
Der Sycamore Gap Tree, auch Robin Hood Tree genannt, war ein Berg-Ahorn, der neben dem Hadrianswall in der Nähe des Sees Crag Lough nordwestlich von Bardon Mill in Northumberland, England, stand. Er befand sich in der Mitte eines markanten Sattels in der Landschaft und war ein beliebtes Fotomotiv, weshalb er als einer der meistfotografierten Bäume des Landes gilt. Seinen alternativen Namen Robin Hood Tree erhielt er durch eine prominente Szene in dem Film Robin Hood – König der Diebe von 1991. Der Baum wurde 2016 in England zum Baum des Jahres gekürt.
Das Wahrzeichen wurde am frühen Morgen des 28. September 2023 in einem Akt von Vandalismus gefällt, der verbliebene Baumstumpf hat dies jedoch überlebt und trieb Stand August 2024 neu aus.

Der Baumstumpf befindet sich am Hadrianswall bei der Koordinatenangabe NY 761677, zwischen Milecastle 39 und Crag Lough, etwa 3,2 km westlich des römischen Forts Housesteads in Northumberland im Norden von England. Dieser Abschnitt der Mauer folgt dem Rand einer Klippe – einem Ausläufer der Whin Sill – und mehreren scharfen Einschnitten, die durch schmelzendes Gletscherwasser entstanden sind. Der Stumpf befindet sich in einer dieser Vertiefungen, wobei die Klippe und die Mauer auf beiden Seiten drastisch ansteigen. Die Mauer und das angrenzende Land, einschließlich des Standorts des Baums, sind im Besitz des National Trust.
Der Baum war eine beliebte Touristenattraktion und wurde als einer der meistfotografierten Bäume des Landes bezeichnet, und der Standort ist möglicherweise der meistfotografierte Punkt im gesamten Northumberland-Nationalpark. Er war von der nahe gelegenen Militärstraße B6318 aus zu sehen. Der Name „Sycamore Gap“ wurde von einem Mitarbeiter des National Trust geprägt, als das Ordnance Survey das Gebiet neu kartierte und fragte, ob der zuvor unbenannte Ort eine Bezeichnung habe.
Es handelt sich um einen Berg-Ahorn (engl. sycamore). Über das Alter des Baumes und die Gründe für seine Anpflanzung gibt es keine eindeutigen Angaben. Nach Angaben des National Trust wurde der Baum im späten 19. Jahrhundert von dem Landbesitzer John Clayton als Landschaftselement gepflanzt.
Im Jahr 2016 wurde der Baum für den Wettbewerb Englands Baum des Jahres nominiert. Er wurde aus 200 Mitbewerbern für die endgültige Auswahlliste von 10 ausgewählt und gewann den Wettbewerb mit 2.542 von 11.913 Stimmen. Der Preis war ein Zuschuss in Höhe von 1.000 Pfund, der für die Untersuchung des Zustands des Baumes und die Durchführung von Arbeiten zum Schutz seiner Wurzeln verwendet wurde, die aufgrund des hohen Fußgängeraufkommens freigelegt wurden. Der Sycamore Gap Tree nahm am Wettbewerb Europäischer Baum des Jahres 2017 teil, bei dem er mit 7.123 Stimmen den 5. von 16 Plätzen belegte.
Der Baum taucht in einer Schlüsselszene zu Beginn des Kevin-Costner-Films Robin Hood – König der Diebe aus dem Jahr 1991 auf und wurde seitdem auch als „Robin Hood Tree“ bezeichnet. Er erschien im Musikvideo zu Bryan Adams’ (Everything I Do) I Do It for You, einem Lied aus dem Soundtrack des Films; das Video lief häufig bei Top of the Pops. Er wurde auch in der TV-Krimiserie Vera – Ein ganz spezieller Fall und in der Dokumentarserie More Tales from Northumberland mit Robson Green gezeigt. Der Standort war bei Astrofotografen und Sternbeobachtern beliebt. Der Baum blieb am 30. Mai 2003 unversehrt, als ein Hubschrauber, der für die Dreharbeiten zu British Isles – A Natural History eingesetzt wurde, etwa 30 Meter entfernt abstürzte und den Moderator Alan Titchmarsh nur knapp verfehlte. Die vier Personen an Bord wurden leicht verletzt. Der Baum ist auch in zwei Szenen im Film 28 Years Later zu sehen, wobei nicht klar ist, ob die Dreharbeiten noch vor der Fällung stattfanden oder ob der Baum via CGI eingefügt wurde.

Der Baum wurde in der Nacht vom 27. auf den 28. September 2023 illegal mit einer Kettensäge gefällt, bei der Fällung wurde zudem der Hadrianswall beschädigt. Aufgrund der starken Winde, die der Sturm Agnes verursacht hatte, hörten die Anwohner nichts.
Ein Landwirt alarmierte am frühen Vormittag die Park-Ranger, dass der Baum umgefallen sei. Zunächst gingen die Ranger davon aus, dass der Sturm den Baum zu Fall gebracht hatte. Als die Ranger am Baum ankamen, entdecken sie am Baumstamm einen geraden Fällschnitt und informierten gegen 09:00 Uhr die Verwaltung des Northumberland-Nationalparks, dass der Baum nicht umgestürzt, sondern gefällt worden war. Kurz darauf setzte die Nationalpark-Verwaltung den National Trust in Kenntnis. Gegen 09:45 Uhr wurde die Polizei von Touristen alarmiert. Der Vorfall verbreitete sich rasch, und die Medien berichteten schon kurze Zeit später darüber. Gegen Mittag erklärte die Polizei von Northumbria, dass Ermittlungen aufgenommen wurden und der Vorfall als „vorsätzlicher Akt von Vandalismus“ behandelt werde. Die Polizei und Ranger fanden eine weiße Linie unterhalb der Schnittstelle vor, der Baum sei „geschickt mit einer scharfen Kettensäge zersägt worden“. Das Tatort wurde für zwei Tage abgesperrt, die Kriminaltechniker nahmen die Spurensicherung auf. Am Nachmittag des 28. September 2023 wurde zunächst ein 16-jähriger festgenommen und am darauffolgenden Tag auf Kaution entlassen. Kurz darauf nahm die Polizei auch einen fast 70-jährigen Rentner fest, der drei Tage später ebenfalls gegen Kaution entlassen wurde.
Beide Festnahmen weckten großes öffentliches Interesse und führten dazu, dass sie von Anwohnern aus der Region sowie von Online-Usern fälschlicherweise als Täter beschuldigt und teils schwer beleidigt wurden. Infolgedessen waren beide schließlich gezwungen, ihre Identität in der Öffentlichkeit zu verbergen. Im November 2023 teilte die Polizei mit, dass gegen den Jugendlichen keine weiteren Maßnahmen ergriffen würden. Einen Monat später wurde eine entsprechende Mitteilung auch im Fall des Rentners veröffentlicht. Beide waren somit unschuldig.
Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden mutmaßlichen Täter, Daniel Graham und Adam Carruthers aus der Umgebung von Carlisle in der Grafschaft Cumbria, bereits am 31. Oktober 2023 festgenommen worden. Beide wurden zunächst auf Kaution wieder entlassen. Zur Tatzeit war Graham 37 Jahre alt, leitete ein Tiefbauunternehmen und lebte auf dem Land in der Nähe von Carlisle. Carruthers wiederum war zur Tatzeit 30 Jahre alt, arbeitete als Mechaniker und lebte in der Nähe von Wigton, rund 10 Kilometer westlich von Carlisle. Die beiden Männer kannten sich seit 2021, waren befreundet und arbeiteten teilweise auch beruflich miteinander. Bei ihrer Vernehmung bestritten beide die Tat und erklärten gegenüber der Polizei, nicht zu wissen, wie man einen Baum fälle, obwohl unter anderem ein Video aus dem August 2023 existierte, das zeigte, wie sie gemeinsam einen Baum fällten. Am 30. April 2024 wurden die beiden wegen Sachbeschädigung aufgrund der Fällung des Baums von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Bei einem ersten Verhandlungstermin am 16. Mai 2024 im zuständigen Magistrates’ Court verwies die Richterin den Prozess aufgrund seiner Tragweite an den übergeordneten Crown Court. Am ersten Verhandlungstag am 12. Juni 2024 bestritten beide Angeklagte, den Baum gefällt zu haben. Die Hauptverhandlung wurde für den 3. Dezember 2024 angesetzt. Carruthers blieb gegen Kaution auf freiem Fuß, während Graham zu seiner eigenen Sicherheit ab Dezember 2024 in Untersuchungshaft blieb, da er zuvor einen Suizidversuch unternommen hatte und zwischenzeitlich in eine Klinik eingewiesen wurde. Wegen einer schweren Depression Grahams (er litt seit dem Tod seines Vaters immer wieder unter Depressionen und beging mehrere Suizidversuche) wurde der ursprünglich angesetzte Prozess auf April und Mai 2025 verschoben. Am 9. Mai 2025 wurden die beiden Angeklagten wegen Sachbeschädigung in zwei Fällen, am Baum und am Hadrianswall, schuldig gesprochen. Das Gericht gab zudem an, dass am 15. Juli 2025 das genaue Urteil und das Strafmaß verkünden werde. Der Schaden belief sich nach einer ersten Schätzung auf rund 623,000 £ (umgerechnet etwa 730.000 Euro), was später auf rund 450,000 £ (etwa 530.000 Euro) reduziert wurde. Die Kosten für die Reparatur von zwei Steinen des Hadrianswall wurden auf 1.144 £ geschätzt (umgerechnet etwa 1.315 Euro).
In den letzten Verhandlungswochen kam ans Licht, dass die Tat mit Grahams Smartphone gefilmt worden war und ein Stück des Baumstamms als eine Art „Trophäe“ mit nach Hause genommen wurde. Nach Ansicht der Polizei hatte einer der beiden Täter den Fällschnitt ausgeführt, während der andere den entscheidenden Moment der Baumfällung (am 28. September ab 00:30 Uhr) mit Grahams Smartphone aufzeichnete. Das etwa 3 Minuten lange Video wies aufgrund der dunklen Nacht jedoch keine gute Qualität auf, weshalb keine genaue Täterzuordung erfolgen konnte. Das Gericht ging davon aus, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Graham die Tat filmte, während Carruthers den Baum fällte. Um 00:34 Uhr wurde mit Grahams Smartphone ein Foto des bereits gefällten Baums aufgenommen. Die in den Metadaten gespeicherten Koordinaten wiesen darauf hin, dass sowohl das Video als auch das Foto am Sycamore Gap entstanden waren. Das Video auf Grahams Smartphone wurde etwa eine Stunde später an Carruthers’ Smartphone weitergeleitet. Gegen 02:00 Uhr entstanden auf Grahams Grundstück außerdem Fotos und Videos, die die „Trophäe“ zusammen mit der Kettensäge im Kofferraum seines Range Rovers zeigten. Weder das Holzstück noch die abgebildete Kettensäge konnten später von der Polizei gesichert werden. Ihre Smartphones sowie Verkehrs- und Überwachungskameras ermöglichten es der Polizei jedoch, ihre Bewegungen zur fraglichen Zeit nachzuvollziehen: Carruthers’ Smartphone wurde bereits am Nachmittag des 27. September 2023 in der Nähe des Baumes geortet. Aus diesem Grund ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Carruthers das Gebiet rund um den Sycamore Gap bereits im Vorfeld ausgekundschaftet hatte. Bis etwa 22:20 Uhr standen die beiden noch in regem Nachrichtenaustausch miteinander. Danach brach die Kommunikation abrupt ab. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass sich beide kurz darauf persönlich trafen und deshalb weitere Nachrichten über deren Smartphones nicht mehr nötig waren. Etwa eine Stunde danach bewegten sich beide Smartphones vom Treffpunkt bei Carlisle aus nach westlicher Richtung zum Sycamore Gap. Etwa 18 Kilometer vor dem Sycamore Gap, um 23:40 Uhr, schaltete Graham sein Smartphone aus oder versetzte ihn in den Flugzeugmodus. Nach Darstellung der Polizei wollte Graham dadurch eine Ortung verhindern. Während der Fahrt schrieb Carruthers seiner Partnerin, er sei unterwegs und müsse noch etwas Wichtiges erledigen. Um 23:55 Uhr und 01:00 Uhr nahmen Überwachungskameras vom Twice Brewed Inn auf, wie Grahams Range Rover in der Tatnacht zum „Steel Rigg“ hin- und wieder zurückfuhr – den nächstgelegenen öffentlichen Parkplatz zum Sycamore Gap. Vom Parkplatz aus liefen die Männer etwa 15–20 Minuten zum Sycamore Gap Tree. Unmittelbar nach der Tat teilte Carruthers seiner Frau gegenüber per Kurznachricht damit, etwas Großartiges erreicht zu haben. Um 01:28 Uhr schaltete sich Grahams Smartphone wieder ins Mobilfunknetz ein, an der gleiche Stelle, wo sein Smartphone etwa zwei Stunden zuvor das letzte Mal ein Signal absetzen konnte. Kurz danach bekam Carruthers von Graham das dreiminütige Video der Fällung zugeschickt. Nach Einschätzung der Polizei waren die beiden die einzigen Personen, die das Video besaßen. Am Morgen danach tauschten sich die beiden Männer außerdem per Kurz- und Sprachnachrichten über Facebook-Kommentare und Presseberichte aus und kommentierten das Geschehen. Beide Männer bestritten dennoch jede Beteiligung und erklärten, sie hätten die ganze Nacht jeweils zu Hause verbracht. Im weiteren Verlauf des Prozesses verstrickten sich beide immer wieder in Widersprüche und beschuldigten sich zeitweise sogar gegenseitig der Tat. Beide sagten zudem aus, dass ihre Freundschaft nach der ersten Festnahme im Herbst 2023 abrupt geendet habe. Man habe vereinbart, fortan getrennte Wege zu gehen; damit sei die Angelegenheit für sie erledigt gewesen. Graham hatte der Polizei bereits bei den Vernehmungen im Herbst 2023 gesagt, er wisse, wer den Baum gefällt habe, wolle den Täter aber nicht „verpetzen“, da dieser erst kürzlich Vater geworden sei. Als Graham den Eindruck gewann, die Ermittler konzentrierten sich weiterhin vor allem auf ihn und zu wenig auf Carruthers, zeigte er den Beamten ein Foto von Carruthers, auf dem dieser neben mehreren Kettensägen stand. Carruthers bestritt daraufhin in einer Vernehmung, dass die abgebildeten Kettensägen ihm gehörten; vielmehr habe ihm ein Landschaftsgärtner beschädigte Kettensägen übergeben, die er überprüfen und reparieren solle. Im August 2024 rief Graham außerdem anonym bei der Polizei an und nannte Carruthers dabei ausdrücklich als Täter. Die Polizei konnte zurückverfolgen, dass der Anruf von Grahams Anschluss kam. Im Prozess bestätigte Graham diesen Anruf und erklärte, die Polizei habe „keine besonders gute Arbeit geleistet“, da Carruthers noch immer nicht im Fokus stand, während er selbst unter dem öffentlichen Druck gelitten habe.
Obwohl beide Männer vor dem Gericht jegliche Beteiligung bestritten hatten, legten sie nach dem 9. Mai 2025 gegenüber den Bewährungshelfern Geständnisse ab. Das Gericht wurde daraufhin informiert.
Am 15. Juli 2025 wurden die beiden Täter durch den Newcastle Crown Court jeweils zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Die vorsitzende Richterin Lambert erklärte dabei, dass beide nach Verbüßung von 40 Prozent ihrer Haftstrafe entlassen werden müssen. Graham befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit Dezember 2024 in Untersuchungshaft, Carruthers wiederum seit Mai 2025. In der Urteilsbegründung erklärte die Richterin, dass das genaue Tatmotiv unklar bliebe, aber dass die Fällung des Baumes den beiden wohl „eine Art Nervenkitzel“ („some sort of thrill“) verschafft habe ein Wahrzeichen des Landes zu zerstören. Die Richterin erklärte außerdem, dass die beiden Männer ein „hohes Maß“ an Planung an den Tag gelegt haben, darunter die Festlegung der Route, die Wahl einer Nacht, in der starker Wind ihnen zugutekommen würde, und die Auswahl der richtigen Ausrüstung: Kurz vor Mitternacht am 27. September 2023 fuhren die beiden mit Grahams Auto von ihrem Wohnort bei Carlisle zum Tatort, parkten am „Steel Rigg“ und setzten den Weg anschließend zu Fuß fort. Dort angekommen fällten sie den Baum, der dabei über den Hadrianswall stürzte. Mithilfe einer Kettensäge und einer sauber ausgeführten Fälltechnik dauerte der eigentliche Fällvorgang nur drei Minuten. Anschließend nahmen sie ein Stück des Stamms als Trophäe mit nach Hause. In den folgenden Tagen verfolgten sie aufmerksam die weltweite Empörung über ihre Tat und ergötzten sich daran, ehe sie später doch nervös wurden, weil ihnen die Folgen bewusst wurden. Gleichzeitig machte die Richterin deutlich, dass sich nicht mit letzter Sicherheit feststellen lasse, wann genau der Entschluss zur Tat gefasst wurde. Möglicherweise sei der Plan erst am frühen Abend des 27. September 2023 entstanden.
Nach seiner Verurteilung räumte Carruthers gegenüber den Bewährungshelfern ein, dass er die Kettensäge geführt und den Baum selbst gefällt hatte, während Graham den Vorgang filmte. Im März 2026 wurde Carruthers unter Auflagen aus der Haft entlassen. Zu den Bedingungen gehören unter anderem das Tragen einer elektronischen Fußfessel sowie die Verpflichtung, sich zwölf Stunden am Tag an seiner Wohnadresse aufzuhalten. Nach einer Überprüfung durch die Justizvollzugsanstalt kam er im Rahmen des staatlichen Programms Home Detention Curfew vorzeitig frei, das Gefangenen erlaubt, einen Teil ihrer Strafe in seinem Wohnort zu verbüßen. Bis zu seiner Entlassung hatte er eine zehnmonatige Haftstrafe verbüßt; nach dem ursprünglichen Urteil wäre er erst im Januar 2027 freigekommen. Carruthers zog wieder nach Wigton und nahm in einer Werkstatt erneut eine Tätigkeit als Mechaniker auf.
Nach dem Vorfall wurde der gefällte Baum am 12. Oktober 2023 von Fachkräften entfernt, nur der Baumstumpf blieb an der Stelle. Der National-Trust-Manager Andrew Poad erklärte Ende 2023, dass der Stumpf „gesund“ erscheine und der Baum möglicherweise als Stockausschlag nachwachsen könne; es werde jedoch „einige Jahre dauern, bis er sich zu einem kleinen Baum entwickel[e], und etwa 150 bis 200 Jahre, bevor er auch nur annähernd das erreich[e], was [...] verloren [ging]“. Darüber hinaus gelang es ihnen, aus Samen und Knospen mithilfe zweier Pfropfmethoden weitere dutzende Setzlinge heranzuziehen. Den ersten jungen Setzling erhielt König Charles III. am 27. Mai 2024. Er kündigte an, dass dieser später auf dem Parkgelände von Windsor Castle gepflanzt werden solle, sobald er ausreichend herangewachsen sei. Im Juli 2024 wurden am Baumstumpf wiederum acht Triebe entdeckt, welche aus dem Stumpf sprossen und eine Länge von drei bis fünf Zentimetern erreicht hatten. Sie sollen nun einige Jahre wachsen und dann entweder günstig geformt oder auf einen dominanten Trieb reduziert werden. Eine um den Stumpf und die jungen Austriebe errichtete Absperrung schützt sie inzwischen vor möglichen Schäden durch Besucher und Wildtiere. Die National Trust konnte außerdem 49 Stecklinge entnehmen und erfolgreich anzüchten. Diese wurden 2024 und 2025 an 49 Wohltätigkeitsorganisationen und Vereine in ganz Großbritannien verteilt und als „Trees of Hope“ bezeichnet.
Im September 2025 teilte das britische Forscherteam von Historic England mit, dass der Baum zum Zeitpunkt seiner Fällung mindestens 100–120 Jahre alt gewesen sein müsse und vermutlich bereits Ende des 19. Jahrhunderts oder sogar noch früher gepflanzt worden sei. Grundlage dieser Einschätzung war eine dendrochronologische Untersuchung des gefällten Baumstamms, also die Analyse und Zählung der Jahresringe. Das genaue Alter des Baumes und damit auch der mögliche Pflanzzeitpunkt konnten jedoch nicht mit letzter Sicherheit bestimmt werden. Dafür gab es mehrere Gründe: Die Untersuchung der Querschnittsfläche ist derzeit nur eingeschränkt möglich, die Abgrenzung der Jahresringe erwies sich als schwierig, die Wachstumsentwicklung des Baumes war komplex, und der entnommene Stammquerschnitt befand sich etwa einen Meter über dem Boden. Nach Angaben des Forschungsteams befindet sich das Holz in einem guten Zustand. Über weite Teile der Schnittfläche sind die Jahresringe zwar relativ klar erkennbar, doch an einigen Stellen treten die Ringgrenzen eines Jahresrings weniger deutlich hervor. Zudem zeigen sich an mehreren Stellen Wachstumsanomalien auf. So zum Beispiel eine einzelne Ringgrenze, die sich in drei separate Ringe aufspaltet, bevor sie sich wieder zu einem einzigen Ring verbindet. Diese Besonderheiten erschwerten eine exakte Zählung der Jahresringe erheblich. Die Baumscheibe wird derzeit in Portsmouth in der Historic England National Wood Collection aufbewahrt und soll für künftige Forschungsarbeiten verfügbar bleiben. Nach Möglichkeit sollen dabei auch fortschrittliche wissenschaftliche Methoden eingesetzt werden.
Koordinaten: 55° 0′ 12,8″ N, 2° 22′ 25,9″ W