| Tatra-Jug | |
|---|---|
| Rechtsform | LLC |
| Gründung | 1993 |
| Sitz | Odessa |
| Mitarbeiterzahl | ca. 100–200 |
| Branche | Straßenbahn-Fahrzeugbau |
| Website | tatra-yug.com.ua |
| Stand: 2020 | |

Tatra-Jug oder Tatra-Yug (ukrainisch Татра-Юг, Eigenschreibweise ТАТРА-ЮГ) ist ein ukrainischer Straßenbahn-Fahrzeughersteller, der 1993 als Joint Venture der Unternehmen ČKD Dopravní systémy und Juschmasch entstand. Der Firmensitz befindet sich in Odessa, die Produktion hingegen in Dnipro. Eingesetzt werden die Fahrzeuge in mehreren ukrainischen Netzen und bei der Straßenbahn Alexandria.

Zunächst fertigte das Unternehmen Großraum-Triebwagen des Typs Tatra T6B5 (auch T3M genannt) als Lizenzbauten, für die die Wagenkästen noch von ČKD aus Prag zugeliefert wurden. Diese Fahrzeuge unterscheiden sich äußerlich nur durch das auf der Front angebrachte Logo von Tatra-Jug bzw. Juschmasch von den in Prag gebauten T6B5. Zur Unterscheidung von diesen werden sie T6B5-Jug oder T3M-Jug genannt. Nach der Geschäftsaufgabe von ČKD verwendete Tatra-Jug noch Teile aus der Konkursmasse für die weitere Produktion und begann, die Fahrzeuge eigenständig weiterzuentwickeln und zu bauen. 2001 entstand der Prototyp des ersten eigenen Fahrzeugtyps K1, der auf dem T6B5 basiert. Er wurde später zum teilniederflurigen K1M und zum ebenfalls teilniederflurigen, dreiteiligen Gelenktriebwagen K1M8 weiterentwickelt.
Die Typen K1M und K1M8 fanden jedoch nur wenige Abnehmer und der K1 war als Hochflurwagen nicht mehr zeitgemäß. 2014 und 2015 konnte Tatra-Jug kein einziges Fahrzeug verkaufen. Gründe dafür waren die durch den Russisch-Ukrainischen Krieg allgemein verschlechterten wirtschaftlichen Bedingungen, die nicht immer befriedigende Fertigungsqualität und die Stornierung einer K1-Bestellung aus Kiew zugunsten von Fokstrot-Niederflurwagen des Herstellers Pojazdy Szynowe Pesa Bydgoszcz. Konkurrenz hat Tatra-Jug auf dem ukrainischen Markt allerdings nicht nur durch Neufahrzeuge anderer Hersteller, sondern auch durch Gebrauchtfahrzeuge, hauptsächlich Tatrawagen, aus anderen Ländern.
Um wieder Aufträge zu bekommen, entwickelte das Unternehmen schließlich die zeitgemäßen, überwiegend oder vollständig niederflurigen Gelenktriebwagentypen K1M6 und K1T. 2017 erhielt das Unternehmen auch einen ersten Auftrag aus dem Ausland, allerdings für vollständig hochflurige Gelenkwagen des Typs K1E6. 2025 war Tatra-Jug das einzige Unternehmen, das Neufahrzeuge an ukrainische Straßenbahnbetriebe lieferte. Je nach aktueller Auftragslage hat das Unternehmen etwa 100 bis 200 Beschäftigte (Stand 2020).
| Typ | Art | Niederflurigkeit | Anzahl | Länge | Breite | Höhe | Sitzplätze | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| T3M-Jug | Großraumtriebwagen | – | 38 | 15.300 mm | 2500 mm | 3145 mm | 40 | |
| K1 | – | 72 | 15.620 mm | |||||
| K1M | teilweise | 27 | 15.638 mm | |||||
| K1M8 | Gelenktriebwagen | teilweise | 4 | 30.638 mm | 67 | |||
| K1E6 | – | 15 | 22.000 mm | 2200 mm | 3150 mm | 30 | ||
| K1M6 | überwiegend | 1 | 26.800 mm | 2500 mm | 3500 mm | 51 | ||
| K1T | Gelenk- oder Großraumtriebwagen | vollständig | 46 | variabel | 3430 mm | variabel |
Der K1 oder K-1 ist ein vollständig hochfluriger Einrichtungs-Großraumtriebwagentyp, der wagenbaulich fast vollständig dem T6B5 entspricht. Lediglich das Design von Front und Heck wurde überarbeitet und statt der Falttüren wurden ursprünglich Außenschwenktüren eingebaut. Diese bewährten sich jedoch nicht, so dass später wieder Falttüren eingebaut wurden. Die elektrische Ausrüstung für den K1 wurde von einer ukrainischen Firma in Saporischschja neu entwickelt.
Der 2001 gebaute Prototyp wurde zunächst fast zwei Jahre lang in Kiew erprobt, anschließend an die Serie angepasst und nach Konotop abgegeben. Die elektrische Ausrüstung wurde außerdem in zwei Fahrzeugen der Straßenbahn Donezk erprobt, die äußerlich bis auf die Beleuchtung noch dem T6B5 entsprechen. Viele Betriebe kauften aus finanziellen Gründen nur wenige K1. In größerer Stückzahl wurden sie beispielsweise nach Donezk geliefert (25 Fahrzeuge). Aus qualitativen und konstruktiven Gründen sind die K1 häufig längerfristig abgestellt und in Donezk und Mariupol wurden einige Fahrzeuge bereits nach relativ kurzer Einsatzzeit wieder ausgemustert.

Der Typ K1M oder K-1M unterscheidet sich vom K1 hauptsächlich durch einen Niederflurbereich zwischen den Drehgestellen. Zunächst wurden von 2012 bis 2016 nur acht Fahrzeuge für Kiew und je eines für Odessa und Mariupol gebaut, wo sie die ersten Niederflurwagen waren. 2025 erhielt Tatra-Jug einen Auftrag über 17 Triebwagen für die Straßenbahn Kamjanske, die etwas moderner gestaltet und ausgestattet sind als die vorherigen K1M. Unter anderem sind sie klimatisiert und haben Einholm- statt Scherenstromabnehmer. Ihre Auslieferung begann im Juli 2026.

Der K1M8 oder K-1M8 ist ein dreiteiliger, achtachsiger Jakobs-Gelenkwagentyp, ähnlich dem Tatra KT8D5, jedoch als Einrichtungswagen. Im mittleren Wagenteil gibt es einen Niederflurbereich. Die lediglich vier gebauten Fahrzeuge stehen auf dem westlichen Teilnetz in Kiew im Einsatz, hauptsächlich auf den Linien 1, 2 und 3 (Stand 2020).

Der K1E6 oder K-1E6, teilweise am Ende ergänzt um A, ist ein zweiteiliger, sechsachsiger Jakobs-Gelenkwagentyp, ausgeführt als Einrichtungswagen. Angepasst an das Netz der Straßenbahn Alexandria ist er 2,2 Meter breit und damit deutlich schmaler als die anderen Typen. Obwohl der K1E6 konstruktiv bereits relativ stark vom T6B5 abweicht, sind beispielsweise die Fenster und Türen erkennbar noch in der gleichen Weise wie bei den Tatrawagen ausgeführt. Die Auslieferung der 15 Fahrzeuge begann im Frühjahr 2019.

Der Typ K1M6 oder K-1M6 ist als dreiteiliger, sechsachsiger Gelenkwagen mit aufgesattelten Endwagen und kurzem Mittelteil ausgeführt. Über den Enddrehgestellen ist der Fußboden hochflurig und über drei Stufen mit dem niederflurigen Bereich verbunden. Über das mittige Fahrwerk wird der Durchgang mittels Rampen stufenfrei hinweggeführt. In diesem Bereich sind die Sitze längs auf seitlichen Podesten angeordnet. Der erste von zehn für die Straßenbahn Kiew bestellten Wagen wurde 2018 geliefert und ist seit dem Frühjahr 2019 im Einsatz. Zuvor wurde er in Dnipro und im topographisch anspruchsvollen Netz der Straßenbahn Kamjanske erprobt. Der Lieferzeitpunkt der weiteren Fahrzeuge war 2020 noch unklar.

Die Typenreihe K1T oder K-1T umfasst Niederflurwagen mit stufenfreiem Durchgang über die gesamte Länge des Fahrgastraums. Der Hersteller bietet sie als Großraumwagen auf zwei Drehgestellen, zwei- bis vierteilige Gelenktriebwagen mit aufgesattelten Endwagen und langem Mittelteil sowie dreiteilige Gelenkwagen mit aufgesattelten Endwagen und kurzem Mittelteil an.
2020 gewann Tatra-Jug habe mit dem Typ K1T206 oder K-1T206 eine Ausschreibung zur Lieferung von 17 Fahrzeugen für die Straßenbahn Craiova gegen Pesa, Bozankaya und Durmazlar. Dies wären zweiteilige Gelenkwagen mit aufgesatteltem hinterem Wagenteil gewesen. Zur finalen Auftragsvergabe kam es jedoch nicht.
Der Typ K1T306 oder K-1T306 ist die Ausführung als dreiteiliger Gelenkwagen mit aufgesattelten Endwagen und kurzem Mittelteil. Er wurde an die Straßenbahnen Kiew, Odessa und Dnipro geliefert. Es gibt mehrere Varianten mit unterschiedlicher Türanordnung.
Für die Straßenbahn Kiew wurden zunächst 20 K1T306 bestellt. Die Auslieferung acht weiterer Fahrzeuge mit abweichender Türanordnung wurde 2025 abgeschlossen.
Für die Straßenbahn Odessa wurden am 16. Dezember 2022 13 K1T306 bestellt, nachdem Tatra-Jug in einer Ausschreibung über zwölf Fahrzeuge einen zusätzlichen Triebwagen angeboten hatte. Die Auslieferung begann im Dezember 2023 und wurde im Februar 2025 abgeschlossen.
Für Dnipro wurden 2025 fünf K1T306 bestellt, deren Auslieferung 2026 begann und die dort die ersten Niederflurwagen sind. Bei diesen handelt es sich um dreiteilige Gelenkwagen mit aufgesattelten Endwagen und kurzem Mittelteil.