Stepan Podlubny (russisch Степан Филиппович Подлубный Stepan Filippowitsch Podlubny; geboren 1914 in Beresiwka, Kreis Lipowez, Gouvernement Kiew, heute Ukraine; gestorben 1998 in Moskau) war ein ukrainischer Schriftsteller. Bekannt wurde er durch seine Tagebuchaufzeichnungen, die er von 1931 bis 1939 anfertigte. Sie zeigen seine Wandlung vom Stalin-Anhänger zum -Kritiker.
Stepan Podlubnys Eltern und deren Vorfahren waren Landwirte mit einem bescheidenen Wohlstand. Sie galten im Dorf Beresiwka als Kulaken. Mit der russischen Revolution 1917 und in den Jahren danach verloren sie durch Enteignung alles. Stepan war ein mäßiger Schüler, weil sein Vater Filipp Jewdokimowitsch ihn oft aus der Schule nahm, zur Arbeit in der Landwirtschaft heranzog und brutal behandelte. Der Schulunterricht fand in russischer Sprache statt. Zu Hause sprach die Familie ukrainisch.
Der Familie wurde das Wahlrecht entzogen. Der Vater wurde wegen seiner Weigerung, „öffentlichen Verpflichtungen“ nachzukommen, verhaftet und nach Archangelsk in Nordrussland verbannt. Stepan lebte mit seiner Mutter Efrosinija Danilowna in einer Hütte am Rand des Dorfs. 1930 kamen die beiden in Moskau an. Stepan begann unter falschem Namen (wegen seiner Kulaken-Herkunft) eine Lehre als Drucker in der Prawda-Zeitung. Er war ein begeisterter Anhänger des Sowjetideologie. 1932 forderten Mitarbeiter der Staatssicherheit ihn auf, Spitzelaufgaben in seiner unmittelbaren Umgebung durchzuführen. Seine Mutter war Aktivistin der Gewerkschaft, weshalb ihr Sohn sie für ihre „proletarische Einstellung“ lobte.
Stepan Podlubny ging in Moskau regelmäßig in eine ukrainische Bibliothek und war entsetzt, als Stalin 1935 verfügte, einen großen Teil des Buchbestands zu vernichten und als Sprache innerhalb der Bibliothek russisch vorzuschreiben. 1936 wurde seine Kulakenherkunft enttarnt. Als man im Dezember 1937 seine Mutter verhaftete, änderte sich Stepans Einstellung zum Regime. Zwar hielt er die Massenverhaftungen des Großen Terrors im Grunde für legitim, doch die Verhaftung der Mutter schien ihm als ein Versehen. Seine Eingabe bei der Staatsanwaltschaft, die Mutter freizulassen, wurde abgelehnt. Er verlor 1938 seinen Studienplatz und musste Gelegenheitsarbeiten annehmen, unter anderem in einem Moskauer Radiogeschäft.
Das Tagebuch bricht im Oktober 1939 mit einer Analyse der Weltpolitik ab: „Die UdSSR wird von keinem Land unterstützt, weder militärisch, noch moralisch.“ Wenige Tage später wurde Stepan Podlubny verhaftet und in ein Arbeitslager deportiert. 1940 kam seine Mutter nach Moskau zurück. Im April 1941 ließ man ihn frei, um ihn im Juni 1941 zum Militär einzuziehen. Er war im Zweiten Weltkrieg zunächst Bausoldat, dann Sanitäter und 1944 Leutnant im Sanitätsdienst. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog Stepan Podlubny wieder nach Moskau, heiratete und nahm Tätigkeiten in verschiedenen Ministerien an, zuletzt, vor der Pensionierung, als Wirtschaftsplaner im Gesundheitsministerium. Er starb 1998 in Moskau.
Stepan Podlubnys Tagebücher ab 1931 wurden nach dem Zerfall der Sowjetunion im Rahmen der Perestroika veröffentlicht. In einer kritischen Edition erschienen sie 1996 unter dem Titel „Tagebuch aus Moskau 1931–1939“. Podlubny führte auch ein Kriegstagebuch, das im Moskauer Volksarchiv aufbewahrt wird. Die Tagebücher danach sind im Privatbesitz der Familie.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Podlubny, Stepan |
| KURZBESCHREIBUNG | ukrainischer Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 1914 |
| GEBURTSORT | Berezovka, Ukraine |
| STERBEDATUM | 1998 |
| STERBEORT | Moskau |