
Steven Blankaart (* 24. Oktober 1650 in Middelburg; † 23. Februar 1704 in Amsterdam) war ein niederländischer Mediziner, Chemiker, Pharmazeut und Entomologe. Namensvarianten sind Steven Blanckaert, Stephan Blancard und latinisiert Stephanus Blancardus.
Sein Vater Nicolas Blankaart (1624–1703, auch Blanckaert) war Gymnasial-Professor für Geschichte und Philosophie sowie Minister in Steinfurt (1645 bis 1650) und Professor für Geschichte und Altertumskunde in Middelburg (1650 bis 1666) und Arzt in Franeker. Steven Blankaart studierte nach Besuch der Lateinschule in Middelburg und nach einer Apothekerlehre in Amsterdam in Franeker Medizin, wo er 1674 an der Universität Franeker in Medizin promoviert wurde. Danach ließ er sich als praktischer Arzt in Amsterdam nieder, wo er in der Westerkerk begraben ist.
Als Mediziner und Entomologe überprüfte er als Anhänger von René Descartes Theorien experimentell, in der Entomologie beispielsweise die Erzeugung von Insekten aus dem Ei wie zuvor Francesco Redi und folgte damit nicht der damals noch häufigen Vorstellung einer Urzeugung aus dem Schlamm. Bekannt ist er für seinen Bildband über Insekten von 1688. In Amsterdam hatte er Kontakt mit der Entomologin und Illustratorin Maria Sybilla Merian und half ihr bei der Publikation.
Als Mediziner bewies er die Existenz des Kapillarsystems der Blutgefäße, ohne deren Bedeutung zu erkennen. Außerdem befasste er sich mit Kinderheilkunde (mit dem ersten niederländischen Buch darüber 1688) und veröffentlichte Lexika über Medizin, die weite Verbreitung fanden. Er war ein Anhänger des Iatrochemikers Franciscus Sylvius, auch in der Empfehlung des Konsums von großen Mengen Tee und Kaffee. Er übersetzte Werke von John Mayow ins Niederländische. Von ihm gibt es zahlreiche Bücher, zum Beispiel über Geschlechtskrankheiten, Pharmazie, Chirurgie und Gicht. Er schrieb auch ein Kompendium der Chemie (Theatrum Chemicum), in der er im Gegensatz zu vergleichbaren barocken Werken mit demselben Titel weniger auf Alchemie als auf praktische Chemie eingeht.
Neben diesen Themen beschäftigte sich Blankaart auch mit Fragen der Leichenkonservierung und der Herstellung anatomischer Präparate. Blankaart schlug vor, den Leichnam zunächst über mehrere Wochen durch langanhaltende Einläufe mit Weingeist und großen Mengen warmen Wassers von fäulniserregenden Stoffen zu reinigen und den solcherart bewahrten Körper dann in einen Zinn- oder Bleisarg zu legen, um den Alkohol nicht verdunsten zu lassen. Dieses Verfahren gelang jedoch nur teilweise. So war es nicht möglich, den Darminhalt durch Einläufe vollständig zu entfernen, und auch war ein durch Alkohol präparierter Körper nur so lange vor Fäulnis geschützt, bis der Alkohol verdunstet war.
Blankaart gab eine der ersten niederländischen Zeitschriften für Medizin heraus (Collectanea medico-physica, 1680, 1688).
In seiner Freizeit befasste er sich mit Malerei, Scherenschnittkunst und Dichtung.
1682 heiratete er Isabella de Carpentier (1644–1730), mit der er zwei Söhne hatte. Einer starb mit vier Jahren an Windpocken, worauf Blankaart die Abhandlung Over de kinderpokken schrieb, der andere Sohn Willem (1683–1748) war promovierter Jurist und war Ratsherr und Mitglied der Justizkammer von Stadt und Land Vianen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Blankaart, Steven |
| ALTERNATIVNAMEN | Blanckaert, Steven; Blancard, Stephan; Blancardus, Stephanus |
| KURZBESCHREIBUNG | niederländischer Mediziner, Chemiker, Pharmazeut und Entomologe |
| GEBURTSDATUM | 24. Oktober 1650 |
| GEBURTSORT | Middelburg |
| STERBEDATUM | 23. Februar 1704 |
| STERBEORT | Amsterdam |