
Taha al-Haschimi (arabisch طه الهاشمي, DMG Ṭāhā al-Hāšimī; * 1888 in Bagdad; † 11. Juni 1961 in London) war ein irakischer Offizier, Politiker und kurzzeitig Premierminister des Irak. Er diente zunächst in der osmanischen Armee und später in der irakischen Armee. Im Jahr 1941 stand er für zwei Monate an der Spitze der irakischen Regierung. Sein Bruder Yasin al-Haschimi war ebenfalls Premierminister des Irak.
Al-Haschimi wurde 1888 in eine sunnistisch-arabische Familie der Mittelschicht in Bagdad geboren, die ihre Abstammung auf die Haschimiten zurückführt. Nach einer religiösen Grundausbildung besuchte er eine Grundschule und anschließend eine militärische Sekundarschule, die er 1903 abschloss. Danach studierte er an der Militärakademie in Istanbul, die er 1906 beendete. Anschließend trat er als Offizier in die osmanische Armee ein. Nach dem Abschluss des Generalstabslehrgangs wurde er 1909 zum Hauptmann befördert. Obwohl in osmanischen Diensten, nahm er Kontakte zu arabisch-nationalistischen Kreisen auf.
Während seiner osmanischen Militärlaufbahn nahm al-Haschimi an den Balkankriegen teil. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er im Jemen gegen britische Truppen und geriet nach der osmanischen Niederlage zeitweise in Kriegsgefangenschaft. 1921 schied er aus dem osmanischen Militärdienst aus und kehrte in den Irak zurück. Dort wurde er zunächst als Kommandeur in der Provinz Mossul eingesetzt. In den folgenden Jahren bekleidete er verschiedene militärische Ämter und stieg zu einer wichtigen Figur der irakischen Offizierselite auf. Er wurde zudem von König Faisal I. mit der Ausbildung seines Sohnes Ghazi I. beauftragt. Geprägt war diese Zeit von Stammesrevolten im ethnoreligiös vielfältigen Irak, an deren Niederschlagung sich Haschimi beteiligte.
Neben seiner militärischen Tätigkeit war al-Haschimi auch publizistisch und übersetzerisch aktiv. In der Forschung wird er unter anderem als Vertreter einer irakischen Elite beschrieben, die sich für das japanische Modernisierungsmodell interessierte und Japan als Beispiel für einen nichtwestlichen Staat betrachtete, der militärische und staatliche Reformen erfolgreich umgesetzt hatte.
Al-Haschimi wurde später Verteidigungsminister und gehörte damit zu den führenden Militärpolitikern des Königreichs Irak. Seine politische Bedeutung erreichte ihren Höhepunkt während der Krise des Jahres 1941. Nach dem Sturz der Regierung von Raschid Ali al-Gailani ernannte der Regent 'Abd al-Ilah al-Haschimi zum Premierminister. Er amtierte vom 1. Februar bis zum 1. April 1941.
Seine Regierung blieb jedoch kurzlebig. Als der Regent aus Furcht vor einem Anschlag das Land verließ, trat al-Haschimi zurück. Danach kehrte der prodeutsche Raschid Ali al-Gailani an die Macht zurück. Die Ereignisse führten wenig später zum anglo-irakischen Krieg von 1941, in dem Großbritannien militärisch gegen die irakische Regierung vorging.
Nach dem Ende seiner Amtszeit verließ al-Haschimi den Irak und lebte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Istanbul. Nach seiner Rückkehr engagierte er sich erneut politisch. 1951 gehörte er zu den Gründern der Vereinigten Volksfront, einer oppositionellen Partei, deren erster Vorsitzender er wurde. Die Partei forderte politische Reformen und freie Wahlen. Nach drei Jahren wurde er zum Vizepräsidenten des Rates für Wiederaufbau ernannt, jener irakischen Institution, die für die Modernisierung der irakischen Infrastruktur zuständig war und nach der Revolution vom 14. Juli 1958 abgeschafft wurde.
Im Ruhestand verfasste seine Memoiren und weitere Bücher, die einen Überblick über die arabische Geschichte sowie den irakischen Staat während der Monarchie boten. Taha al-Haschimi starb am 11. Juni 1961 in London und wurde in Bagdad begraben. Als moderater arabischer Nationalist und Reformer galt er als einer der Gründerväter des modernen irakischen Staates.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Taha al-Haschimi |
| ALTERNATIVNAMEN | طه الهاشمي (arabisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | irakischer Offizier, Politiker und kurzzeitig Premierminister des Irak |
| GEBURTSDATUM | 1888 |
| GEBURTSORT | Bagdad |
| STERBEDATUM | 11. Juni 1961 |
| STERBEORT | London |