppel durch eine Tür im Boden und wurden nach dem Eintreten dazu ermutigt, sich auf dem Boden hinzulegen. Mit Hilfe von 16mm-Filmprojektoren, Diaprojektoren, Scheinwerfern und einem Soundsystem schuf VanDerBeek ein sich überlagerndes und ständig verwandelndes Informationsfeld, das die Besucher immersiv umgab. Dabei kombinierte er Elemente aus Wochenschauen, gefundenes Filmmaterial sowie seine eigenen Animations- und Collagefilme mit Zeichnungen sowie kunsthistorischen, anthropologischen, kommerziellen und populären Bildern. In seinem Manifest von 1965 „Culture: Intercom and Expanded Cinema“ schrieb VanDerBeek, dass der Gate Hill Movie Drome als ein Knotenpunkt in einem weltweiten Netzwerk zu verstehen sei.

Von 1969 bis 1972 sowie von 1976 bis 1977 war VanDerBeek Fellow des Center for Advanced Visual Studies (CAVS) am Massachusetts Institute of Technology. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete der Künstler bereits seit mehreren Jahren mit neuen Technologien. In den 1950er- und 60er-Jahren schuf er mehrere experimentelle Filme und begann 1965 mit Computern zu arbeiten. Gemeinsam mit Ken Knowlton von den Bell Laboratories schuf VanDerBeek die Reihe Poemfield, welche analoges Filmmaterial und computergenerierte Bilder mischte. Dabei verwendete er die 1963 von Knowlton entwickelte Programmiersprache BEFLIX. Während seiner Zeit am CAVS kollaborierte VanDerBeek mehrmals mit der Künstlerin Joan Brigham. Ihre großen Installationen aus Wasserdampf und Filmprojektionen wurden u. a. am MIT und im Whitney Museum of American Art gezeigt.

Ab 1975 bis zu seinem Tod im Alter von 57 war VanDerBeek Professor für Bildende Kunst an der University of Maryland, Baltimore County.

Seine Kinder Sara und Johannes VanDerBeek sind ebenfalls Künstler.

Sammlungen

Werke von Stan VanDerBeek sind unter anderem Bestandteil der Sammlungen des Museum of Modern Art in New York; des Whitney Museum of American Art, New York; des Walker Art Center in Minneapolis; des Art Institute of Chicago; des Los Angeles County Museum of Art; dem Centre Pompidou in Paris; sowie dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia in Madrid.

Ausstellungen

Ausgewählte Einzelausstellungen

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Gloria Sutton: Stan VanDerBeek: Collage Experience. In: Contemporary Arts Museum Houston / MIT List Visual Arts Center (Hrsg.): Stan VanDerBeek: The Culture Intercom. D.A.P., New York 2011, ISBN 978-1-93361933-0, S. 79–89.
  2. ↑ Films. In: Contemporary Arts Museum Houston / MIT List Visual Arts Center (Hrsg.): Stan VanDerBeek: The Culture Intercom. D.A.P., New York 2011, ISBN 978-1-93361933-0, S. o. S.
  3. ↑ Medien Kunst Netz: Medien Kunst Netz | Korot/Schneider: Radical Software. 4. Oktober 2025, abgerufen am 4. Oktober 2025.
  4. ↑ Jürgen Claus: "Stan VanDerBeek: An Early Space Art Pioneer". In: Leonardo. Band 36, Nr. 3, 2003, S. 229, doi:10.1162/002409403321921451.
  5. ↑ Culture Intercom: Stan VanDerBeek’s Movie-Drome Magazine MoMA. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
  6. ↑ Geeta Dayal: Stan VanDerBeek. In: Frieze. Nr. 140, 1. Juni 2011, ISSN 0962-0672 (frieze.com [abgerufen am 24. November 2025]).
  7. ↑ Beautiful Dreamer - UMBC: University Of Maryland, Baltimore County. Abgerufen am 24. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  8. ↑ Biografie von Sara VanDerBeek. Abgerufen am 26. November 2025.
  9. ↑ Biografie von Johannes VanDerBeek. Abgerufen am 26. November 2025.
  10. ↑ Magenta Plains | Bio. Abgerufen am 26. November 2025.
Personendaten
NAME VanDerBeek, Stan
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Künstler
GEBURTSDATUM 1927
GEBURTSORT New York
STERBEDATUM 1984
STERBEORT Baltimore