

Ein Polygonzug oder Streckenzug ist in der Mathematik die Vereinigung der Verbindungsstrecken einer Folge von Punkten. Polygonzüge werden in vielen Teilgebieten der Mathematik verwendet, etwa in der Geometrie, der Numerik, der Topologie, der Analysis und der Funktionentheorie. Darüber hinaus kommen sie auch in einigen Anwendungsgebieten wie in der Computergrafik oder der Geodäsie zum Einsatz.
Sind Punkte in der euklidischen Ebene oder im euklidischen Raum, dann heißt die Vereinigung der Strecken
Streckenzug oder Polygonzug von nach . Fallen und zusammen, spricht man von einem geschlossenen Polygonzug, ansonsten von einem offenen Polygonzug.
Die geometrische Figur, deren Rand von einem geschlossenen Polygonzug gebildet wird, heißt Polygon, die Punkte heißen Eckpunkte des Polygons und die Strecken heißen Seiten des Polygons. Liegen die Punkte in einer Ebene, so nennt man diese Figur ein ebenes Polygon, andernfalls ein windschiefes Polygon.
Polygonzüge besitzen vielfältige Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise bei der Interpolation von Datenpunkten, bei der numerischen Lösung gewöhnlicher Differentialgleichungen mit dem eulerschen Polygonzugverfahren sowie bei der Modellierung in der Computergrafik und im Computer-Aided Design. Zur Anwendung von Polygonzügen im Vermessungswesen siehe Polygonzug (Geodäsie).
Sei nun allgemein ein reeller Vektorraum und seien gegebene Elemente des Vektorraums, dann heißt die Vereinigung
der Strecken
Streckenzug oder Polygonzug von nach . Ist ein topologischer Vektorraum, dann sind diese Strecken stetige Bilder des Einheitsintervalls und damit kompakt, was dann auch für die aus ihnen gebildeten endlichen Vereinigungen gilt. Jeder Streckenzug ist stets auch Beispiel eines Kontinuums.
Polygonzüge spielen eine wesentliche Rolle für die Längenmessung von Kurven im -dimensionalen Raum.
Eine Länge ist allein erklärt für rektifizierbare Kurven. Zum Nachweis der Rektifizierbarkeit betrachtet man für eine gegebene Kurve alle Polygonzüge von nach , durch deren Ecken die Kurve in dieser Reihenfolge verläuft, welche also so beschaffen sind, dass die Seiten des von den Ecken gebildeten Polygons zugleich Sehnen von darstellen. Ein derartiger Polygonzug wird auch als Sehnenzug oder als Sehnenpolygon bezeichnet und man sagt, ist einbeschrieben. Zur Feststellung der Rektifizierbarkeit von zwischen und werden die Längen aller einbeschriebenen Sehnenpolygone untersucht. Dabei versteht man unter der Länge eines Polygonzugs die Summe der Längen seiner Strecken.
Wenn für all diese Längen innerhalb eine obere Schranke existiert, dann ist eine rektifizierbare Kurve, und zwar nur dann. In diesem Falle wird die Länge als das Supremum aller Längen einbeschriebener Sehnenpolygone definiert (alles für den Kurvenabschnitt bis ). Für die Feststellung der Rektifizierbarkeit von Kurven gilt folgendes Kriterium:
Die Polygonzüge spielen ebenfalls eine Rolle für die Feststellung, wann im Raum ein Gebiet vorliegt und wann nicht. Hier gilt der folgende Satz: