Die Stechwinden (Smilax), auch Sarsaparille oder Sassaparille (Singular Sarsaparilla) genannt, sind eine Pflanzengattung in der Familie der Stechwindengewächse (Smilacaceae). Die etwa 300 Arten sind fast weltweit verbreitet.
Beschreibung
Illustration der Veracruz-Stechwinde (Smilax aristolochiifolia) aus Koehler 1887Illustration von Smilax pseudochina aus Flore médicale des Antilles, ou, Traité des plantes usuellesLederige Laubblätter und reife Früchte der Rauen Stechwinde (Smilax aspera)
Erscheinungsbild und Blätter
Stechwinden-Arten wachsen als Spreizklimmer und mit Ranken kletternde oder– weniger oft– als fast aufrechte, manchmal ausdauernde immergrüne Pflanzen. Viele Arten verholzen und sind Sträucher, selten Halbsträucher. Als Überdauerungsorgane werden meist kurze, starke, dicke, knollige oder längliche Rhizome gebildet. Es werden mehr oder weniger stark verholzende, oft ziemlich lange und mehr oder weniger stark verzweigte, meist stachelige Sprossachsen (Name!) gebildet, die im Querschnitt kreisrund, quadratisch oder kantig sind. An der Sprossaches sind einzeln oder zu zweit sich überlappende Schuppen vorhanden. Oft sind als Kletterhilfe auch die Blätter bestachelt.
Die wechselständig und manchmal zweizeilig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die meist im unteren Bereich schmal geflügelten Blattstiele besitzen eine Abszissionszone (Stelle, an der das Blatt abgeworfen wird) zwischen geflügeltem und oberem (distalem) Bereich. Oft sind an der Basis des Blattstieles zwei Ranken vorhanden. Die einfachen Blattspreiten sind meist eiförmig bis lanzettlich mit spitzem oder zugespitztem oberen Ende und besitzen oft gerundeten oder spießförmigen oder herzförmigen Spreitengrund. Zwischen den drei bis sieben oder selten bis zu neun bogig verlaufenden Hauptnerven ist eine deutliche Netznervatur vorhanden.
Blütenstände und Blüten
Die Blütenstände stehen seitenständigen in laubblatt- oder schuppenartigen Tragblättern auf Blütenstandsschäften, die manchmal an ihrer Basis ein schuppenähnliches Prophyll besitzen. Die Blütenstandsschäfte können kürzer oder länger wie die Blütenstiele sein. Der rispige, ährige, traubige oder scheindoldige zymöseGesamtblütenstand enthält ein bis selten drei mehr oder weniger kopfige doldigeTeilblütenstände.
Stechwinden-Arten sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die relativ kleinen, eingeschlechtigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig. Es sind zwei Kreise mit drei meist freien (oder beispielsweise bei Smilax synandra verwachsenen), relativ kleinen Blütenhüllblätter vorhanden. Die Blütenhüllblätter des äußeren Kreise sind eiförmig und die des inneren elliptisch. Die grünlichen, weißlichen bis weißen oder bräunlichen bis rosafarbenen Blütenhüllblätter sind kahl oder behaart oder nur am oberen Ende sind einige Trichome vorhanden. In den männlichen Blüten sind zwei Kreise mit je drei freien Staubblättern vorhanden; selten sind acht oder mehr vorhanden. Die Staubblätter sind an der Basis der Blütenhüllblätter inseriert. Die Staubbeutel besitzen meist nur eine Theka, es können auch zwei sein und sind kürzer oder länger als die Staubfäden. Drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen selten ein- oder meist dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen. Die Fruchtknotenkammern enthalten jeweils ein bis zwei Samenanlagen. Auf einem sehr kurzen bis kaum erkennbaren Griffel sitzen drei Narben. In den weiblichen Blüten können bis zu sechs Staminodien vorhanden sein.
Früchte und Samen
Die bei Reife roten bis schwarzen, purpur- oder orangefarbenen Beeren weisen einen Durchmesser von 6 bis 12 Millimetern auf und enthalten meist ein bis zwei, selten bis zu drei Samen. Die dunkel-braunen, rötlichen, orangefarben bis schwarzen, einförmigen Samen sind glatt und glänzend.
Die Gattung Smilax wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Tomus II, Seite 1028–1031 aufgestellt. Der Gattungsname Smilax wurde in der griechischen Antike für eine immergrüne Eichenart verwendet. Als Lectotypus wurde 1913 durch Britton und Brown Smilax asperaL. festgelegt. Ein Synonym für SmilaxL. ist SarsaparillaKuntze.
Bei Qi etal. 2013 wurde herausgearbeitet, dass die Gattung Smilax ohne die Arten von Heterosmilax nicht monophyletisch ist. Aber die bisherigen Arten der Gattung Heterosmilax sind in der Sektion Smilax sect. Heterosmilax(Kunth) Judd eingegliedert.
Die Smilax-Arten gedeihen in tropischen, subtropischen und gemäßigten Gebieten fast weltweit. In China kommen etwa 79 Arten vor, 39 davon nur dort. Die meisten Arten kommen in der Neotropis vor. 29 Arten gibt es in Mittelamerika, also in Zentralamerika und auf Karibbischen Inseln. Nur die zwei Arten Raue Stechwinde (Smilax aspera) und Hohe Stechwinde (Smilax excelsa) kommen auch in Europa vor, während Smilax canariensis auf den Kanaren, Azoren und auf Madeira vorkommt.
In der Gattung der Stechwinden (Smilax) gibt es je nach Autor 250 bis 350 Arten:
Smilax ancepsWilld. (Syn.: Smilax kraussianaMeisn.): Sie ist im tropischen und südlichen Afrika sowie auf Inseln im westlichen Indischen Ozean weitverbreitet.
Smilax astrospermaF.T.Wang & Tang: Sie gedeiht in offenen Wäldern in Höhenlagen von 0 bis 1000 Metern in den chinesischen Provinzen Guangxi sowie Hainan.
Smilax auriculataWalter: Sie kommt von den südöstlichen Vereinigten Staaten bis zu den Bahamas vor.
Smilax australisR.Br. (Syn.: Smilax latifoliaR.Br., Smilax spinescensMiq., Smilax latifolia var. crassinerviaA.DC.): Sie kommt im nördlichen und östlichen Australien und auf der Lord-Howe-Insel vor.
Smilax chapaensisGagnep.: Sie kommt vom südlichen China bis zum nördlichen Vietnam vor.
China-Stechwinde (Smilax chinaL.): Sie ist in zwei Varietäten in China, Korea, Japan und Indochina verbreitet; mit nicht windendem, stachligem Stängel, herzförmig-rundlichen, kurz zugespitzten Blättern und einfachen Blütendolden, liefert in dem knolligen Wurzelstock die sogenannte Chinawurzel (Pockenwurzel). Diese schmeckt indifferent, dann etwas kratzend, ist geruchlos und enthält besonders Smilacin. Sie kam 1525 durch Vinzenz Gilius von Tristan nach Europa, wurde als Mittel gegen Lustseuche empfohlen und gelangte zu großer Berühmtheit wegen der guten Wirkungen, welche sie an dem von der Gicht geplagten Kaiser Karl V. übte.
Smilax chinensis(F.T.Wang) P.Li & C.X.Fu: Sie kommt nur in China vor.
Smilax chingiiF.T.Wang & Tang: Sie kommt im südlichen China vor.
Smilax longiflora(K.Y.Guan & Noltie) P.Li & C.X.Fu: Sie kommt im südlichen Yunnan vor.
Smilax longifoliaRich. (Syn.: Smilax papyraceaDuhamel, Smilax acuminataWilld., Smilax flavescensDesv. ex Ham., Smilax syphiliticaMart. nom. illeg., Smilax longifolia var. variegataB.S.Williams, Smilax officinalisPoepp. ex A.DC. nom. inval. non Kunth, Sarsaparilla acuminata(Willd.) Kuntze): Das Verbreitungsgebiet ist Hispaniola und das tropische Südamerika.
Smilax ocreataA.DC.: Sie kommt vom Himalaja bis Hainan vor.
Smilax odoratissimaBlume: Sie kommt von Bangladesch bis ins westliche Malesien vor.
Smilax officinalisKunth non Griseb. non Poepp. ex A.DC. (Syn.: Smilax bernhardiiF.W.Apt, Smilax gilgianaF.W.Apt, Smilax tonduziiF.W.Apt, Smilax vanilliodoraF.W.Apt, Smilax barbillanaCufod., Smilax standleyiKillip & C.V.Morton, Smilax chiriquensisC.V.Morton): Sie ist von Honduras bis Ecuador verbreitet.
Smilax orbiculataLabill.: Dieser Endemit kommt nur in Neukaledonien vor.
Honduras-Stechwinde (Smilax ornataLem., Syn.: Smilax grandifoliaRegel nom. illeg., Smilax utilisHemsl. nom. illeg. non C.H.Wright, Smilax regeliiKillip & C.V.Morton, Smilax regelii var. albidaKillip & C.V.Morton): Sie ist von Mexiko bis Zentralamerika verbreitet.
Smilax quinquenerviaVell. (Syn.: Smilax officinalisGriseb. nom. illeg. non Kunth, Smilax proceraGriseb., Smilax pohlianaKunth, Smilax tijucensisA.DC.): Sie kommt im tropischen Südamerika vor.
Sorten von Smilax sind in Varianten des Root Beer und ähnlichen Getränken enthalten. In Südostasien gibt es das Getränk Sarsi, das mithilfe des Pflanzenextrakts hergestellt wird.
Phytotherapie
Die Droge unter dem Namen Sarsaparille, Radix Sarsaparillae, auch Sarsaparilla, aus den unterirdischen Pflanzenteilen von beispielsweise Smilax chinensis (China-Stechwinde), Smilax officinalis, Smilax aristolochiifolia (Veracruz-Stechwinde), Smilax ornata (Honduras-Stechwinde) und Smilax siphilitica fand früher Verwendung in der Behandlung von Syphilis. So enthielt der im 18. Jahrhundert bei Geschlechtskrankheiten eingesetzte, von Gilbert Kennedy kreierte Lisbon Diet Drink als Dekokt hauptsächlich Sarsaparilla. Vereinzelt erfolgt noch der Einsatz beispielsweise als „Blutreinigungsmittel“ bzw. harn- und schweißtreibendes Mittel, etwa bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. Homöopathisch wird Sarsaparilla („Sars.“) noch gelegentlich verwendet. Die enthaltenen Saponine sind für unerwünschte Wirkungen wie Magen- und Nierenreizungen verantwortlich. Keine der Wirkungen ist wissenschaftlich belegt.
Erwähnung von Sarsaparilla in der Literatur und Sonstigem
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Sarsaparilla ist die Lieblingsspeise der Schlümpfe. Die Früchte werden in deutschen Übersetzungen meist als Schlumpfbeeren bezeichnet.
Sarsaparillas werden als Getränk auf S. 309 und S. 317 des Buches Wege des Schicksals von Penelope Williams genannt.
Sarsaparillextrakt wird George Cyril Wellbeloved als durstlöschende Alternative zum verbotenen Alkohol in dem Roman Schwein oder Nichtschwein (Pigs have Wings) von P. G. Wodehouse angeboten.
Die Gastwirte des Unsichtbaren in H. G. Wells’ Roman Der Unsichtbare versetzen ihr Bier mit Sarsaparille.
Im Film The Big Lebowski bestellt Sam Elliotts Charakter (The Stranger) an der Bar in der Bowlinghalle eine Sioux City Sarsaparilla.
Ray Bradbury verfasste die Kurzgeschichte „Der Duft der Sarsaparilla“ (A Scent of Sarsaparilla), in der ein von seiner Ehefrau unverstandener Mann spurlos verschwindet.
Die Jazzband Nucleus veröffentlichte 1974 auf ihrer LP „Under the Sun“ die beiden Musiktitel „A Taste of Sarsaparilla“ (A-Seite Nr. 5) und „Theme 1 – Sarsaparilla“ (B-Seite Nr. 1).
Im Jazzsong Let’s call the whole thing off von George und Ira Gershwin wird es als sasparilla bzw. sasparella als eine von verschiedenen Geschmacksrichtungen aufgezählt.
Quellen
Literatur
Chen Xinqi (陈心启), Tetsuo Koyama: Smilax. – textgleich online wie gedrucktes Werk. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.):Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae. Science Press/ Missouri Botanical Garden Press, Beijing/ St.Louis 2000, ISBN 0-915279-83-5, S.96 (englisch).
Walter C. Holmes: In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 26: Magnoliophyta: Liliidae: Liliales and Orchidales. Oxford University Press, New York und Oxford, 2002, ISBN 0-19-515208-5. Smilax. S. 468–277 – textgleich online wie gedrucktes Werk.
Lilian Ferrufino-Acosta: Taxonomic revision of the genus Smilax (Smilacaceae) in Central America and the Caribbean islands. In: Willdenowia, Volume 40, 2010, S. 227–280. doi:10.3372/wi.40.40208
Cameron Qi, Kenneth M. Zhechen, Pan Li, Yunpeng Zhao, Shichao Chen, Guangcun Chen, Chengxin Fu: Phylogenetics, character evolution, and distribution patterns of the greenbriers, Smilacaceae (Liliales), a near-cosmopolitan family of monocots. In: Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 173, Issue 4, 2013, S. 535–548. online. doi:10.1111/boj.12096
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Lilian Ferrufino-Acosta: Taxonomic revision of the genus Smilax (Smilacaceae) in Central America and the Caribbean Islands. In: Willdenowia, Volume 40, Issue 2, 2010, S. 227–280. doi:10.3372/wi.40.40208
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Robert Anthony DeFilipps: Smilax L., S. 74. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.):Flora Europaea. Volume 5: Alismataceae to Orchidaceae (Monocotyledones). Cambridge University Press, Cambridge 1980, ISBN 0-521-20108-X, S.74 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
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Cameron Qi, Kenneth M. Zhechen, Pan Li, Yunpeng Zhao, Shichao Chen, Guangcun Chen, Chengxin Fu: Phylogenetics, character evolution, and distribution patterns of the greenbriers, Smilacaceae (Liliales), a near-cosmopolitan family of monocots. In: Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 173, Issue 4, 2013, S. 535–548. online. doi:10.1111/boj.12096
↑Smilaxim Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
1234567Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
↑William B. Ober: Boswell’s Clap. In: William B. Ober: Boswell’s Clap and Other Essays. Medical Analyses of Literary Men’s Afflications. Southern Illinois University Press, 1979; Taschenbuchausgabe: Allison & Busby, London 1988, Neuauflage ebenda 1990, ISBN 0-7490-0011-2, S. 1–42, hier: S. 16–17.
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Hunnius Pharmazeutisches Wörterbuch, 8. Aufl. Berlin 1997
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Homöopathisches Repertorium, Karlsruhe 2002, Deutsche Homöopathie Union.
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Braun, Frohne: Heilpflanzenlexikon, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena, New York, 6. Aufl. 1994
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