Tadej Brate

Tadej Brate anlässlich der Feierlichkeiten zum Jubiläum 160 Jahre Südbahn

Tadej Brate, manchmal auch Tadej Braté, (* 31. März 1947 in Ljubljana; gestorben am 11. Januar 2022 ebenda) war ein slowenischer Industriearchäologe und Sachbuchautor.

Herkunft

Seine Mutter war Frančiška Brate, geb. Trojar. Der Vater Franc Brate war in einem Handelsunternehmen tätig. Tadej war schon als Kind ein Liebhaber des Eisenbahnwesens.

Ausbildung

Auf eigenes Betreiben sandten ihn seine Eltern als Lehrling nach Wien, um dort in der Wiener Lokomotivfabrik praktische Fertigkeiten zu erlernen. Aus dieser Zeit stammte sein erstklassiges Deutsch mit dem für Akademiker ungewöhnlichen Soziolekt Wiener Arbeiter. Von 1961 bis 1965 besuchte er ein Technisches Gymnasium für Maschinenbau.

1971 schloss Tadej Brate ein Studium an der Fakultät für Maschinenbau der Universität Ljubljana ab. In den 1990er-Jahren ermöglichte ihm sein Arbeitgeber ein ergänzendes Studium in Großbritannien. 1997 absolvierte Brate einen Masterstudiengang für Industriearchäologie an der Universität Birmingham.

Im Jahr 2014 wurde er nach Vorlage einer Dissertation über Waldbahnen in Slowenien an der Biotechnischen Fakultät der Universität Ljubljana promoviert und erwarb somit ein Doktorat für Forstwirtschaft.

Berufliches

Von 1984 bis zu seinem Ruhestand war er beim Slowenischen Institut für den Schutz des Natur- und Kulturerbes als Spezialist für Industriearchäologie tätig. Seine Forschungsarbeit konzentrierte sich auf jugoslawische und slowenische Eisenbahngeschichte, er war aber auch in anderen Gebieten der Technikgeschichte fachlich und publizistisch tätig, namentlich etwa Bergbau, Hüttenwesen, Brückenbau und Eisenbahnarchitektur.

Weitere Aktivitäten

Triebwagen 5 der Straßenbahn Ljubljana, 1990 noch in Brates Vorgarten, fotografiert von seinem Schweizer Kollegen Hans-Peter Bärtschi

Brates großes Interesse galt auch der ehemaligen Straßenbahn Ljubljana. Er gilt als Retter des im Technischen Museum Sloweniens auf Schloss Bistra ausgestellten Straßenbahnwagens aus der Ursprungszeit dieses Betriebes – an der Restaurierung war er selbst maßgeblich und handwerklich beteiligt.

Familie

Tadej Brate war verheiratet bzw. in seinen letzten Lebensjahren verwitwet. Er war Vater eines Sohnes.

Trivia

Brate begann Lokomotiven zu fotografieren, als in Jugoslawien noch Fotografierverbot für Eisenbahnanlagen galt. Er berichtete in späteren Jahren gerne von Eulenspiegeleien junger Jahre, um – wenn er erwischt wurde – unerwünschten Folgen zu entgehen. Meist hatte er – eigenen Worten zufolge – mit der Strategie Erfolg, sich als geistig minderbemittelte Person darzustellen.

Am Telefon meldete sich Brate bei österreichischen Freunden gerne lachend mit „Servus. Da ist der Jugo!“ – Jugo steht hier für eine umgangssprachliche, meist abwertende, Bezeichnung für jugoslawische Gastarbeiter im Österreich der Wirtschaftswunderjahre.

Medien

Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender Radiotelevizija Slovenija erstellte eine umfangreiche Dokumentation zu Leben und Wirken von Tadej Brate. Die Erstausstrahlung war am 20. Juli 2014 (in slowenischer Sprache).

Werke

Brate war ein sehr produktiver Autor und publizierte hauptsächlich auf Slowenisch. Einige seiner Bücher und Beiträge sind auf Deutsch erschienen:

Auf Slowenisch (Auswahl):

Auf Englisch:

Sein Buch über die Lokalbahn Triest–Parenzo erschien sowohl auf Slowenisch als auch auf Italienisch und Englisch:

Commons: Tadej Brate – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ In memoriam: dr. Tadej Brate. Eisenbahnmuseum Ljubljana, 13. Januar 2022, abgerufen am 19. Januar 2022 (slowenisch).
  2. ↑ Mohorjeva – Hermagoras | Verlag | Autor: Tadej Braté. Abgerufen am 11. Januar 2022.
  3. 1 2 3 Brate, Tadej (1947–). In: Slovenska biografija. Abgerufen am 11. Januar 2022 (slowenisch).
  4. ↑ Tadej Brate Whois. In: xwhos.com. Abgerufen am 11. Januar 2022 (englisch).
  5. ↑ Tadej Brate. Interview. In: rtvslo.si, 20. Juli 2014, abgerufen am 26. Januar 2022 (51:53 min).
Personendaten
NAME Brate, Tadej
ALTERNATIVNAMEN Braté, Tadej
KURZBESCHREIBUNG slowenischer Industriearchäologe und Autor
GEBURTSDATUM 31. März 1947
GEBURTSORT Ljubljana
STERBEDATUM 11. Januar 2022
STERBEORT Ljubljana