
Der Stein der Selene ist eine von der Tide angetriebene, astronomische Mondphasenuhr und zugleich ein Kunstobjekt. Die Uhr zeigt drei verschiedene Mondphasen in Form einer uhrglasförmigen Messingscheibe an; Vollmond, Halbmond und Neumond. Aktueller und erster Standort des Objektes ist der Außenhafen in Glückstadt in der Straße „Am Hafen“ direkt an der Kaikante hinter dem dortigen Sperrwerk.
Der Stein der Selene ist ein langjähriges Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Naturwissenschaftler Jürgen Wesseler und dem Bildhauer Ingo Warnke. Benannt wurde der Stein nach der griechischen Mondgöttin Selene. Die Präsentation erstmals in Glückstadt wurde aus Mitteln des Fond des Landes Schleswig-Holstein anlässlich des 80-jährigen Landesjubiläums im August 2026 gefördert und wird organisiert und unterstützt vom Palais für Aktuelle Kunst (PAK) in Glückstadt. Im Rahmen der Kulturnacht in Glückstadt im April 2024 wurde der Stein erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, zwischen Juli und Oktober des gleichen Jahres begann die Testphase. Im laufenden Jahr 2026 fanden bereits an mehreren Terminen Präsentationen im Beisein der Künstler statt, bei denen die Funktionsweise der astronomischen Monduhr den anwesenden Besuchern vorgestellt und erklärt wurde.

Das Material für den Rohblock des Steins besteht aus Granit der Sorte Blue Pearl und wurde bereits im Jahr 2022 aus Norwegen importiert. Geformt und gefertigt wurde er in einer Werkstatt in Nettelsee. Die Mondscheibe besteht aus Messing. Weitere Materialien für das Gestell und den hölzernen Hebel sind Stahl, Eiche und Oregon-Pinie.
Der Granit in seiner vollendeten Form hat ein Gewicht von 1,2 Tonnen. Das Außenmaß beträgt 140 cm, das Innenmaß 47 cm und die Breite 30 cm. Die Messingscheibe hat bei Vollmond einen Durchmesser von 40 cm.

Auf der Rückseite des Steins befinden sich 57 in Stein gemeißelte Zähne. In einem Tidehafen befindet sich ein Schwimmkörper im Hafenbecken. Wenn das Wasser durch die aus dem Zusammenspiel von Mond, Sonne und Erddrehung erzeugten Gezeiten bei der Flut nach oben steigt, wird der Schwimmer angehoben und diese Kraft auf einen Hebel übertragen, der den Stein jeweils um einen Zahn weiter nach vorne bewegt. Das passiert jeweils einmal bei jeder Flut durchschnittlich alle 12 Stunden und 25 Minuten, und ein leises Klacken verrät, dass das Hölzchen in den nächstfolgenden Zahn eingerastet ist. Die Messingscheibe dreht sich langsam mit dem Stein und zeigt so die jeweiligen Mondphasen an. Einmal in einem Mondmonat hat der Stein alle Zähne durchlaufen und sich so um sich selbst gedreht. Die Geschwindigkeit und die sich verändernde Größe der Messingscheibe ist mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbar, nach etwa zwei Tagen kann man frühestens einen Unterschied erkennen. Die Genauigkeit der Uhr ist zum Teil vom Standort des Tidehafens und vom Wetter abhängig, bei länger anhaltenden Stürmen und mehreren Sturmfluten können Ungenauigkeiten auftreten. Für solche Fälle ist es möglich, den Hebel des Steins mit Hilfe eines Spezialmechanismus manuell wieder an die richtige Stelle zu setzen.

Der Stein der Selene ist der Prototyp einer von der Tide angetriebenen Mondphasenuhr und gilt bisher als einzigartig in Europa. Als Testphase wurde der Außenhafen in Glückstadt gewählt, möglich sind andere Standorte, die der Kraft der Gezeiten unterliegen. Bereits in Planung ist eine weitere, noch größere Uhr an einem anderen Standort mit einem voraussichtlichen Durchmesser von 2,20 Metern und einem Gewicht von etwa vier Tonnen.
Koordinaten: 53° 47′ 7,2″ N, 9° 24′ 54,7″ O