Yasin al-Haschimi

Yasin al-Haschimi (1927)

Yasin al-Haschimi (geboren als Yasin Hilmi Salman; arabisch ياسين الهاشمي, DMG Yāsīn al-Hāšimī; * 1884 in Bagdad; † 21. Januar 1937 in Beirut) war ein irakischer Offizier und Politiker. Er amtierte zweimal als Premierminister des Irak, zunächst von 1924 bis 1925 und erneut von 1935 bis zu seinem Sturz durch den Militärputsch von Bakr Sidqi im Oktober 1936. Wie mehrere führende Politiker des frühen Irak hatte al-Hashimi seine Laufbahn als Offizier im Osmanischen Reich begonnen. Sein Bruder Taha al-Haschimi war 1941 ebenfalls Premierminister.

Leben

al-Haschimi wurde 1884 in Bagdad geboren. Die Familie war sunnitisch-muslimisch und zählte zur städtischen Mittelschicht. Sein Vater war Muhtar eines Stadtviertels von Bagdad. Er besuchte die osmanische Militärakademie in Istanbul, die er 1902 abschloss. Während seiner Ausbildung nahm er den Namen al-Haschimi an, der auf die von seiner Familie beanspruchte Abstammung von den Haschimiten verwies.

Im osmanischen Heer machte al-Haschimi Karriere und schloss sich 1913 in Mossul der arabisch-nationalistischen Geheimorganisation Al-Ahd an. Im Ersten Weltkrieg blieb er zunächst dem Osmanischen Reich treu, obwohl er Kontakte zu arabischen Nationalisten unterhielt. 1917 befehligte er eine osmanische Division an der Front in Galizien, später kämpfte er im Raum Tulkarm, Amman und As-Salt. Für seine Erfolge gegen die Russen während des Kriegs wurde er unter anderem vom deutschen Kaiser Wilhelm II. gewürdigt und anschließend zum Generalmajor befördert.

Nach dem Zusammenbruch der osmanischen Herrschaft trat al-Haschimi in den Dienst von Faisal, der in Damaskus eine arabische Regierung bildete. Er wurde Präsident des Militärrates und war am Aufbau einer arabischen Armee beteiligt. Wegen seiner Aktivitäten gegen die französische und britische Einflussnahme wurde er Ende 1919 von britischen Stellen festgenommen und zeitweise in Palästina festgehalten. Seine Festnahme löste eine Krise in Faisals Regierung aus und führte zu Protesten und Unruhen in Damaskus. Nach der französischen Einnahme von Damaskus 1920 durfte er in den Irak zurückkehren, wo Faisal 1921 König wurde.

Politische Laufbahn im Irak

1922 wurde al-Haschimi Gouverneur der Provinz Muntafiq. Nach seiner Wahl in die verfassunggebende Versammlung wurde er im August 1924 von König Faisal zum Premierminister ernannt. Als Ministerpräsident ernannte sich al-Haschimi selbst zum Verteidigungsminister und Außenminister. Seine erste Amtszeit fiel in eine Phase, in der der anglo-irakische Vertrag und die Frage der britischen Mandatsherrschaft die irakische Politik bestimmten. Im Juni 1925 wurde er durch Abd al-Muhsin as-Sa'dun ersetzt.

In der Opposition gründete al-Haschimi die Volkspartei und später gemeinsam mit Ja'far Abu Timman die Partei der Nationalen Brüderschaft. Diese Partei wandte sich gegen die britische Vorherrschaft und trat für Unabhängigkeit und politische Reformen ein. Nach der formalen Unabhängigkeit des Irak 1932 blieb al-Haschimi eine zentrale Figur des arabisch-nationalistischen Lagers.

Im März 1935 wurde al-Haschimi erneut zum Premierminister ernannt. Während seiner zweiten Amtszeit ging die Regierung hart gegen Stammesaufstände, kurdische Unruhen und einen Aufstand der Jesiden im Dschabal Sindschar vor. Zugleich regierte al-Haschimi zunehmend autoritär, baute Polizei und Nachrichtendienste aus und unterdrückte öffentliche Kritik an seiner Regierung, was zu Unzufriedenheit in der Armee führte. Al-Haschimi arabisch-nationalistische Überzeugungen waren während seiner zweiten Amtszeit als Ministerpräsident so ausgeprägt, dass er in arabisch-nationalistischen Kreisen als „Bismarck der Araber“ bekannt wurde.

Am 30. Oktober 1936 wurde al-Hashimi durch den von General Bakr Sidqi geführten Militärputsch gestürzt. Es war der erste Militärputsch in der modernen Geschichte des Irak und führte zu einer liberaleren und weniger nationalistisch ausgerichteten Regierung. Während sein Verteidigungsminister Jafar al-Askari getötet wurde, konnte al-Haschimi ins Exil nach Libanon fliehen.

Tod

Grab in Syrien

Al-Haschimi starb am 21. Januar 1937 in einem Krankenhaus in Beirut nach zwei Herzanfällen. Sein Leichnam wurde zunächst nach Damaskus überführt. Dort fand ein großes öffentliches Begräbnis statt, das zu einer Demonstration panarabischer und nationaler Solidarität wurde. Er wurde schließlich beim Mausoleum Saladins nahe der Umayyaden-Moschee in Damaskus bestattet.

Literatur

Commons: Yasin al-Haschimi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Yitzhak Nakash: Reaching for Power: The Shi'a in the Modern Arab World. Princeton University Press, 2011, ISBN 978-1-4008-4146-2, S. 87 (google.com).
  2. 1 2 Muhammad Y. Muslih: The Origins of Palestinian Nationalism. Columbia University Press, 1988, ISBN 978-0-231-06509-2, S. 143–144.
  3. 1 2 Basheer M. Nafi: King Faysal, the British and the Project for a Pan-Arab Congress, 1931–33. In: Islamic Studies. Band 37, Nr. 4, 1998, S. 483–484.
  4. 1 2 Mohammad A. Tarbush: The Role of the Military in Politics: A Case Study of Iraq to 1941. Routledge, 1988, ISBN 978-1-317-40637-2, S. 116–117 (google.com).
  5. ↑ Ali A. Allawi: Faisal I of Iraq. Yale University Press, 2014, ISBN 978-0-300-12732-4, S. 259–261 (google.com).
  6. ↑ Peter Sluglett: Britain in Iraq: Contriving King and Country. I.B. Tauris, 2007, ISBN 978-1-85043-769-7, S. 175 (google.com).
  7. ↑ Charles Tripp: A History of Iraq. Cambridge University Press, 2000, ISBN 978-0-521-52900-6, S. 58–59 (google.com).
  8. ↑ Elie Kedourie: Arabic Political Memoirs and Other Studies. Routledge, 1974, ISBN 978-1-136-27585-2, S. 46–47 (google.com).
  9. ↑ Charles Tripp: A History of Iraq. Cambridge University Press, 2000, ISBN 978-0-521-52900-6, S. 86–88 (google.com).
  10. ↑ Pheobe Marr: The Modern History of Iraq. 2. Auflage. Westview Press, Boulder 2004, ISBN 0-8133-8214-9, S. 44.
  11. ↑ Charles Tripp: A History of Iraq. Cambridge University Press, 2000, ISBN 978-0-521-52900-6, S. 88 (google.com).
  12. ↑ Peter Wien: The Long and Intricate Funeral of Yasin al-Hashimi: Pan-Arabism, Civil Religion and Popular Nationalism in Damascus, 1937. In: International Journal of Middle East Studies. Band 43, Nr. 2, 2011, S. 274, doi:10.1017/S0020743811000067.
  13. ↑ Peter Wien: The Long and Intricate Funeral of Yasin al-Hashimi: Pan-Arabism, Civil Religion and Popular Nationalism in Damascus, 1937. In: International Journal of Middle East Studies. Band 43, Nr. 2, 2011, S. 278–281, doi:10.1017/S0020743811000067.
Personendaten
NAME Yasin al-Haschimi
ALTERNATIVNAMEN Yasin al-Hashimi; Salman, Yasin Hilmi (Geburtsname); ياسين الهاشمي (arabisch)
KURZBESCHREIBUNG irakischer Offizier und Politiker
GEBURTSDATUM 1884
GEBURTSORT Bagdad
STERBEDATUM 21. Januar 1937
STERBEORT Beirut