| Szczaniec | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Lebus | |
| Powiat: | Świebodziński | |
| Gmina: | Szczaniec | |
| Geographische Lage: | 52° 16′ N, 15° 41′ O | |
| Einwohner: | 1473 (2006) | |
| Postleitzahl: | 66-225 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 68 | |
| Kfz-Kennzeichen: | FSW | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Eisenbahn: | Rzepin–Zbąszynek | |
| Nächster int. Flughafen: | Posen | |
Szczaniec (deutsch Stentsch) ist ein Dorf im Powiat Świebodziński der Woiwodschaft Lebus in Polen. Es ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde mit etwa 3850 Einwohnern.
Der Ort liegt in Niederschlesien, etwa zehn Kilometer östlich der Stadt Świebodzin (Schwiebus) und zwanzig Kilometer südsüdöstlich der Stadt Międzyrzecz (Meseritz).





Die Ortschaft Stentsch bestand in älterer Zeit im Wesentlichen aus zwei etwa gleich großen Rittergütern, Mittel Stentsch und Ober Stentsch genannt. Den aus zwei Anteilen bestehenden Gutsbezirk Stentsch erkaufte 1746 und 1748 George Gottlob v. Knobelsdorff (1708–1762); seine Tochter, verehelichte Freifrau v. Gersdorff, war die Erbnehmerin von Stentsch. Laut der Schlesischen Vasallen-Tabelle befanden sich im Jahr 1752 beide Anteile in den Händen des George Gottlob v. Knobelsdorff. Um 1858 besaß Mittel Stentsch ein von Kalckreuth, während sich Ober Stentsch im Besitz eines Justizrats Hünke befand. Die beiden Gutsherrn übten das Patronat über die evangelische Dorfkirche aus.
Im Jahr 1853 hatte das Gut Mittel Stentsch eine Flächengröße von 2682 Morgen und 109 Quadratruten, davon 1310 Morgen Ackerland, 101 Morgen Wiesen und 830 Morgen Forstland, und befand sich im Besitz der Em. v. Kalkreüth geb. v. Oppen. In demselben Jahr hatte das Gut Ober Stentsch eine Flächengröße von 2321 Morgen, davon 1245 Morgen Ackerland, 700 Morgen Wiesen und 355 Morgen Forstland, und befand sich im Besitz des Carl Friedrich Hünke. Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gehörten die beiden Güter noch denselben Familien.
Nachfahren der Kalckreuth, Oberleutnant d. R. Arthur von Kalckreuth und seine Ehefrau Marie von Wedel, standen in Briefkontakt mit der Familie von Theodor Fontane.
Die Langemeinde Stentsch bildete zusammen mit den beiden selbständigen Gutsbezirken Mittel Stentsch und Ober Stentsch den Amtsbezirk Stentsch.
Um 1910 hatte Stentsch eine evangelische Pfarrkirche, eine Spar- und Darlehnskasse, eine Molkerei und eine Ziegelei; innerhalb der Ortschaft befand sich eine Bahnmeisterei. Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 1174 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Stentsch 173 viehhaltende Haushaltungen gezählt, in dem 668 Hektar umfassenden Gutsbezirk Mittel Stentsch 18 viehhaltende Haushaltungen und in dem 612 Hektar umfassenden Gutsbezirk Ober Stentsch 24 viehhaltende Haushaltungen. Um 1914 besaß die Witwe Anna Hünke geb. Kahle das Rittergut Ober Stentsch, in Form eines Familienfideikommiss. Vor 1930 war Ober Stentsch Teil des Hünkesches Fideikommiss Stentsch und im Besitz des Torsten Hünke von Podewils, Mittel Stentsch schon über Jahrzehnte im Eigentum des Friedrich von Kalckreuth.
Am 1. April 1927 hatte das Gut Mittel Stentsch eine Flächengröße von 667 Hektar und 95 Ar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 119 Einwohner. Zu den gleichen Zeiten hatte das Gut Ober Stentsch eine Flächengröße von 611 Hektar und 91 Ar sowie 87 Einwohner. Am 30. September 1928 wurden die Gutsbezirke Mittel Stentsch und Ober Stentsch in die Landgemeinde Stentsch eingegliedert.
1935 gab es in Stentsch drei Gasthöfe, eine Spar- und Darlehnskasse, eine Bierbrauerei, eine Eiergroßhandlung, drei Gärtnereien, zwei Getreidehandlungen, eine Maschinenfabrik, zwei Mühlen, eine Weinhandlung und eine Reihe von Einzelhandelsgeschäften, Dienstleistern sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben.
Letzter Gutsbesitzer auf Mittel Stentsch vor 1945 blieb der Offizier Friedrich von Kalckreuth, der nach der Enteignung seinen Lebensabend bis 1949 in Holstein verbrachte. Seine Ehefrau Ingeborg, geb. von Schauroth, war eine Tochter des Generalleutnants Athos von Schauroth. Sie lebte als Witwe in Hannover-Buchholz. Der andere Stentscher Rittergutsbesitzer Torsten Hünke von Podewils (1909–2007), verheiratet mit Ilsabe Deneke, wurde mit seiner älteren Schwester Waltraut Hünke 1923 vom Ober-Regierungsrat Hasso von Podewils (1878–1956) adoptiert. Der Hintergrund war die Witwe des Hans Hünke-Stentsch, Karoline (Carola) Hünke, geb. von Schack (1883–1937), Tochter des Generalleutnants und Genealogen Hans von Schack. Gutsherr Hünke-von Podewils wirkte schon früh auch als Autor, dann als Komponist und Musikdirektor an westdeutschen Theatern.
Das Gemeindegebiet zählte bis 1945 zum Kreis Züllichau-Schwiebus im Regierungsbezirk Frankfurt der Provinz Brandenburg des Deutschen Reichs. Stentsch war Sitz des Amtsbezirks Stentsch.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde Stentsch von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben und durch Polen ersetzt. Die deutsche Ortschaft Stentsch wurde in Szczaniec umbenannt.
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1816 | 666 | Dorf und zwei Vorwerke, Wasser- und Windmühle, adlige Besitzung, mit einer Mutterkirche |
| 1840 | 888 | Dorf in zwei Anteilen mit zwei Rittergütern und insgesamt 131 Häusern: a) Mittel Stentsch mit 65 Häusern und 438 Einwohnern, darunter zehn Katholiken und zwei Juden, Rittergutsbesitzer v. Kalkreuth, zugleich Pol.-Anwalt; b) Ober Stentsch mit 66 Häusern und 450 Einwohnern, darunter sieben Katholiken, Rittergutsbesitzer Hünke, Justizrat Nach anderen Angaben in 140 Wohngebäuden, Dorf in zwei Anteilen, mit einer Schäferei, einer Wassermühle und zwei Windmühlen, zwei Rittergüter, im Besitz der Frau v. Sydow in Schmarse, Witwe des Landesdirektors v. Sydow, bzw. der Kalkreuthschen Erben in Stentsch befndlich, mit einer evangelischen Pfarrkirche |
| 1852 | 850 | Dorf und zwei Rittergüter |
| 1864 | 1011 | Gemeindebezirk Stentsch sowie Gutsbezirke Ober Stentsch und Mittel Stentsch zusammen |
| 1867 | 1060 | am 3. Dezember, davon 838 in der Landgemeinde, 98 im Gutsbezirk Mittel Stentsch und 124 im Gutsbezirk Ober Stentsch |
| 1871 | 1140 | am 1. Dezember, davon 866 in der Landgemeinde (833 Evangelische, 15 Katholiken, 13 sonstige Christen und fünf Juden), 120 im Gutsbezirk Mittel Stentsch (109 Evangelische und elf Katholiken) und 154 im Gutsbezirk Ober Stentsch (153 Evangelische und eine katholische Person) |
| 1890 | 1171 | am 1. Dezember, davon 976 in der Landgemeinde, 94 im Gutsbezirk Miittel Stetsch und 101 im Gutsbezirk Ober Stentsch |
| 1895 | 1243 | am 2. Dezember, davon 1049 in der Landgemeinde (1028 Evangelische, 18 Katholiken und drei Juden), 83 im Gutsbezirk Mittel Stentsch (81 Evangelische und zwei Katholiken) und 111 im Gutsbezirk Ober Stentsch (109 Evangelische und zwei Katholiken) |
| 1910 | 1204 | am 1. Dezember, davon 1032 in der Landgemeinde, 80 im Gutsbezirk Mittel Stentsch und 92 im Gutsbezirk Ober Stentsch |
| 1933 | 1165 | |
| 1939 | 1152 |
Im früheren Schwiebuser Kreis hatte die Reformation 1538 hier in Stentsch begonnen, als Pastor Bechner im Amt war, bevor sie 1541 in Schwiebus Eingang fand. Am Weihnachtsabend 1614 überfielen Kosaken, die in Meseritz standen, das Dorf Stentsch und ermordeten u. a. den Pfarrer Mag. Leonard Pfeffer (Piperus), der seit 1566 hier im Amt war. Sein Sohn Joachim war von 1600 bis 1616 Prediger in Seeren, bis 1614 in Buckow bei Züllichau, bis 1617 in Stentsch und anschließend Diakon in Schwiebus, wo er am 7. November 1627 starb. Im März 1654, als Stentsch mit Klein Dammer eine evangelische Parochie bildete, musste im Rahmen der Gegenreformation die Dorfkirche den Katholiken restituiert werden, die schon einmal im Jahr 1629 der Katholischen Kirche hatte zurückerstattet werden müssen. 1714 wurden in Stentsch und Muschten neue Kirchen erbaut und unter einem Pastor verbunden; der erste Pastor hieß Böhme. 1839 wurde die Dorfirche neu aufgebaut, nach 1945 wurde sie zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet. Die Stentscher Dorfbewohner vor 1945 waren mit wenigen Ausnahmen evangelischer Konfessinon.
Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft gehört größtenteils der polnischen katholischen Kirche an.
Zur Landgemeinde Szczaniec gehören 12 Dörfer mit Schulzenamt (sołectwo).