
Suzanne „Sue“ Loebl (* 14. Mai 1925 in Hannover), geboren als Susanne Helene Bamberger, ist eine deutsch-amerikanische Chemikerin, Fachbuchautorin, Wissenschaftsredakteurin, Kinder- und Jugendbuchautorin, Vortragsrednerin und Schriftstellerin.

Susanne bzw. „Suse“ war das erste Kind des promovierten Chemikers und Unternehmers Hugo Bamberger (* 12. August 1887 in Lichtenfels, Oberfranken; gestorben am 31. Dezember 1949 in New York City) und dessen Ehefrau Margarete „Gretel“ (* 21. Februar 1902 in Nürnberg; gestorben am 7. Februar 1991 in New York City), geborene Schwarzhaupt. Susannes jüngere Schwester ist Gabriele Erika (* 27. Mai 1930 in Hannover, später verheiratete Lewinson). In Hannover bewohnte die Familie ein Jugendstil-Haus in der Kaulbachstraße gegenüber der Eilenriede.
Ihr Vater gehörte einer oberfränkischen Familie von international agierenden Unternehmern an, die mit Korbwaren und Rohmaterial für die Möbelindustrie handelten, während der Zeit der Weimarer Republik für das Bauhaus, außerdem mit Holzspielwaren nach Pestalozzi-Schüler Friedrich Fröbel sowie mit kunstgewerblichen Erzeugnissen aus Holz. Hugo Bamberger war ein Sohn des Philipp Bamberger (1858–1919) und dessen aus Feuchtwangen stammender Ehefrau Sarah „Serry“ (1862–1925), geborene Ullmann. Seine drei Brüder waren Anton, Ludwig und Otto Bamberger.
Ihre Mutter war Tochter des Joseph Schwarzhaupt (* 30. November 1869 in Regensburg; gestorben am 30. Oktober 1940 in Nottinghamshire, England) und dessen Ehefrau Emma Mayer (* 10. Januar 1878 in Frankfurt am Main; gestorben am 5. Dezember 1955 in New York City).
Susannes Großvater, Joseph Schwarzhaupt, war neben seinen Brüdern Mitinhaber einer in Franken und Bayern bestehenden Kette von Einzelhandelsgeschäften, die beispielsweise in Nürnberg, Regensburg und München renommierte Bekleidungshäuser unter dem Namen Modewarenhaus Emanuel Schwarzhaupt betrieb.
Suzanne Bamberger heiratete am 15. März 1950 in New York City den promovierten österreichischen Biochemiker Ernest (Ernst) Moshe Loebl (* 30. Juli 1923 in Wien; gestorben am 19. Juni 2020 in New York City). Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Judith H. (* 12. Mai 1954, später verheiratete Gordon) und David A. (1956–1993).
Susanne Bamberger wuchs in Hannover auf und wurde dort eingeschult. Als sie sieben Jahre alt war, wurde den Nationalsozialisten der Weg an die Macht ermöglicht. Das Erste, was sie in der Schule davon bemerkte, war der Umstand, dass ihre beste Freundin Gerda von einem Tag auf den anderen verschwunden war. Diese war mit ihrer Familie in die Schweiz emigriert. Erklärt wurde Susanne das jedoch nicht. Nach der Grundschule sollte sie eine weiterführende Schule besuchen, doch für ein Kind jüdischer Abstammung gestaltete sich dies nun schwierig. Schließlich erklärte sich die Waldorfschule in Hannovers Jägerstraße bereit, Susanne aufzunehmen, obwohl dort ab Ostern 1935 ein behördliches Aufnahmeverbot neuer Schüler verhängt worden war. Ab 1936 besuchte sie zudem einmal pro Woche die Hebräischschule, wozu die Jüdische Gemeinde aufgerufen hatte, um die Schüler u. a. auf eine Emigration vorzubereiten.
Alljährlich trafen die Nichten und Neffen des Otto Bamberger in dessen Villa „Sonnenhaus“ mit großem Garten in Lichtenfels mit dessen Kindern Ruth (1914–1983) und Klaus Philipp (1920–2008) zusammen, um dort Familienfeste und gemeinsame Sommerurlaubstage zu verbringen. Die Villa wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher Ausflüge, Fahrradtouren und Wanderungen in die nähere und weitere fränkische Region, und so zu gern erinnerten Höhepunkten dieser Jahre.
Ab 1935 versuchte Susannes Vater, der Mitinhaber der Chemischen Fabrik Lehrte (CFL) war, einen Weg in die Emigration zu finden. Zwei Versuche, im spanischen Barcelona und im italienischen Mailand beruflich Fuß zu fassen, scheiterten 1936/37 aufgrund des Spanischen Bürgerkrieges und aufgrund der initiierten „Achse Berlin–Rom“ zwischen Mussolini und Hitler. 1937 emigrierte ihr Vater schließlich nach Belgien, um dort eine kleine Firma aufzubauen, bevor er seine Familie im Folgejahr nachkommen ließ. Susanne nahm dort für ihren Vornamen die Schreibweise Suzanne an. Später begann sie in Brüssel damit, Chemie zu studieren, um ihrem Vater in dessen neu aufgebautem kleinen chemisch-pharmazeutischen Betrieb La Synthèse helfen zu können.
Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde ihr Vater 1940 in das südfranzösische Camp des Milles deportiert, ein Internierungslager. Als Hugo Bamberger im April 1941 sein beantragtes Visum für die Vereinigten Staaten erhielt, durfte er das Internierungslager verlassen und emigrierte einen Monat später über Spanien und Portugal mit der Marqués de Comillas der Compañía Transatlántica Española in die Vereinigten Staaten.
Susanne musste wie ihre Schwester und ihre Mutter in den Untergrund gehen, um einer Deportation zu entgehen. Sie arbeitete als Hausmädchen für belgische Familien, die ihr statt einer finanziellen Entlohnung eine (illegale) Unterkunft anboten. Auf diese Weise konnten die drei trotz zahlreicher gefährlicher Situationen die deutsche Besatzung Belgiens und den Holocaust überleben. 1946 konnte sie mit ihrer Schwester und ihrer Mutter dem Vater in die USA folgen, der dort mittellos eingetroffen war. Dennoch gelang es ihm dort innerhalb von drei Jahren, erneut eine chemisch-pharmazeutische Fabrik, die Chemo Puro Mfg. Corp. auf Long Island im Bundesstaat New York, aufzubauen.
Suzanne Loebl veröffentlichte medizinische Fachbücher, Kinderbücher, ihre Erinnerungen sowie Museumsführer. Sie wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Mit The Nurse’s Drug Handbook gelang ihr ein Standardwerk für Krankenschwestern und -pfleger, das über Jahrzehnte eine große Verbreitung erfuhr. Viele ihrer Veröffentlichungen weisen Bezüge zu ihrer eigenen Familie auf. Sie hielt Vorträge über die Shoah in US-amerikanischen Schulen und war als wissenschaftlicher Redakteur (Science Editor) für die 1948 gegründete Arthritis Foundation aktiv.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Loebl, Suzanne |
| ALTERNATIVNAMEN | Loebl, Sue (Spitzname); Bamberger, Susanne Helene (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-amerikanische Chemikerin, Fachbuchautorin, Kinder- und Jugendbuchautorin, Vortragsrednerin und Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 14. Mai 1925 |
| GEBURTSORT | Hannover |