Susanne Ziegler (* 24. Oktober 1947 in Berlin; † ebenda) war eine deutsche Musikethnologin und Slawistin. Sie war als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Berliner Phonogramm-Archiv im Ethnologischen Museum in Berlin tätig, wo sie für die historischen Sammlungen verantwortlich war. Zu ihren Veröffentlichungen zählen Die Wachszylinder des Berliner Phonogramm-Archivs, eine Reihe von CDs mit historischen Musikaufnahmen und zahlreiche wissenschaftliche Beiträge.
Susanne Ziegler promovierte in Musikwissenschaft/Ethnomusikologie und Slawischen Sprachen an der Universität zu Köln mit ihrer 1979 erschienenen Dissertation über das Volkslied in Westmazedonien. Von 1983 bis 1988 war sie Assistenzprofessorin am Institut für Vergleichende Musikwissenschaft der Freien Universität Berlin. Weiterhin nahm sie Lehraufträge an den Universitäten Mainz, Heidelberg, Frankfurt, Potsdam und der Universität der Künste in Berlin wahr. Ihre Feldforschungen führte sie in Mazedonien im damaligen Jugoslawien und der Türkei durch. Am Phonogramm-Archiv des Berliner Ethnologischen Museums war sie nach 1993 für die historischen Sammlungen verantwortlich.

Im Jahr 2006 veröffentlichte Ziegler ihr Werk Die Wachszylinder des Berliner Phonogramm-Archivs. Die ca. 30.000 Wachszylinder (Edisonwalzen) wurden zu mehr als der Hälfte vor 1914 gesammelt. Über ihren historischen Wert hinaus finden besonders solche Aufnahmen internationale Aufmerksamkeit, in denen Musiktraditionen von Kulturen dokumentiert sind, die heute überhaupt nicht mehr existent sind (z. B. Feuerländer) oder sich seitdem stark verändert haben. Die Sammlung der Edisonwalzen des Berliner Phonogramm-Archivs wurde 1999 als Frühe Aufnahmen der musikalischen Welttraditionen in die UNESCO-Liste „Memory of the World“ aufgenommen.
Zieglers 512-seitiges Werk dokumentiert 351 Sammlungen historischer Wachszylinderaufnahmen aus den Jahren 1893 bis 1954 mit Fotos und Noten, Biografien sowie einer CD-ROM mit Textdokumentationen und 73 Klangbeispielen. Sie beschrieb dabei auch die Entstehungsgeschichte, Erschließung, Restaurierung und Digitaliserung der Archivbestände sowie Informationen zu den Sammlern und vertretenen Ethnien. Zuvor hatte Ziegler bereits wissenschaftliche Aufsätze über die erste Bestandsaufnahme nach der Rückkehr der Sammlungen 1991 aus der Akademie der Wissenschaften der DDR ins Phonogramm-Archiv sowie über Erich von Hornbostel, den Direktor des Archivs in den Jahren 1906 bis 1933 veröffentlicht.

Von 2012 bis 2016 erschlossen Ziegler und Lars-Christian Koch im Rahmen eines Projekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft die historischen Tonaufnahmen der Königlich Preußischen Phonographischen Kommission aus den Jahren 1915 bis 1918. Mit 1.022 Walzen ist dies der umfangreichste Teil des Phonogramm-Archivs. Die Tonaufnahmen dokumentierten Sprachen und Musik ausländischer Inhaftierter in deutschen Lagern für Kriegsgefangene während des Ersten Weltkriegs. Unter der Leitung des Gründers des Berliner Phonogramm-Archivs Carl Stumpf nahmen daran Wissenschaftler wie Robert Lachmann teil.
Die Tonaufnahmen von Gefangenen aus Europa und überseeischen Ländern auf Wachswalzen und ergänzende Dokumente wurden digitalisiert und online veröffentlicht, nachdem ca. 60 % davon mit Experten aus den Herkunftsgesellschaften evaluiert wurden. Aus diesem Projekt entstand die Ausstellung „Phonographierte Klänge – photographierte Momente. Ton- und Bilddokumente aus deutschen Kriegsgefangenenlagern im Ersten Weltkrieg“, die im Ethnologischen Museum von Oktober 2014 bis Mai 2015 gezeigt wurde.
Von 2003 bis 2011 gab sie zusammen mit anderen Wissenschaftlern am Ethnologischen Museum Berlin die CD-Editionen Berlin Phonogramm-Archiv – Historical Sound Documents mit zweisprachigen Begleitheften zu historischen Walzenaufnahmen aus Japan, Peru, Argentinien, Brasilien und Südosteuropa heraus.
Als Mitglied der Study Group on Music and Gender im International Council for Traditional Music (ICTM) gab Ziegler 1990 zusammen mit der US-amerikanischen Musikethnologin Marcia Herndon den Sammelband Music, gender, and culture heraus. Darin erschien ihr Beitrag „Gender-specific Wedding Music in southwestern Turkey“. 2010 wirkte sie als Herausgeberin für einen Sammelband, in dem sie ihren Beitrag „Historical Sources in the History of Ethnomusicology – A Critical Review“ veröffentlichte. In dieser Studiengruppe wirkte sie nach 2000 als Vorsitzende und veröffentlichte 2017 zusammen mit anderen Wissenschaftlerinnen den Sammelband Historical sources of ethnomusicology in contemporary debate.
2012 erhielt Ziegler für ihre „herausragende Publikationstätigkeit“ zusammen mit Lars-Christian Koch den Bruno Nettl Prize der Society for Ethnomusicology.
Für die Enzyklopädie Musik in Geschichte und Gegenwart schrieb sie den Beitrag über Musik in Georgien.
2007 erschien in der französischen Fachzeitschrift Cahiers d'ethnomusicologie eine ausführliche Rezension über Die Wachszylinder des Berliner Phonogramm-Archivs. Die Rezension beschrieb das Werk als „das erste Werkvereichnis der historischen Tonaufnahmen.“ Die Rezension anerkennt, dass es sich bei der Veröffentlichung der historischen Aufnahmen sowohl um eine wissenschaftlich-dokumentarische Aufgabe als auch um die technische Übertragung auf digitale Medien handelt. Die von Ziegler und ihren Kollegen erschienen CD-Veröffentlichungen mit zweisprachigen Begleitheften wurden deshalb als besonders wertvoll bezeichnet.
In einem Interview für eine Veröffentlichung der Universität Buenos Aires berichtete sie über die Erforschung und je nach dem Zeitpunkt unterschiedliche Interpretation der historischen Aufnahmen. Weiterhin sprach sie über Veränderungen in der Vergleichenden Musikwissenschaft, die sich zur modernen, interdisziplinären Musikethnologie als Teilgebiet der Kulturanthropologie entwickelt hat.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ziegler, Susanne |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Musikethnologin und Slawistin |
| GEBURTSDATUM | 24. Oktober 1947 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 20. Jahrhundert oder 21. Jahrhundert |
| STERBEORT | Berlin |