Die Bezeichnung Teersee (engl. acid tar lagoons oder tar ponds) beschreibt künstliche Deponien für flüssige industrielle Abfallprodukte, die überwiegend aus der Teerherstellung stammen. Davon abzugrenzen sind natürliche, geogene Asphaltseen, mit denen sie umgangssprachlich oft fälschlich gleichgesetzt werden. Von solchen ungesicherten Altlasten gehen große Gefahren für Grundwasser, Boden und Luft aus. Verursacht werden diese vor allem durch Benzol und giftige Kohlenwasserstoffe. Die Sanierung dieser Flächen ist technisch aufwendig, langwierig und mit sehr hohen Kosten verbunden.

Teerseen kommen in nahezu allen Industrieländern vor, insbesondere in Regionen, die durch eine intensive Verarbeitung von Kohle oder Erdöl geprägt sind. Sie entstehen primär durch Schadstoffeinleitungen der Schwerindustrie, illegale Abfallentsorgung oder Unfälle bei der Verarbeitung von Teer und anderen kohlenstoffhaltigen Rückständen.
In den betroffenen Gewässern sammelt sich ein tödlicher Cocktail aus Schwermetallen, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und chemischen Lösungsmitteln an, der den Untergrund durchdringt und das lokale Ökosystem vollständig kollabieren lässt.
Da diese Schadstoffe biologisch kaum abbaubar sind, reichern sie sich in der Nahrungskette an und kontaminieren über das Grundwasser langfristig die Trinkwasserressourcen umliegender Gemeinden, was zu schweren chronischen Erkrankungen bei Menschen und Tieren führt. Weil diese Areale nur unter großem finanziellem und technologischem Aufwand saniert werden können, zieht sich die Wiederherstellung meist über Jahrzehnte hin. Viele dieser Gewässer bleiben daher globale ökologische Herausforderungen.

Einer der bekanntesten Teerseen im Ruhrgebiet ist der Teersee Meiderich. Er stellt eine erhebliche mit organischen und anorganischen Schadstoffen belastete Altlast auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Schachtanlage Thyssen IV/VIII in Duisburg-Meiderich dar. Der See steht im Zusammenhang mit der Ablagerung teerhaltiger Stoffe aus der Kohle- und Kokereiwirtschaft. Eine zentrale Bedeutung für die regionale Teerwirtschaft hatte die 1905 gegründete Gesellschaft für Teerverwertung (GfT), die 1906 in Meiderich eine großtechnische Steinkohlenteerdestillation in Betrieb nahm und Kokereirückstände verschiedener rheinisch-westfälischer Montanunternehmen verarbeitete.
Bis in die 1970er Jahre wurden auf dem Gelände teerhaltige Produktionsrückstände abgelagert. Unter anderem kippten Tanklastwagen dort Benzol, Cyanide, Quecksilber, Schwermetalle und schwefelhaltige Harze ab. Im Jahr 2001 begann schließlich die Altlastensicherung, welche den Bau einer Dichtwand in teilweise bis zu 35 Metern Tiefe sowie eine Oberflächenabdichtung umfasste. Dabei zielte die Sanierung nicht auf eine vollständige Entfernung der Schadstoffe ab. Vielmehr ging es um deren dauerhafte Sicherung, um eine weitere Ausbreitung insbesondere in das Grundwasser zu verhindern. Seit 2007 ist das Areal des ehemaligen Sees Bestandteil des Landschaftsparks Duisburg-Nord. Die dauerhafte Überwachung der Anlagen des Sicherungsbauwerks verursacht sogenannte Ewigkeitskosten.
Im Lausitzer und Mitteldeutschen Braunkohlerevier wurden ebenfalls, und hier insbesondere nach 1945, hochgiftige Industrieabfälle in Restlöcher entsorgt. Der Abfall bestand überwiegend aus Rückständen von Braunkohlenteer, Phenolen, Bleicherde. Der Aufwand und die Kosten der Sanierung variieren je nach Standort und Maßnahme erheblich. Entscheidend sind dabei Größe und Tiefe des Teersees, Menge und Art der Schadstoffe, Entsorgungsweg sowie die Frage, ob der Teer vollständig entfernt oder vor Ort gesichert wird.
So kostete die Sanierung von sieben Teerseen mit rund 75.000 Tonnen Teer und Abfällen der ehemaligen Großgaserei Magdeburg in Rothensee bis 2009 etwa 14 Millionen Euro. In dieser Summe sind jedoch nicht die Aufwendungen für die Grundwassersicherung enthalten, die bis zum Jahr 2024 andauerte und ein jährliches Monitoring erfordert.
Für die Sanierung des Teersees „Neue Sorge“ in Rositz (Thüringen) fielen allein bis 2012 insgesamt 80 Millionen Euro an. Neben der DEA Deutsche Erdöl AG, die ab 1935 das Restloch des ehemaligen Braunkohlentagebaus „Neue Sorge“ als offene Betriebsdeponie für ungefilterte Produktionsabfälle nutzte, trug die DDR-Mangelwirtschaft bzw. das spätere VEB Teerverarbeitungswerk Rositz die Hauptverantwortung für die Umweltzerstörung. Faktisch wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Einleitung hochgiftiger Teer- und Ölrückständen massiv verschärft und bis 1990 fortgesetzt. 1997 begann die Sanierung des Teersees. 343.000 Kubikmeter Produktrückstände konnten bis Ende 2007 entfernt werden. Anschließend erfolgte bis 2012 die Verfüllung des Restloches mit 266.580 Tonnen Bodenmaterial, inklusive Bepflanzung der Fläche mit Gräsern und Sträuchern. Obwohl damit die eigentliche Sanierung abgeschlossen wurde, bleibt das Gelände eine der komplexesten Altlasten Thüringens, die eine dauerhafte Kontrolle erfordert. Für die permanente Überwachung des regionalen Grundwassers ist der Betrieb von rund 93 Grundwasser- und 15 Oberflächenwassermessstellen erforderlich. Der Bereich des ehemaligen Teersees ist striktes Sperrgebiet. Es besteht unverändert Lebensgefahr. Aufgrund der unberechenbaren Tiefenstruktur des Untergrunds besteht ein dauerhaftes Einbruch- und Versinkungsrisiko.
In der Lausitz kostete die Entschlammung und anschließende Entsorgung von rund 50.000 m² Teerlagerstätten bei Zerre und Terpe aufgerundet 21 Millionen Euro. Verursacher der Umweltverschmutzung waren die Betreiber des Gaskombinats Schwarze Pumpe, die den Teersee von 1957 bis 1987 für die Entsorgung von Abfallstoffen aus der Braunkohlevergasung nutzten. Die dabei entstandenen giftigen Nebenprodukte wie phenolhaltige Teerölfeststoffe und Kohletrübe (dickflüssiges Gemisch aus Wasser, Kohlenstaub und feinen Kohlepartikeln) wurden ungesichert in eine ehemalige Kiesgrube und eine Halde geleitet. Rund 380.000 Tonnen der Rückstände in Zerre und Terpe wurden ab dem Jahr 2000 aufwendig mit Schwimmbaggern und Dickstoffpumpen entfernt. Die ehemaligen Teerseen sind heute trockengelegt, eingezäunt und mit Gräsern bewachsen. Das Gelände unterliegt einem strikten Betretungsverbot. Auch hier bleibt eine kontinuierliche Überwachung der Bodenstruktur und des Grundwassers zwingend erforderlich.
Ähnliche sanierungsrelevante Altlasten weisen unter anderem Teerseen im heutigen Sachsen-Anhalt in Krumpa (Mineralölwerk Lützkendorf), zwischen Deuben und Trebnitz (Industriekraftwerk Deuben) sowie in Sachsen im Bereich des ehemaligen Braunkohlen-Veredlungswerkes Espenhain auf.
In Österreich schlug bei den Teerteichen in Trieben im steirischen Paltental die Sanierung von rund 20.000 Tonnen Giftmüll allein bis zum Jahr 2025 mit 7,7 Millionen Euro zu Buche. Verursacher waren die Inhaber der Veitscher Magnesitwerke, die dort bis 1961 Abfälle in zwei Gruben am Fuß einer Abraumhalde entsorgten.

Auch das Vereinigte Königreich kämpft mit einer großen Anzahl sogenannter Acid Tar Lagoons. Eine der bekanntesten Altlasten des Landes befindet sich im rund elf Kilometer von Wrexham entfernten Llwyneinion (Wales). In den 1960er und 70er Jahren wurden hier unzählige Tonnen giftiger Chemie- und Raffinerieabfälle in eine Grube gekippt. Der jahrzehntealte, pechschwarze Sumpf ist extrem sauer (pH-Wert von 1 bis 2) und enthält krebserregende Kohlenwasserstoffe. Die Sanierung ist aufgrund der chemischen Zusammensetzung kompliziert und sehr teuer.
Das heute von Wald umgebene Gelände wurde bislang nicht saniert und gilt als die problematischste und gefährlichste Altlastenfläche in Nordwales. Weil der Zugang gesperrt ist, kam die walisische Umweltbehörde 2007 zu dem Ergebnis, dass von dem Gelände kein erhebliches Risiko für die menschliche Gesundheit ausgeht. Aufgrund der hoch veranschlagten Sanierungskosten wurde bis 2026 noch keiner der vorgelegten Dekontaminierungspläne umgesetzt.
Ein weiteres Beispiel ist der Hoole Bank Tar Lagoon nordöstlich von Chester. In diese ehemalige Tongrube gelangten bis 1967 mehr als 62.000 Tonnen flüssiger Säureteer aus der Benzolraffination. Der Standort wurde bereits 2006 offiziell als „contaminated land“ eingestuft und 2007 als „special site“ (dt.: „besonders überwachungsbedürftiger Altlastenstandort“) ausgewiesen. Im Mai 2026 entnahmen die zuständigen Behörden erneut Proben aus dem Teersee, konkrete Sanierungsmaßnahmen blieben jedoch weiterhin aus.
Als einer der größten Umweltskandale Großbritanniens gilt der Brofiscin Quarry bei Groes-faen nahe Cardiff. In den ehemaligen Kalksteinbruch kippte ein Abfallunternehmen von 1965 bis 1972 zirka 72.000 Kubikmeter teerartige Abfälle, Destillationsrückstände und andere flüssige Chemieabfälle, die hauptsächlich von BP und Monsanto stammten. Über einer Schlammschicht bildete sich im Laufe der Zeit ein Teersee. Toxische Stoffe gelangten so direkt ins Grundwasser, eine verfärbte Flüssigkeit trat oberflächlich aus und kontaminierte das Umland. Ab Ende der 1960er Jahre berichteten Anwohner von verendeten Rindern und missgebildeten Föten im Umfeld des Brofiscin Quarry.
Nachdem die Umweltbehörde den See 2005 offiziell als hochgradig kontaminiert einstufte, begannen jahrelange rechtliche Auseinandersetzungen, die von Vertuschungsvorwürfen, Schadensersatzforderungen und Haftungsfragen geprägt waren. Im Oktober 2011 starteten die Sanierungsarbeiten, wobei ein komplettes Ausbaggern wegen des porösen Kalkgesteins unmöglich war. Stattdessen wurde die Grube mit einer Schutzschicht aus Spezialfolien und Erde versiegelt. Diese 2013 beendeten Maßnahmen stellen jedoch keine vollständige Eindämmung dar. Die Versiegelung schützt nur gegen Witterung von oben, löst aber nicht das Problem, dass die Gifte an den Seiten und nach unten in die tiefen Gesteinsschichten eindringen. Die BBC ging im August 2026 dem Verdacht nach, ob anhaltende Schadstoffauswaschungen für gehäufte Krebs- und Autoimmunerkrankungen in den Nachbargemeinden verantwortlich sind. Ein rechtlich bindender Nachweis fehlt jedoch, da epidemiologische Langzeitstudien ausstehen. Die zuständigen Behörden stufen Brofiscin Quarry als „gesichert“ ein und planen keine weiteren Sanierungsmaßnahmen.

Das bekannteste und extremste Beispiel in der Geschichte Kanadas sind die Sydney Tar Ponds auf der Kap-Breton-Insel in der Provinz Nova Scotia. Diese künstlichen Teerseen gelten historisch als eine der größten und gefährlichsten industriellen Altlasten Kanadas. Über fast 100 Jahre hinweg leitete ein großes Stahl- und Kokswerk in der Stadt Sydney seine ungefilterten Abfälle in ein lokales Flusssystem ab. Es bildete sich in den umliegenden Seen ein riesiges Areal mit über 750.000 Tonnen hochtoxischem Schlamm, vollgepumpt mit krebserregenden PAK, Schwermetallen, Benzol und extrem giftigen PCB. Die Krebsraten in der umliegenden Bevölkerung lagen zeitweise dramatisch über dem kanadischen Durchschnitt.
Nach jahrzehntelangen Debatten und Verzögerungen begann in den 1980er Jahren ein Sanierungsprojekt. Ursprünglich sollte eine eigens errichtete Verbrennungsanlage den kontaminierten Schlamm aus den Teichen vernichten. Das Vorhaben scheiterte jedoch, da sich der giftige Abfall nicht durch die dafür vorgesehene Rohrleitung pumpen ließ. Stattdessen erfolgte eine Vermischung des Schlamms mit Zement, wodurch dieser verfestigt und stabilisiert werden konnte. Anschließend wurden die Flächen vollständig versiegelt und mit Erde abgedeckt. Die Sanierung kostete insgesamt rund 400 Millionen kanadische Dollar und galt 2014 als abgeschlossen. Im selben Jahr eröffnete auf dem ehemaligen Gelände der Teerteiche ein Freizeitpark mit Spazierwegen, Spiel- und Sportplätzen.


In den USA existieren Dutzende von der nationalen Umweltbehörde EPA erfasste Altlastenstandorte (Superfund Site), bei denen Teerseen, Teerbecken oder vergleichbare Teerablagerungen ein wesentlicher Teil der Kontamination sind.
Zu den gefährlichsten Altlasten gehört die American Cyanamid Superfund Site in Bridgewater Township (New Jersey). Auf dem rund 233 Hektar großen Gelände einer ehemaligen Steinkohlenteerdestillation direkt am Raritan River wurden während des fast 90-jährigen Betriebs insgesamt 27 Becken für chemischen Schlamm und Industrieabfälle angelegt. Diese sind immer noch mit rund 44.700 Tonnen hochgiftigem Säureteer gefüllt. Die EPA stufte 1983 die Teersümpfe als „Principal Threat Waste“ (höchste Gefahrenstufe) ein. Es besteht permanent das Risiko, dass der Teer bei Hochwasser in den Fluss gespült wird oder giftige Gase freisetzt. Die Sanierung begann 1994, ist aber bis heute nicht abgeschlossen.
Ein weiterer Sanierungsfall ist der Onondaga Lake in New York, wo sich über Jahrzehnte große Mengen industrieller Abfälle ablagerten. Besonders problematisch waren die sogenannten Semet-Tar-Beds, in denen sich dunkle, teerartige Rückstände aus der Industrie sammelten. Diese Teerbecken enthielten giftige Chemikalien wie Benzol, Toluol, Naphthalin und andere krebserregende Stoffe. Zusätzlich gelangten Quecksilber und weitere Industriechemikalien in den Onondaga Lake. Zwischen 2012 und 2014 wurden etwa 2,2 Millionen Tonnen belastetes Sediment von dem Seeboden ausgebaggert. Bis 2020 folgte die komplette Flächenversiegelung dieser Bereiche. Der Onondaga Lake ist seitdem deutlich sauberer als früher. Das bedeutet aber nicht, dass die gesamte Kontamination verschwunden ist. Insbesondere die Belastung von Fischen mit Quecksilber und PCB bleibt ein Thema.
Zu den Superfund-Altlastenstandorten zählt ferner der Tar Lake in der Gemeinde Mancelona im Antrim County (Michigan). Über sechs Jahrzehnte wurden in diesem künstlichen Teich chemische Abfälle und Teerschlämme entsorgt, wodurch giftige Stoffe tief in den Boden sickerten. Der kontaminierte Bereich dehnte sich auf ein Areal von 95 bis 98 Hektar aus. Private Brunnen konnten nicht mehr genutzt werden. Die 1998 begonnene Sanierung führte bis 2012 zur weitgehenden Austrocknung und Ausbaggerung des Teerteichs. Nach längerem Stillstand stellte die US-Regierung Ende 2021 neue Mittel bereit. Im August 2026 stellte die EPA fest, dass langfristig weitere Maßnahmen nötig sind. Geplant ist das Ausbaggern von weiteren 172.500 Tonnen kontaminiertem Boden sowie der Bau von 45 neuen Belüftungsbrunnen.
Bei den Tacoma Tar Pits in Tacoma (Washington) handelt es sich ebenfalls um das Resultat jahrzehntelanger schwerer Umweltverschmutzung. Von 1924 bis 1956 betrieb ein regionales Energieunternehmen im Hafengebiet der Tacoma Tideflats eine Anlage zur Kohlevergasung. Dabei fielen große Mengen giftigen Steinkohleteers an. Dieser wurde ungefiltert in die umliegenden Feuchtgebiete und Flussmündungen geleitet, wodurch auf einer Fläche von rund 21 Hektar dicke, teerartige Schlammgruben entstanden. Wegen der starken Belastung gilt das Gebiet seit 1983 als Superfund Site. In den 1990er Jahren wurden 79.000 Kubikmeter Teerschlamm vor Ort chemisch verfestigt und mit Asphalt, Beton oder Kunststoff versiegelt. Da damit das Grundwasserproblem nicht gelöst werden konnte, folgte die Installation von Filter- und Pumpsystemen. Diese müssen permanent geprüft werden und in Betrieb bleiben, weil die Benzol- und PAK-Konzentrationen in der Tiefe ohne diese Barrieren nach wie vor die Grenzwerte überschreiten würden.
Polen ist der größte Steinkohle- und der zweitgrößte Braunkohle-Produzent in der Europäischen Union. Obwohl das Land seinen Kohleanteil an der Stromerzeugung von rund 90 Prozent im Jahr 2015 bzw. 80 Prozent im Jahr 2018 auf etwa 53 Prozent im Jahr 2026 senken konnte, bleibt es der kohleabhängigste Staat der EU. Die Kohlechemie nimmt mit über 20 aktiven Großbergwerken unverändert eine wirtschaftliche Schlüsselrolle ein. Sie dient als strategische Brücke, um die Abhängigkeit Polens von importiertem Erdgas zu verringern und chemische Grundstoffe lokal zu erzeugen.
Die damit verbundene Problematik der Teerseen und teerhaltigen industriellen Altlasten konzentriert sich vor allem auf die Zentren der Schwerindustrie in Oberschlesien. Eine besonders hohe Konzentration befindet sich in der Umgebung von Chorzów (Königshütte), Zdzieszowice (Deschowitz), Radlin, Zabrze (Hindenburg O.S.) und Dąbrowa Górnicza (Redenberg), dem historischen Kerngebiet des schlesischen Steinkohlebergbaus und der Kokereiindustrie. Im Umfeld dieser industriellen Anlagen entstanden über Jahrzehnte Schlammbecken, Ablagerungsflächen und Deponien, in denen teerhaltige und andere chemisch belastete Rückstände gelagert wurden. Im Rahmen europäischer und nationaler Umweltauflagen arbeitet Polen seit Jahren an der Erfassung, Sicherung und Beseitigung solcher Altlasten.
Ein bekanntes Beispiel ist der Kalina-Teich (Staw Kalina) in Świętochłowice (Schwientochlowitz). Das Gewässer wurde über Jahrzehnte durch das nahegelegene Chemiewerk Hajduki, den bis 2012 größten Benzolproduzenten Polens, extrem belastet. Die Verantwortlichen dieser Steinkohlenteerdestillation ließen phenol- und teerhaltige Abwässer direkt über Rohrsysteme und Gräben in den See ableiten. Zudem lagerte das Werk am Ostufer auf einer ungesicherten Deponie rund 900.000 Tonnen hochtoxische Abfälle wie Phenolschlämme und saure Teere. Regen- und Sickerwasser schwemmten diese Gifte ungehindert in das Grundwasser und direkt in den Staw Kalina. Die Sanierung begann 2021. Nach dreijähriger Bauzeit wurde das versiegelte Areal im September 2023 als Park freigegeben. Da die Altlasten fortbestehen, bewilligte die EU im Juni 2025 weitere Fördermittel für die Sanierung der angrenzenden Abfallhalde. Im August 2026 startete dort der biologische Abbau der tiefen Bodenschadstoffe.
Im Teschener Schlesien (Śląsk Cieszyński) befinden sich die Säure- und Teerteiche (doły kwasowe) von Czechowice-Dziedzice (Tschechowitz). Die drei unversiegelten Gruben entstanden in den 1930er Jahren und wurden bis zur Einstellung des Betriebs im Jahr 1984 von einer örtlichen Raffinerie zur Ablagerung hochgiftiger, schwefelsäurehaltiger Rückstände (saurer Teer) genutzt. Erste Sanierungsversuche begannen 1997 im Rahmen eines internationalen Pilotprojekts, bei dem Bioremediations-Verfahren getestet und zwei der drei Teiche schrittweise geleert wurden. Das Projekt musste jedoch 2001 beendet werden, da für die viel größere, verbliebene Hauptgrube die Forschungsgelder nicht ausreichten. Dieser Teich existiert nach wie vor auf einer Fläche von rund zwei Hektar mitten im Stadtgebiet in unmittelbarer Nähe von Wohnblöcken und Schulen. Eine dauerhafte und lückenlose staatliche Überwachung oder Absicherung findet nicht statt, weshalb das Areal weiterhin als weitgehend ungesicherte ökologische Gefahrenzone gilt.
Ein zentrales Problem in Polen ist zudem die illegale Entsorgung von chemischen und industriellen Abfällen, begünstigt durch unzureichende Kontrollen der Behörden und Strukturen der organisierten Kriminalität. Hochgiftige phenol- und teerhaltige Industrieabfälle, Lösungsmittel und Klärschlämme werden häufig heimlich in Gewässer, Kanäle oder auf wilden Deponien in der Nähe von Seen entsorgt, um den hohen Kosten einer fachgerechten Entsorgung im In- und Ausland zu umgehen. Dabei gehen die Akteure organisiert vor: Über Scheinfirmen oder Strohmänner mieten sie gezielt alte Lagerhallen oder Fabrikgelände an, deponieren dort unbemerkt tonnenweise Giftmüll in IBC-Containern und verschwinden spurlos. Die meisten flüssigen Chemikalien werden jedoch im Schutz der Dunkelheit mit Tanklastern direkt in entlegene Seen und Flüsse geleitet, wodurch eine Rückverfolgung fast unmöglich ist. Die Schadstoffe stammen dabei sowohl aus der heimischen Industrie als auch aus illegalen Müllexporten aus Westeuropa, insbesondere aus Deutschland und Großbritannien, die als harmloser Abfall getarnt über die Grenze geschmuggelt werden.