Stitching (englisch stitch „nähen“, „heften“) bezeichnet in der Fotografie das Erstellen einer großen Fotografie aus verschiedenen kleineren Einzelaufnahmen, die (in der Regel überlappende) Ausschnitte des Motivs zeigen.
Stitching wird genutzt, wenn eine Einzelaufnahme nicht den gewünschten Bildwinkel erfassen würde, also als Ersatz für ein Weitwinkelobjektiv oder gar zur Herstellung eines 360°-Panoramas, oder um für großformatige Bilder eine größere Auflösung (Pixelzahl) zu erzielen, als es mit einer Einzelaufnahme aufgrund der beschränkten Auflösung der Kamera möglich wäre.
Anwendungsbeispiele sind Panoramabilder von Landschaften oder Gesamtansichten ausgedehnter Objekte (zum Beispiel Architekturaufnahmen).




Fotografie ist eine zweidimensionale Abbildung der dreidimensionalen Umwelt. Die Reduktion von drei auf zwei Dimensionen erfolgt beim Fotografieren. Stitching erfordert in der Regel, dass alle Teilbilder mit der gleichen Reduktion erfolgen, d. h. vom selben Aufnahmestandpunkt und somit derselben Perspektive. Die Position der Eintrittspupille sollte sich zwischen den Aufnahmen nicht ändern. Es ist nicht möglich, diese Reduktion nachträglich zu verändern, da man den Aufnahmestandpunkt nicht mehr ändern kann. Nach dem Aufnehmen der Bilder kann man nur noch die Art der Abbildung auf das kartesische Koordinatensystem von Monitor oder Papier (Koordinaten der Ebene) wählen.
Den Stitching-Prozess kann man in vier Schritte einteilen:
Für Schritt 1 bieten sich Kugelkoordinaten an. Jeder Punkt eines Ausgangsbilds wird auf die Oberfläche einer Kugel projiziert, deren Mitte dabei das Projektionszentrum ist. Die Kugelmitte kann man sich an der Stelle denken, von der aus die Teilbilder aufgenommen wurden. Vom Kugelmittelpunkt aus gesehen gibt dann das projizierte Bild im Idealfall einen Ausschnitt der Szene unverfälscht wieder (unverzerrt und mit den richtigen Winkeln zwischen verschiedenen Motivpunkten). Für die richtige Projektion muss das Stitchingprogramm somit den Bildwinkel jeder Aufnahme kennen. Er wird entweder aus den Metadaten bestimmt oder manuell eingegeben.
In Schritt 2 werden die Bilder entzerrt, was vor allem wegen der Verzeichnung des Objektivs nötig ist, und auf der Kugeloberfläche verschoben, um die Überlappungsbereiche bestmöglich zur Deckung zu bringen. Viele Programme können das automatisch erledigen, bieten dem Benutzer aber auch Eingriffsmöglichkeiten, z. B. manuelle Festlegung der Kontrollpunkte, die auf den verschiedenen Teilbildern jeweils das gleiche Motivdetail markieren. Beim Entzerren und Verschieben werden die Kontrollpunkte möglichst gut zur Deckung gebracht. Dies ist ein Optimierungsproblem, bei dem die Verschiebung, Drehung und Entzerrung der Teilbilder so zu bestimmen ist, dass die Abweichung der Kontrollpunkte voneinander minimal wird (typischerweise durch Minimierung der Summe der Quadrate der Abweichungen). Idealerweise sieht dann das ganze von der Kugelmitte betrachtet genauso aus wie die Originalszene vom Aufnahmestandpunkt aus.
In Schritt 3 wird aus den überlappenden Bildern ein gemeinsames berechnet, wobei meist auch eine Belichtungskorrektur und Korrektur des Helligkeitsabfalls zum Bildrand hin notwendig ist, und evtl. auch eine Anpassung des Weißabgleichs.
In Schritt 4 werden die Kugelkoordinaten in kartesische Koordinaten der Ebene umgerechnet, was eine nicht triviale Aufgabe ist (siehe: Kartennetzentwurf). Die Stitchingprogramme bieten hier meist mehrere Möglichkeiten an. Bei diesen Projektionen wird aber nicht die Art der 3D-2D-Reduktion verändert, diese wurde ja schon beim Aufnehmen der Bilder festgelegt, d. h., es erfolgt keine Veränderung von Verdeckungen oder von Größenverhältnissen zwischen Objekten in unterschiedlichen Entfernungen.
Mögliche Projektionsmethoden sind unter anderem:
Manche Programme ermöglichen es auch, Bilder von einem ebenen Motiv zusammenzufügen, die nicht vom selben Punkt aus aufgenommen wurden. In Hugin wird das „mosaic mode“ genannt. Das Verschieben und Entzerren der Bilder erfolgt dann entsprechend in der Ebene statt auf einer Kugeloberfläche.



Im Internet gibt es eine große Anzahl kostenloser Stitching-Software. Ebenfalls ist im Lieferumfang von digitalen Fotoapparaten oft eine entsprechende Software enthalten. Der Leistungsumfang und Leistungsfähigkeit von Stitching-Software ist sehr unterschiedlich. Der Funktionsumfang umfasst folgende Funktionen (nicht abschließend):
Ferner bieten herkömmliche Bildbearbeitungsprogramme, wie Photoshop (ab Version CS3), auch Stitchingfunktionen.
Es gibt Software zur Wiedergabe von Kugelpanoramen, die einen interaktiv wählbaren Ausschnitt (meist verzeichnungsfrei) zeigen, so dass die gesamte Szene rundum unverzerrt betrachtet werden kann. Bei der interaktiven Darstellung wird meist die QTVR-Technik genutzt. Dabei kann der Nutzer Blickrichtung und Größe des Ausschnitts wählen. Einem solchen Programm wird das Panorama in der Regel als Plattkarte (äquidistante Zylinderprojektion, auch Sphärische Projektion genannt) eingegeben.