Szarik

Szarik auf dem T-34-85 Panzer

Szarik (polnisch umgangssprachlich für Die grauen Zellen oder Grips; in der deutschen Übertragung häufig Scharik) ist durch den polnischen Jugendroman Vier Panzersoldaten und ein Hund (1964) von Janusz Przymanowski und die gleichnamige Kultfilmserie (1966) der bekannteste altdeutsche Schäferhund in der Geschichte des polnischen Fernsehens (TVP). Er ist der eigentliche Held der Serie, weil er stets außergewöhnlichen Grips, Mut und tiefste Loyalität in der Kameradschaft beweist, vergleichbar mit dem Hund Rex in der deutschen Krimiserie Kommissar Rex.

Biografie

Szarik ist ein altdeutscher Schäferhund, der zum 15-jährigen Panzersoldaten Janek Kos in der 1943 aufgestellten 1. Polnischen Infanterie-Division „Tadeusz Kościuszko“ gehört. Mit außergewöhnlichem Grips, Mut und tiefster Loyalität versucht er an Janeks Seite, dessen verschollenen Vater wiederzufinden.

Janek empfängt Szarik in der ersten Folge der Serie als Waisenhund von Jefim Siemionycz – Szariks Mutter Mura war während der Jagd von einem Wildschwein tödlich verwundet worden. Die Besatzung besteht zu Beginn aus einem sowjetischen Kommandanten, dem polnischen Protagonisten, einem Oberschlesier und einem Georgier. Sie startet als Teil einer Panzerbrigade in Sielce an der Oka und nimmt an zahlreichen Schlachten bis zur Befreiung Warschaus im Januar 1945 teil. Die Erzählung verläuft entlang dieser Geschichte, der Fokus liegt jedoch auf dem Verhältnis der Besatzung zueinander und ihrer Abenteuer, die sie mit Witz und List bestehen.

Bereits in der zweiten Episode beschließt der Oberst, Szarik auf die provisorische Liste der Einheit zu setzen. Vor dem Überfall wird auch ein Teil für Szarik während der Freisetzung des Furrags ausgegeben.

In der dritten Folge wird Szarik Besatzungsmitglied auf Geheiß des Obersts – für den Hund ein praktischer Vorteil des Rechts auf ein dauerhaftes Essen aus der Feldküche.

Hintergrund zu den Dreharbeiten

Szarik mit Janusz Gajos bei den Dreharbeiten der TV-Serie (1969)

Die Geschichte wurde als TV-Serie verfilmt und erstmals am 9. Mai 1966 im TVP ausgestrahlt. Eigentlich sollte sie nur acht Episoden enthalten, war jedoch so beliebt, dass Przymanowski zwei weitere Bücher schrieb, die die Serie auf insgesamt 21 Episoden in drei Staffeln verlängerten und mit der Schlacht um Berlin endeten. Die Serie erhielt schnell Kultstatus und wurde häufig im polnischen Fernsehen wiederholt.

Die Rolle Szariks wurde bis auf zwei Ausnahmen von Trymer gespielt, einem polnischen Polizeihund des Kommandos von Warschau-Żoliborz, der an seinen Tracking-Hundeuntersuchungen gescheitert war und aufgrund geringer Aggressionsraten außer Dienst gesetzt werden sollte. Sein erster Trainer war Leonard Sosnowicz, der später durch den berühmten „Hundeprofessor“ Franciszek Szydłek ersetzt wurde. Am Filmset war Trymer brillant. Er verkörperte die besten Eigenschaften eines idealen Diensthundes. Andere Hundedarsteller waren Spik und Atak. Letzterer war ein aggressiver Hund, der sich für Filmszenen eignete, die Attacken erforderten, bspw. in der Hotel-Excelsior-Episode. Das Aussehen unterscheidet sich von Trymer, so dass Atak in der Episode zuvor mithilfe von Fotos charakterisiert werden musste.

Nachdem er den Dreh für die Serie beendet hatte, trat Trymer nicht wieder in den Polizeidienst. Er lebte noch 16 Jahre außer Dienst und starb 1979. Nach seinem Tod wurde er dank der Beteiligung der Mitarbeiter des Instituts für Zoologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften kostenlos ausgestopft. Heute ist er in Polens Polizei-Hundetrainingszentrum Sułkowice zu sehen, wo er einer einzigartigen Ausstellung dient – zur Erinnerung an den Kulthelden der Volksrepublik Polen. Weil die Leute ihn oft streichelten, beschlossen die Behörden, ihn in einer Glasvitrine einzusperren, weil er völlig kahl gewesen wäre.

Wirkung

Polnisches Fanabzeichen zur Serie

1964 erschien Przymanowskis Jugendroman Vier Panzersoldaten und ein Hund, der – nach dem Veröffentlichungserfolg – in den Kanon der Lesungen für polnische Schüler der siebten Klasse gelegt worden war. Mit der gleichnamigen polnischen TV-Serie (1966) gewann er an Popularität. In den Schulen organisierte man Akademien sowie Theater für Kinder und Jugendliche, gründete Fernseh-Panzerclubs. Obwohl die Mädchen meistens Marusia und die Jungen Janek sein wollten, war für viele Menschen der wahre Held... der altdeutsche Hund Szarik.

Die Popularität der Serie führte dazu, dass die Filmcrew Dutzende von Treffen im In- und Ausland abhielt. Die Protagonisten der Serie trafen sich mit jungen Zuschauern anlässlich des Kindertags auf dem Feld vor dem Kulturpalast (Warschau), im Wisła-Stadion Krakau oder auf den Straßen von Łódź, wo der Panzer nicht durch die Stadt fahren konnte, und waren das „Gesicht“ einer Ausstellung von Rassehunden 1967 in Warschau. Die Kinder vergötterten Szarik sogar. Der Hund erhielt Schulschilde, Abzeichen, Lorbeeren, Medaillen und Dekorationen von ihnen. Viele Hunde in Polen wurden nach ihm benannt, sogar Dackel.

In einem Interview mit dem Baltic Journal bekannte Jugendbuchautor Przymanowski, dass die Kultfilmserie bei den jüngsten Zuschauern den größten Eindruck hinterlasse, und größter „pädagogischer“ Erfolg der Serie die sogenannten Fernseh-Panzerclubs seien, die junge Menschen aus ganz Polen zusammenbringen. Diese führten Propagandakampagnen durch, in dem sie Kindern und Jugendlichen das Kapitel ihrer jüngeren Landesgeschichte über die Besatzung während des Krieges vermittelten, "die ein beispielloses Martyrium für Polen bedeutete. Ohne diese Erfahrung ist das heutige Polen kaum zu begreifen. [...] Fast immer bildet an der Weichsel die kollektive Erinnerung, besonders an den Zweiten Weltkrieg, den Bezugspunkt und Hintergrund für die Bewertung der Gegenwart. [...] Jede Generation identifiziert sich mit dem Heldentum und Leiden der Vorfahren. Über die Vergangenheit, selbst über das ferne Mittelalter, wird in "Wir"-Form berichtet und debattiert. Dank ihres kollektiven Gedächtnisses hat die Nation die Zeiten der Fremdherrschaft überlebt. Folglich identifiziert sich auch ein Großteil der heutigen Polen mit ihren Eltern und Großeltern, die vor allem unter der deutschen Besatzung zu leiden hatten.", schreibt der langjährige Osteuropa-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung Thomas Urban. Die Fernseh-Panzerclubs organisierten deshalb auch Treffen mit Veteranen des Ersten Weltkriegs. Die Jugendlichen erfüllten Aufgaben, die beispielsweise darin bestanden, das Datum der Befreiung ihres Ortes zu bestimmen oder den ersten Tag nach ihrer Befreiung zu beschreiben. Die Mädchen der „Marusia“-Crew berichteten, dass sie an ihrer Schule ein Hundeheim eingerichtet hatten: „Wir haben fünf Hunde und diese Hunde werden nie wieder hungrig sein.“ Clubmitglieder trugen gepanzerte Truppenabzeichen, und die Kommandanten von Offiziersemblemen, jedes neue Clubmitglied gelobte, „die Ehre der Crew zu bewachen, die Aufgaben des Clubs zu erfüllen, anderen zu helfen, Schwierigkeiten mit einem Lächeln zu überwinden.“

Es waren nicht nur die jungen Leute, die Szarik liebten. Auf der Welle der großen Popularität der Serie wurde die Filmcrew eingeladen, sich 1968 in Prag zu treffen. Vor der Abreise wollte der Kapitän des tschechoslowakischen Flugzeugs nicht einmal den Hund zusammen mit den Passagieren an Bord fliegen hören. Nachdem er erklärt hatte, dass der Hund Szarik war, lud der Kapitän ihn in seine Kabine ein und fütterte ihn während der gesamten Reise mit Leckereien.

Im Jahr 1968 besaßen etwa 37 % der polnischen Haushalte einen Fernseher und die Regierung nahm mittlerweile das Fernsehen als Medium für ideologische Inhalte ernst. Schließlich förderte die Kulturabteilung des Baltic Journals den Kauf von Przymanowskis Buch mit den Autographen der Hauptfiguren der Serie und natürlich mit dem Druck von Szariks Pfote.

Przymanowskis Bücher erschienen auch auf Deutsch in der Reihe „Spannend erzählt“ vom Verlag Neues Leben, der in der DDR Jugendliteratur herausgab. Dieser Band stellte eine gekürzte Fassung der ersten beiden Bände dar; die Geschichte endete vor der Überschreitung der Oder. Bebildert war das Buch von Karl Fischer, einem der bekanntesten Jugendbuchillustratoren der DDR (eine erstmals ungekürzte Fassung des Jugendromans erschien beim Verlag im Jahre 2018). Auch die Serie war über Polen hinaus in vielen Staaten der UdSSR beliebt und die etwa einstündigen Folgen wurden ab 1968 auch wöchentlich in der DDR ausgestrahlt.

Kritik

Grundlegende Kritik gab es weniger an Szarik, dem loyalen Hundekameraden, sondern an der Menge und Art der ausgestrahlten Kriegsfilme und -serien. Bücher und Serie waren so beliebt, weil sie viele Schattenseiten des Krieges ausblendeten oder diese mit nachfolgenden humoristischen Szenen ausglichen. Die Geschichte bot der polnischen Gesellschaft eine Interpretation des Zweiten Weltkrieges an, welche sich auf den patriotischen Befreiungskampf von Polen gegen Deutschland konzentrierte – an der Seite der Sowjetunion. Die Einsätze und der Umgang mit dem Panzer sind stark vereinfacht dargestellt. Der Fokus liegt auf einer leichten Heldengeschichte, doch es werden auch ernste Themen angesprochen.

DVD

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Geschichte mit einem Knochen für Szarik und Landung des Kochs in einem Kartoffelkessel
  2. ↑ in dessen Folge der Koch getötet wird
  3. ↑ F03 Wo wir – dort die Grenze
  4. ↑ Der Mentor für Szydłek war ein herausragender Experte für die Fragen der Ausbildung, der Vorkriegspolizist Józef Pawłusiewicz. Er entwickelte und modernisierte die Trainingstechniken unter Einsatz wissenschaftlicher Forschung und praktischer Beobachtung und Wissen über die Psyche der Tiere. Er betonte, dass es keine körperliche Züchtigung im Training geben kann, weil sich der Auftragshund an den unangenehmen Moment erinnert und aufhört, seinem Führer zu vertrauen; die Bindung zwischen Mensch und Tier verschwindet. In dem Artikel "Tales of the Mener about Dog Actors", der 1974 in der Zeitschrift "Dog" veröffentlicht wurde, erwähnte Franciszek Szydłek, dass oft zu wenig Wissen über Tiere in Filmemachern eine Nachfrage von ihnen verursachte, unmögliche Dinge zu tun. Aus diesem Grund wurde er während der Dreharbeiten für professionelle Beratungen angefordert.
  5. ↑ To & Owo Nr. 44/2006.
  6. ↑ Ganz Polen kannte diesen Hund. Heute kann es jeder mit eigenen Augen sehen
  7. ↑ Thomas Urban, Polen - Portrait eines Nachbarn, Verlag C.H. Beck, 2008, Einleitung S. 9