Susanne Rast absolvierte von 1980 bis 1981 eine Töpferlehre in Ahrenshoop. Im Anschluss studierte sie von 1981 bis 1986 Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Das Studium bei Jo Jastram, Rolf Biebl und Eberhard Bachmann schloss sie 1986 mit dem Diplom ab. Es folgte eine dreijährige Aspirantur bei Bachmann mit dem Abschluss Magister Artium. Gleichzeitig unterrichtete sie von 1986 bis 1989 an der Abendschule der Kunsthochschule Berlin-Weißensee im Fachbereich Bildhauerei.
Das Jahr 1989 und der Fall der Berliner Mauer brachten für die Künstlerin auch persönlich große Änderungen. Sie emanzipierte sich von ihrer Familie, nahm den Künstlernamen Susanne Rast an und arbeitet seither als freischaffende Bildhauerin.
1990 gründete sie die private Kunstschule Kontrapunkt. Eine Studienreise führte die Künstlerin 1999 in die USA. Dabei begegnete sie Arbeiten Donald Judds, die bei ihr prägenden Eindruck hinterließen. Zurückgekehrt, kam sie von 2000 bis 2002 einem Lehrauftrag an der Technischen Universität Braunschweig nach. 2004 eröffnete sie schließlich die Produzentengalerie raum 5 in Berlin.
In weiterer Auseinandersetzung mit dem Minimalismus Donald Judds gründete sie gemeinsam mit Malte Brekenfeld und Dirk Wunderlich 2005 die Künstlergruppe MARFA. Dieser Name rekurriert explizit auf Marfa, den texanischen Lebens- und Schaffensort des amerikanischen Künstlers als einen Ort der Präsentation objektkünstlerischer Arbeiten, deren Charakteristik in Reduktion und Klarheit der Formen liegt.
Werk
Das Werk von Rast umfasst sowohl Plastiken und Skulpturen als auch Handzeichnungen und Radierungen. Beide Werkgruppen stehen gleichwertig nebeneinander. Sie verfügt über eine hohe Versiertheit in verschiedensten Techniken. So modelliert sie ihre figürliche Plastik in Gips und gießt sie dann in Bronze. Zugleich schlägt sie in Marmor oder bearbeitet Holz mit Kettensäge, Stechbeitel, Holzhammer und Beil. Charakteristisch für ihre Arbeiten ist die besondere Körperpräsenz der Figuren, sowie spannungsreiche Körper-Raum-Verhältnisse. Oft zeichnen sich Rasts Gestalten durch einen sensiblen Habitus aus.
Mit ihrem Œuvre steht Susanne Rast in der Tradition Lehmbrucks, Giacomettis, Lipchitz’ und Richiers. In den gedehnten, überlängten Figuren lassen sich Anleihen an die Expressivität der Spätgotik erkennen. Im Mittelpunkt ihres Schaffens steht die menschliche Figur in ihrer Beziehung zu der sie umgebenden Wirklichkeit, als Ausdrucksträger von Ideen und inneren Zuständen. In ihren jüngeren Arbeiten beschäftigt sich Rast mit Menschen jenseits der Norm und versucht, deren innere Welt in den Skulpturen zu erfassen und widerzuspiegeln.
2011: Nominierung für den Kunstpreis der Stadt Rostock für Skulptur und Objekt
2012: Nominierung für den Kunstpreis der Stadt Rostock für Skulptur und Zeichnung
2014: Nominierung für den Kunstpreis der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe für bildende Kunst
Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
1986 Junge Kunst – Berlin, Kulturzentrum, Paris
1988 Galerie Passage, Berlin; „Der Eigene Blick – Kunstwissenschaftler stellen vor“, Ephraimpalais, Berlin
1989 Zwischenspiele, Berlin-West; Junge Kunst Berlin – Amsterdam – Madrid, Berlin, Amsterdam und Madrid; Weißer Elefant (Gruppenausstellung), Berlin
1990 Kunstachse, Symposium und Ausstellung, Stockholm
1992 Ambiente, Internationale Kunstmesse, Frankfurt a. M.; „Risico-Design“, Galerie W. Maaß und Kunsthof, Berlin; „Hamburg Art“, Künstler der Galerie W. Maaß; Design in Europe, Amsterdam und Rotterdam
1993 Dresdner Sezession, Galerie Nord, Dresden
1994 Kulturbrauerei Berlin; Galerie W. Maaß, Berlin; Berliner Kunst, Gruppenausstellung, Berlin
1996 Kunstscheune Wustrow (mit R. Biebl); Galerie W. Maaß (mit R. Biebl), Berlin; Galerie am Prater (mit R. Biebl), Berlin
1997 Galerie am Alten Markt, Rostock; Galerie am Neuen Palais, Potsdam
1998 Klostergalerie Mecklenburg-Vorpommern; „Fluten. Zeichnungen – Zeitzeichen“, Berlin, New York und Chicago
2000 Kunsthaus Elisabeth von Eicken, Mecklenburg-Vorpommern; Strandhalle, Ahrenshoop; Klostergalerie, Mecklenburg-Vorpommern
2001 Pro Figura, Art – Fuhrmann, Rostock
2002 Museum Herzogtum zu Lauenburg, Ratzeburg; Galerie im Zollhaus, Lübeck; Kunstmesse – Galerie Blaeser, Köln; Kunstmesse – Galerie Blaeser, Schwätzingen; Kunstverein Wernigerode; Galerie Peters – Barenbrock, Berlin
2004 Galerie Pohl, Berlin; raum5 Galerie, Berlin
2005 raum5 Galerie, Berlin; Kunstscheune, Wustrow
2007 Kunstscheune Barnstorf, Wustrow
2009 Kunsthalle, Wittenhagen; Galerie Art Fuhrmann, Rostock; Galerie Eymael, Wustrow (mit MARFA); Schloss Wiligrad; Haltung bewahren. Skulpturen und Zeichnungen, Galerie am Gendarmenmarkt, Berlin
2013 Kunstkaten Ahrenshoop; Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin; Galerie Alter Bahnhof mit Clemens Gröeszer; Galerie Karger, Berlin; Kunstmuseum Ahrenshoop
„Haltung bewahren“. Skulpturen und Zeichnungen von Susanne Rast. Eine Ausstellung in der Galerie am Gendarmenmarkt. radio eins, Airdate, 27. November 2009.
12Klaus Tiedemann, In: Galerie im Kloster des Kunstvereins Ribnitz-Damgarten (Hrsg.): Susanne Rast, Plastik & Zeichnung. Ribnitz-Damgarten 2011, S. 4–5.
↑Matthias Schümann: „Ich glaube, es gab keinen langweiligen Tag in ihrem Leben“: die Künstlerin Susanne Rast über ihre Eltern Inge und Jo Jastram. In: Ostsee-Zeitung, 16. September 2013, ZDB-ID1428528-9, S. 13.
↑Galerie im Kloster des Kunstvereins Ribnitz-Damgarten (Hrsg.), Susanne Rast, Plastik & Zeichnung. Ribnitz-Damgarten, 2011, S. 72.