Studio Harcourt

Belegschaft des Studio Harcourt 1950

Studio Harcourt ist ein französisches Fotostudio in Paris. Es ist bekannt für seine Schwarz-Weiß-Bilder von Schauspielern und Prominenten, die das Studio Harcourt seit 1934 produziert. Es befindet sich in der rue de lota 6 im 16. Arrondissement von Paris.

Geschichte

Cosette Harcourt (Germaine Hirschfeld)

Die Fotografin Germaine Hirschfeld (1900–1976) gründete die Firma 1934 zusammen mit den Brüdern Jacques und Jean Lacroix und Robert Ricci, Sohn der Designerin Nina Ricci. Zu Beginn produzierte die Firma Pressefotos, als renommierte Fotostudios wie Nadar aufgrund ausbleibender Kunden schließen mussten.

Germaine Hirschfeld nannte sich Cosette Harcourt und spezialisierte sich auf Schwarz-Weiß-Fotografien von französischen Schauspielern und Intellektuellen. Die Aufnahmen im Format 24 × 30 cm sind berühmt für ihren charakteristischen Stil und vor allem die Beleuchtung, der von dem französischen lichtsetzenden Kameramann Henri Alekan inspiriert wurde. Harcourt entwickelte den einprägsamen Schriftzug mit dem Buchstaben H, der auf allen Fotos zu sehen ist.

Bis zum Ende der 1930er Jahre hatte sich Harcourt als führendes Pariser Porträt-Studio etabliert, da auch die gehobene Bourgeoisie regelmäßig Bilder von sich selbst machen ließ.

Als die deutsche Wehrmacht 1940 Paris besetzte, heiratete Jacques Lacroix Germaine Hirschfeld, um sie als Jüdin vor Verfolgung zu schützen. Das Fotostudio war sowohl bei den Besatzern als auch Mitgliedern des Vichy-Regimes beliebt, die sich gerne in Uniform fotografieren ließen. Nach der Befreiung setzten die Amerikaner 1945 die Tradition fort.

Berühmt wurde Harcourt in den späten 1940er und 1950er Jahren mit den Porträts bekannter Schauspieler, unter anderem Alain Delon, Brigitte Bardot, Jean Gabin oder Jean Marais.

Nach dem Tod von Cosette 1976 wechselte Harcourt mehrfach den Besitzer. Der französische Kulturminister Jack Lang unter François Mitterrand erklärte 1989 die Archive von Harcourt zum nationalen Kulturerbe, um die Konservierung sicherzustellen. Heute liegen mehr als sechs Millionen Harcourt-Negative von etwa 500.000 Porträtierten im Schloss Vincennes.

Ein Prestige-Porträt inklusive Makeup und Beleuchtung kostete 2025 knapp 2000 Euro.

Zitate

„In Frankreich ist man kein Schauspieler, wenn man nicht vom Studio Harcourt fotografiert wurde.“

– Roland Barthes: Mythen des Alltags

Galerie (Auswahl)

Literatur

Commons: Studio Harcourt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Sascha Lehnartz: Götter, gut ausgeleuchtet. Die Welt, 4. April 2010, abgerufen am 13. Oktober 2026.
  2. 1 2 Claire Guillot: Sous le glamour, le côté obscur du studio Harcourt. Le Monde, 7. November 2009, abgerufen am 13. Oktober 2026 (französisch).
  3. ↑ Studio Harcourt (1934–1989). Ministerium für Kultur (Frankreich), abgerufen am 13. Oktober 2026 (französisch).
  4. ↑ Justin Postlethwaite: The Iconic Portrait Photography of Studio Harcourt. francetoday.com, 7. März 2025, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).

Koordinaten: 48° 52′ 3″ N, 2° 16′ 34″ O