
Ein Tangentenviereck ist ein Viereck, dessen Seiten Tangenten eines Kreises sind. Diesen Kreis nennt man den Inkreis des Tangentenvierecks. Ein solches Tangentenviereck ist immer konvex. Vierecke, bei denen lediglich die verlängerten Seiten Tangenten eines Kreises sind und die damit auch nicht notwendigerweise konvex sein müssen, sind keine Tangentenvierecke im Sinne der hiesigen Definition. Spezielle Tangentenvierecke sind das Quadrat, die Raute und das Drachenviereck.
Für jedes Tangentenviereck gilt der Satz von Pitot: Die Summe der Längen zweier gegenüberliegender Seiten ist gleich der Summe der Längen der anderen beiden Seiten. Es gilt also
Beweis (siehe Skizze unten):
also
Umgekehrt gilt auch, dass jedes konvexe Viereck mit einen Inkreis besitzt und somit ein Tangentenviereck ist. Der Satz von Pitot und seine Umkehrung werden zusammen auch als Satz vom Tangentenviereck bezeichnet.
Der Mittelpunkt des Inkreises ist der Schnittpunkt der Winkelhalbierenden aller vier Innenwinkel. Deshalb müssen sich beim Tangentenviereck alle Winkelhalbierenden auch in einem Punkt schneiden.
Außerdem ist ein Viereck, das kein Trapez ist, genau dann ein Tangentenviereck, wenn folgenden Bedingungen gelten (siehe Skizze):
Dabei ist E der Schnittpunkt der Geraden und und F ist der Schnittpunkt der Geraden und .
Beweis siehe Wikibooks Beweisarchiv.
Sind P, Q, R, S die Fußpunkte der Lote des Inkreismittelpunkts M auf die Seiten AB, BC, CD, DA und der Inkreisradius des Tangentenvierecks, dann sind die rechtwinkligen Dreiecke MSA und APM nach dem Kongruenzsatz SsW kongruent, weil sie die Seite AM gemeinsam haben und außerdem und gilt. Daraus folgt, dass die Innenwinkel dieser rechtwinkligen Dreiecke jeweils gleich sind, also gilt auch . Entsprechend gilt , und . Die Summe dieser acht Teilwinkel am Inkreismittelpunkt M ist gleich 360°. Daraus folgt schließlich und , also . Die Summe der gegenüber liegenden Winkel am Inkreismittelpunkt beträgt also jeweils 180°.
| Mathematische Formeln zum Tangentenviereck | ||
|---|---|---|
| Flächeninhalt | ||
| Umfang | ||
| Länge der Diagonalen | ||
| Inkreisradius | ||
Mit dem Satz des Pythagoras und dem Kosinussatz erhält man die Längen der tangentialen Sehnen und . Es gilt
Daraus ergibt sich das Längenverhältnis
Für die Winkel jedes Tangentenvierecks gelten folgende Gleichungen:
Ein interessanter Spezialfall liegt vor, wenn ein Tangentenviereck die Bedingung
erfüllt. Unter dieser Voraussetzung ist das Tangentenviereck zugleich ein Sehnenviereck, also ein Viereck mit Inkreis und Umkreis, und wird deshalb auch als Sehnentangentenviereck bezeichnet. Die Formel für den Flächeninhalt liefert in diesem Fall das einfache Ergebnis

Da die Konstruktion eines Sehnentangentenvierecks aufwändiger ist als die eines reinen Sehnen-, bzw. Tangentenvierecks, liefert der nachfolgende Satz ein Kriterium, welches die Konstruktion erleichtert:
Ein Tangentenviereck ist genau dann ein Sehnentangentenviereck, wenn die Verbindungsstrecken gegenüberliegender Berührpunkte des Inkreises senkrecht aufeinander stehen.
Beweis:
Zu zeigen ist, dass das Tangentenviereck genau dann zugleich ein Sehnenviereck ist, wenn gilt.
Anders ausgedrückt ist somit zu zeigen:
Da die beiden Dreiecke und gleichschenklig sind, haben die Winkel und jeweils die Weite und die Winkel und jeweils die Weite .
Das Viereck hat die Innenwinkelsumme
Das Viereck hat die Innenwinkelsumme
Nach Addition dieser beiden Gleichungen erhält man:
Also ist genau dann, wenn , was zu zeigen war.